Psychologie für Trader

Sun Tzu - Die Kunst des Krieges (by Oliver Sorin)

Trader werden in den Schriften von Sun Tzu eine Geisteshaltung wiedererkennen, die häufig auch für profitables Trading als erforderlich gehalten wird, denn die Anweisungen Sunzis sollen den Trader zum unbezwingbaren Strategen wandeln. Der erfolgreiche Trader bringt sich, wie auch der Kriegsstratege in eine Position, von der aus die Niederlage verunmöglicht wird. Erst wenn er sein Risiko kontrolliert, macht er sich auf die Jagd nach Gewinnen. "Die Kunst des Krieges" heißt jenes Werk, das von dem geheimnisvollen chinesischen Kriegerphilosophen Sun Tzu (sunzi) etwa 500 v. Chr. verfasst wurde. Als oberster General der Armeen von König Helu bildet er mit seinen Erkenntnissen der Kriegsführung die Grundlage der strategischen Konfliktlösung. Heute sind die Strategien nicht nur bei Topmanagern in der Unternehmensführung im Einsatz, sondern finden in diversen Bereichen strategischer Abhandlungen Verbreitung, mit dem Ziel, jede Konfliktsituation erfolgreich zu bestehen. Vor allem geschrieben für Individuen, die sich auf einer moralischen Stufe der Egozentrik befinden und deren oberste Ziele Macht, Stärke und Reichtum sind. Es verwundert daher nicht, wenn die Lehren von Sun Tzu auch im materialistischen Westen beliebt sind und immer häufiger Anwendung finden.

 

Sun Tzu sagt: "Der General, der meinen Anweisungen nachkommt, wird in der Schlacht erfolgreich sein. Der General, der meinen Anweisungen nicht folgt, oder nicht auf ihrer Grundlage handelt, wird dem Misserfolg unweigerlich entgegentreten."

Wahrhaft siegt also, wer nicht kämpft. Die höchste Kunst des Krieges ist es, den Feind ohne Kampfabhandlung zu besiegen. Ohne Kampf zu siegen, mit Leichtigkeit und Gerissenheit, dies zeugt laut Sun Tzu von höchster Brillanz. Jede Art der kriegerischen Auseinandersetzung verzehrt Ressourcen und ist demnach der üblere Weg. Wir kennen dieses Prinzip auch aus der Ökonomie: Maximaler Output mit minimalen Input, womit Sun Tzu die Effizienzgesetze der Natur und der Wirtschaft auch auf strategische Abhandlungen des Krieges überträgt.


 

 

Nüchternheit

Sun Tzu fährt fort und spricht über Rationalität versus Impulsivität. Der Weg der Weisheit und Vernunft führt zum Sieg, nicht die emotionale Handlung. Zorn und Begierde sind die tiefen Gründe für Niederlage und Zerschmetterung, so Sun Tzu. Ruhe und Gelassenheit lässt den heldenmutigen Krieger den Hitzkopf niederstrecken. Der General, der seinen Zorn nicht kontrollieren kann, wird seine Männer aussenden wie schwärmende Ameisen, was dazu führt, dass Einer von Dreien erschlagen wird, während die Stadt uneingenommen steht. Der listenreiche Führer wird die Truppen des Feindes untergraben ohne zu kämpfen, Städte einnehmen ohne sie zu belagern, Königreiche übernehmen ohne lange Feldzüge. Disziplin und Ruhe bewahren und den richtigen Augenblick abwarten, dass ist die Kunst der Selbstbeherrschung.

 

 

 


 

 

Unbesiegbarkeit

Letztendlich führen die Lehren Sunzis zu Unbesiegbarkeit. Seine Weisheiten leiten den Strategen, das Schlachtfeld als Sieger zu verlassen, bevor er in den Krieg zieht. Die Kontrolle des Feindes, der bereits vor den Ereignissen geschlagen ist, führt zum unausweichlichen Triumph. Sunzis Abhandlungen über die Unbesiegbarkeit rücken die Informationsgewinnung über die Schwächen des Feindes und sich selbst in den Mittelpunkt:

"Wenn du deinen Feind und auch dich kennst, brauchst du nicht die Ergebnisse von einhundert Kämpfen zu fürchten. Wenn du dich kennst, nicht aber deinen Feind, wirst du für jeden Sieg eine Niederlage erfahren. Wenn du weder dich noch deinen Feind kennst, wirst du in jeder Schlacht versagen."


 

 

Täuschung und Tarnung

Ein wesentlicher Kern der Strategie ist Täuschung und Tarnung. Sun Tzu dazu : „Sei unendlich fein und subtil, ja geh an die Grenze der Formlosigkeit. Sei unendlich rätselhaft, ja geh bis an die Grenze der Lautlosigkeit. So kannst du das Schicksal deiner Gegner bestimmen. Die Kriegskunst beruht auf Täuschung. Es ist von höchster Wichtigkeit, dass die Strategien unergründlich und in ihrer Form verborgen bleiben. Nur wenn die Bewegung unerwartet kommt, ist es unmöglich auf sie vorbereitet zu sein. Nur das Formlose bleibt von allem unberührt. Der weise Krieger verbirgt sich in Unergründlichkeit.Sein Handeln hinterlässt keine Spuren und entzieht sich jeglicher Beobachtung. Folglich sollten wir, wenn ein Angriff möglich ist, so wirken, als sei er unmöglich. Während wir unsere Kräfte nutzen, sollten wir inaktiv wirken. Sind wir nahe, sollten wir beim Feind den Eindruck erwecken, wir wären noch fern. Sind wir aber fern, so sollten wir ihn glauben lassen, wir wären nahe. Lege Köder um den Feind zu verlocken. Täusche Unordnung vor und schlage dann zu. Greife ihn an, wo er unvorbereitet ist, erscheine, wo du nicht erwartet wirst. Wenn seine Stärke überlegen ist, weiche ihm aus. Wenn er versucht, sich zu entspannen, so gönn ihm keine Ruhe. Wenn seine Kräfte vereint sind, spalte sie. Ist der Gegner cholerischen Gemütes versuche ihn zu reizen. Ist der Gegner überheblichen Gemüts, tue schwach, so dass er sich überlegen wähnt."

 


 

Die Schlacht austragen

Das Kapitel „die Schlacht austragen“ könnte aus moderner Sicht als das Ressourcenmanagement in Konfliktsituationen beschrieben werden. Auch im Umgang mit den Kapazitäten folgt die Strategie einem streng ökonomischen Denken:

 

 

 

"Es gibt kein Beispiel eines Landes, das von langwierigen Feldzügen profitiert hätte. Im Kriege denn, sollte das höchste Ziel der Sieg sein, nicht lange Feldzüge. Bist du in tatsächliche Kämpfe verwickelt und der Sieg lässt lange auf sich warten, so werden die Waffen der Männer stumpf und die Begeisterung wird gedämpft. Wenn deine Waffen stumpf, deine Begeisterung gedämpft, deine Stärke ermattet und dein Schatz verbraucht, werden andere Führer kommen um sich deiner Notlage zu bereichern. In diesem Fall kann niemand, wie weise auch immer, die Folgen abwenden, die sich ergeben. Nur Derjenige, der die Bosheiten des Krieges wirklich kennt, kann verstehen, wie man diese vorteilhaft für sich nützt. Es ist das Beste des Feindes Lagers intakt zu erobern. Es zu zertrümmern und zerstören ist nicht so gut.“
„Folglich zeugt es nicht von höchster Brillanz, in allen Schlachten zu kämpfen und zu erobern. Höchste Brillanz ist, des Feindes Widerstand zu brechen, ohne zu kämpfen. Die höchste Form der Generalschaft besteht darin, des Feindes Plan zum Stocken zu bringen. Die Nächste besteht darin, die Verbindungen der gegnerischen Kräfte zu unterbrechen. Die Nächste, des Feindes Armee im Felde anzugreifen. Und die Schlechteste ist es, bewehrte Städte zu belagern."

 


 

 

Defensive

„Der gute Kämpfer der alten Zeit schließt zunächst jede Möglichkeit der Niederlage aus und wartet dann auf die Gelegenheit den Gegner zu besiegen. Uns vor einer Niederlage zu bewahren liegt in unserer Hand. Aber für die Möglichkeit den Feind zu besiegen, sorgt dieser selbst. Demnach kann der weise Kämpfer zwar sich selbst vor der Niederlage bewahren, nicht aber, die des Gegner sicherstellen. Man kann wissen, wie man erobert, ohne in der Lage zu sein, dies auch zu tun. Um vor Niederlage sicher zu sein, benötigt es Verteidigungstaktik. Um den Feind zu besiegen Offensive. Auf Defensive zu beharren deutet auf unzureichende Stärke hin. Auf Offensive hingegen auf Übermut. Der Siegreiche gewinnt, indem er keine Fehler macht. Keine Fehler zu machen bedeutet, einen Gegner zu schlagen, der bereits geschlagen ist. Demnach versetzt sich der Geschickte in die Position, in der die Niederlage unmöglich ist, verabsäumt es aber nicht den Gegner im passenden Augenblick zu besiegen. Der siegreiche Stratege sucht den Kampf erst dann, wenn der Sieg bereits errungen ist, so wie der dem Untergang Geweihte, zuerst kämpft und dann Ausschau nach dem Sieg hält."

 


 

 

Tatkraft- die Kräfte bündeln

"Dass der Aufprall unserer Armee dem eines Schleifsteins auf einem Ei gleicht, ist ein Ergebnis der Kenntnis von Schwachpunkten und Stärken. Eine wohl gefällte Entscheidung gleicht dem gezielten herabstoßen des Falken, der sein Opfer vernichtet. Die Tatkraft entspricht der Spannung eines Bogens. Die Entscheidung dem Abschießendes Pfeiles. Der kluge Streiter spekuliert auf die Gewalt gemeinsamer Schlagkraft und verlangt nicht zu viel von dem Einzelnen. Mit intakten Kräften wird er sich die Herrschaft über das Reich erstreiten und auf diese Weise wird sein Triumph vollkommen, ohne dass er auch nur einen Mann verlor. Lass deine Geschwindigkeit die des Windes gleichen und deinen Zusammenhalt dem des Waldes. In Überfällen gleiche dem Feuer, in deiner Unerschütterlichkeit der des Berges. Lass deine Pläne undurchschaubar sein wie die Nacht und wenn du dich bewegst, brich hervor wie der Donnerschlag. Bei allem ist es wichtig, schnell zu sein. Handelst du schnell, kannst du Ausgaben sparen und dem Volke erlauben, sich zu erholen."

 


 

 

Stärken, Schwächen

"Der Erste am Kriegsplatz wird immer der Vorbereitete sein. Der Zweite wird erschöpft ankommen. Daher zwingt der Siegreiche seinen Gegner den Willen auf, erlaubt es aber umgekehrt seinem Gegner nicht, ihm den Willen aufzuzwingen. Sucht der Feind Bequemlichkeit, so störe ihn. Ist er gut in Vorräten, so hungert man ihn aus. Lagert er, so bringt man ihn dazu in Bewegung zu kommen. Vergleiche sorgfältig die gegnerische Armee mit deiner Eigenen, so dass du erkennst, wo Stärken überreichlich und wo nur mangelhaft vorhanden. Wer nicht voraussieht oder den Gegner unterschätzt, wird bestimmt von ihm überwältigt. Wenn du den Feind benutzt, um den Feind zu besiegen, dann wirst du stark sein wohin du auch gehst."

 

 

 

 

 

 


Zitate aus „Sun Tzu (Sunzi) Wahrhaft siegt, wer nicht kämpft – Die Kunst des Krieges. Herausgegeben von Thomas Cleary , aus dem Amerikanischen von Ingrid Fischer –Schreiber, Piper Verlag Gmbh, Münchne 1990.

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