Handelsstrategien für Anfänger

 Erfahrungen mit der Ross Methode (by Oliver Sorin)

Die Methoden nach Ross basieren auf einfachen charttechnischen Formationen und verzichten zum größten Teil auf den Gebrauch von Indikatoren. Statt komplexe Computeranaylsen rücken Positions + Risikomanagement und Handelsdisziplin in den Mittelpunkt. Die Strategien zielen darauf ab, es möglichst einfach zu halten und das Hauptaugenmerk auf das Lesen des Charts zu lenken, was nach Ross der Wahrheit am Nähesten kommt. Anwendbar in unterschiedlichen Timeframes und Märkten bleibt der Intraday- Futureshandel jedoch der präferierte Einsatzbereich. Ross plädiert fur Purismus und predigt in seinen Brüchern eine streng dogmatische Sichtweise, dass hochkomplexe Handelssysteme und mathematische Konzepte nicht notwendig seien, um als Trader profitabel handeln zu können.

Ich möchte darauf hinweisen, dass die besprochenen Strategien nicht exakt den originalen Methoden entsprechen, sondern sich die Lehrbuch Regeln hier mit meinen Erfahrungen vermischen. Es handelt sich also nicht um die originellen Ross Regeln, sondern vielmehr um einen Erfahrungsbericht von mir mit dem Ross Ansatz.

 


 

 

1-2-3 Tief / 1-2-3 Hoch

Beginnen wir mit der Chartformation, die sowohl bei Gann als auch in der Elliott Wave Theorie zu finden ist. Die Rede ist vom 1-2-3 Tief / 1-2-3 Hoch. Die Formation kann dynamische Marktbewegungen nach sich ziehen. Sie kann sowohl einen Trend umkehren, als auch bestätigen. Versuchen wir anhand der nachfolgenden Abbildung zu verstehen, was sich hinter dieser Bewegung steckt.

Wir sehen einen sehr starken Abwärtstrend bis zum Punkt 1. Der Verkaufsdruck ist groß und die Kursbewegung geht rasch von sich. Wie in jedem Trend kommt es zu Gewinnmitnahmen. Trader die short in diesem Markt sind, vermuten eine Gegenbewegung oder sie sind einfach zufrieden mit ihrem Gewinn und stellen Kontrakte glatt, indem sie Longpositionen eingehen. Zusätzlich zu diesem neu entstandenen Kaufinteresse kommen nun auch die Longorders der Bullen in den Markt, die hier ein Tief vermuten. All dies führt dazu, dass die Dynamik der Bewegung zunimmt und weitere Käufer aufspringen.
Diese Käufe hinterlassen das Tief bei Punkt 1. Während die Korrektur sich bis zu Punkt 2 bewegt, können wir noch von einer Abwärtstrendfortsetzung ausgehen. Es gibt kein höheres Hoch und die Wahrscheinlichkeit der Trendfortsetzung ist noch größer als die einer Umkehr. Am Punkt 2 sind die Trader mit ihren Gewinnmitnahmen zufrieden. Zugleich nehmen die Orders derjenigen Marktteilnehmer wieder überhand, die auf ein neues Tief spekulieren. So entsteht vom Punkt 2 weg eine neuerliche Abwärtswelle, die eine Trendfortsetzung vermuten lässt. Dies hat zur Folge, dass die Bullen von Punkt 1 ihre Longpositionen schließen müssen, um Verluste zu vermeiden. In dieser Situation kann man davon ausgehen, dass die Mehrheit der Marktteilnehmer auf fallende Preise spekuliert und mit neuen Lows rechnet.

Nun kommt jedoch der entscheidende Punkt 3. Überraschenderweise finden hier die Preise Support und bewegen sich plötzlich wieder in die Gegenbewegung. Viele liegen nun auf der falschen Seite und sind möglicherweise überrascht. Wenn eine Erwartungshaltung des Marktes enttäuscht wird, führt dies meist zu schnellen Bewegungen. Punkt 2 ist nun ein wichtiger Widerstand, den es zu beobachten gilt. Solange Punkt 2 hält, gehe ich noch davon aus, dass die Wahrscheinlichkeit für eine Seitwärtskonsolidierung innerhalb des Abwärtstrends höher ist. Das Volumen und die Tageszeit können Hinweise darüber geben, ob wir mit einer Tradingrange rechnen können, oder tatsächlich mit einer Trendumkehr. Wird Punkt 2 durchbrochen, haben wir ein höheres Hoch und ein höheres Tief (3) und einen neuen Aufwärtstrend.

Wie kann man nun diese Situation gewinnbringend handeln? Ein einfacher Weg ist es einen Kaufauftrag am Punkt 2 zu platzieren. Oberhalb von Punkt 2 werden sich viele Stopps von Shortpositionen finden, da viele Trader  natürliche Chartpunkte benutzen, um ihre Gewinne abzusichern. Dies hat oft eine schnelle Bewegung zur Folge, wie man auch in diesem Beispiel erkennen kann. Ich würde den Stopp für diese Longposition knapp unter Punkt 3 legen.

Wenn man rein diese Chartformation handelt, wird man jedoch sehr viele Fehlsignale bekommen. Es bedarf viel Erfahrung die wirklichen Umkehrpunkte von den falschen zu erkennen. Stoppfishing ist an den Futuresmärkten ein ganz natürlicher Vorgang und so werden täglich die Stopps oberhalb von wichtigen Marken von Market Makern abgeholt, nur um dann rasch wieder die alte Richtung aufzunehmen. Die Ausbruchstrader sehen dann in die Röhre und wenn sie nicht einen engen Stopp gesetzt haben, ist ihnen ein Verlust sicher.

Ein einfacher Weg einen Filter einzubauen, ist die Zeit. Da ich selbst im diskretionären Handel kaum  Indikatoren verwende, ist dies eine Möglichkeit auf die ich zurückgreife. Ich weiß, dass die Wahrscheinlichkeit für neue Highs / Lows im S&P500 zwischen 9:30 und 11:00 und 14:00 bis 16:00 am Größten ist. ( 15:30 -17:00 und 20:00 -22:00 unserer Zeit). Das bedeutet, dass ich mögliche 123 Tiefs/Hochs während der hektischen Eröffnungsphase und nach 14:00, wenn die Bonds schließen, keine potenziellen 123 Tiefs handle. Die Statistik spricht hier gegen die Wahrscheinlichkeit einer Trendumkehr. Die ruhige Mittagszeit in Amerika ist jedoch oft für Gewinnmitnahmen gut, wodurch oft eine längere Gegenbewegung entsteht.

Es gibt natürlich viele Möglichkeiten 123 Tiefs /Hochs zu filtern. Volumenbestätigung, ein Blick ins Orderbuch, Tick , Trin oder sogar Indikatoren, wie zum Beispiel Stochastic oder andere Oszillatoren. Auch die Bollinger Bänder einzusetzen, ist ein nützlicher Weg.

 


 

 

Der Haken (Rh)

 

Bei dieser Chartformation handelt es sich um eine einfache Trendfortsetzung, die sich nach einer  Korrektur durch Gewinnmitnahmen bildet. Auch hier sind ähnliche Marktkräfte aktiv, wie bei der Entstehung eines 123Tiefs / Hochs, indem eine Korrekturbewegung durch Gewinnmitnahmen ausgelöst wird. Im Gegensatz zum 123 Tief / Hoch kommt es jedoch zu keiner Trendumkehr. Stattdessen wird das letzte Hoch/ Tief neuerlich durchbrochen. Somit bestätigt ein rh den Trend. Sehn wir uns den ersten Chart mit dem 123- Tief noch einmal an: Nachdem Punkt 2 durchbrochen wurde, ziehen die Kurse kräfitg an , bis wir wieder Gewinnmitnahmen sehen. Sobald sich die Kurse vom Hoch wegbewegen, können wir einen Rh identifizieren. Die Korrektur hinterlässt also das Hoch, welches zum Haken wird. Im nächsten Schritt werden wir sehen, wie man den Rh handeln kann.

 

 

 


 

 

 

 


 

 

Positionsmanagement

Bevor wir ins Detail gehen, sehen wir uns das Prinzip an, wie das Handeln des Hakens funktioniert. Wie im vorherigen Chart gesehen, hinterlässt die Korrektur nach dem Hoch einen rh. In der einfachsten Ausführung platzieren wir eine limit buy order am High und warten bis die Kurse den Haken durchbrechen. Der Anfangsstopp liegt z.B. am letzen Tief (rotes Kästchen ). Sobald der Haken durch brochen wird, sollte die Longorder ausgeführt sein. Das Positionsmanagement, welches später noch genauer erklärt wird, schreibt vor, Teilgewinne mitzunehmen (weißer Kreis). Ab dem Hoch bei Punkt Kreis sehen wir zwei Korrekturstäbe, diese hinterlassen abermals einen rh. Zum zweiten Mal platzieren wir eine Longorder, wieder am High. Sobald die Preise abermals ausbrechen, ziehen wir den Stopp der restlichen ersten Position (rotes Kästchen) an das neue Verlaufstief nach. In weiterer Folge sehen wir noch zwei Longeinstiegsmöglichkeiten durch entstandene rh.


Diese Strategie in seiner einfachsten Form profitabel umzusetzen, ist allerdings nicht leicht. An trendstarken Tagen kann man die ganz großen Treffer landen, wie auch dieser Chart zeigt. Das Problem sind jedoch die langen Seitwärtsphasen. Vor allem Märkte wie der S&P 500 neigen Intraday zu kurzen explosiven Bewegungen und dann wieder zu stundenlangen Konsolidierungen, Tradingranges und false breakouts. Man muss also seine Intuition spielen lassen, um zu erahnen, wann der Markt rennen wird. Auch hier kann man wieder die Zeit als besten Filter nehmen. Ausbrüche nach 20 Uhr stellen eine ausgezeichnete Handelsmöglichkeit, während man zur Mittagszeit die Finger von den rh lassen sollte.

In der Animation wird das Positionsmanagement der Methoden erklärt, welches eine zentrale Rolle spielt. Ohne disziplinierter Einhaltung, ist die Strategie zum Scheitern verurteilt. Das dazugehörige Moneymanagement wird als selbstverständlich erachtet. Persönlich würde ich bei einem Einstieg durch einen rh für den sl nicht mehr als 2% des Tradingkapitals riskieren. Wir sehen hier den 15 Minuten Chart des Esz2. Das ist der emini Dezember Kontrakt des S&P500. Ein Punkt entspricht 50$ Gewinn oder Verlust. Kosten für den Roundturn liegen um die 5$. Margin overnight um die 4000$, intraday kann man ihn aber bereits ab 500$ traden. (Stand 2003)

 

 

 


 

 

Der S&P500 ist ein gewaltiger Markt, im Intradaygeschäft schwierig zu handeln, und verlangt vom Daytrader viel Wissen und Erfahrung über die Eigenheiten dieses Marktes. Er kann stunden- oder tagelang in einer engen Range konsolidieren, ständig mit dem Anschein im nächsten Moment auszubrechen. Falsche Ausbrüche aus Tradingranges sind im S&P sehr häufig. Doch wenn der Index knallt, dann läuft er unbarmherzig und schnell. Oft testet er auch die Hochs und Tiefs des Vortages an, sodass sich hier gute Handlungsmöglichkeiten ergeben. Besondere Aufmerksamkeit sollte man parallelen Konsolidierungen nahe der Highs/Lows schenken, doch mehr dazu später.

(Zum Abspielen blauen Balken gedrückt halten)


 

Fazit:

Rh funktionieren nur in tendierenden Märkten. In den langen und trägen Seitwärtskonsolidierungen, die der S&P500 oft aufweist, können die falschen Ausbrüche sehr kostspielig werden. Dadurch können die vorher entstandenen Gewinne aus Trendphasen, schnell wieder aufgebraucht werden. Wenn man jedoch die nötige Intuition hat, wann der Markt zu tendieren beginnt, dann kann das Trading mittels rh profitabel sein.

 


 

 

Konsolidierungen

Im nächsten Schritt kommen wir zu den Konsolidierungen, deren Erkennen im Rh- Trading eine wichtige Rolle spielt. Der Markt hat nur zwei Möglichkeiten sich zu bewegen. Entweder er konsolidiert oder er tendiert. Als Trader kann man beide Situationen profitabel handeln. Scalpen in der Range, Gewinne laufen lassen im Trend. Dies ist jedoch nur möglich, wenn man erkennen kann, in welcher Phase sich der Markt gerade befindet und wo möglicherweise die nächste Konsolidierung auf ihn zukommt.


 

 

Leisten

Eine Leiste charakterisiert sich dadurch, dass die entstehende Konsolidierungszone einem Rechteck oder einem Quadrat gleicht. Sie besteht nach Ross aus mindestens 3, jedoch nicht mehr als 10 Stäben. Je enger die Leiste, desto besser das Signal und desto eher ist mit neuer Dynamik zu rechnen. Am Besten zu handeln sind perfekte Quadrate. Der erste Ausbruch aus einer Leiste ist häufig ein false break und es ist daher der Einstieg beim zweiten oder dritten Ausbruch vorzuziehen. Ein gutes Signal entsteht , wenn nach einer Leiste eine noch engere Leiste folgt. Im Grunde sind Leisten Trendfortsetzungsformationen, man sollte jedoch stets für einen möglichen Ausbruch auf beide Seiten gefaßt sein. Achten Sie auf das Volumen und auf das Orderbuch.

 


 

 

Parallele Konsolidierungen

Parallele Konsolidierungen sind von einander getrennte Seitwärtsbewegungen auf ähnlichem Preisniveau. Der Ausbruch aus der zweiten Konsolierung ist oft ein starkes Signal und kann eine neuerliche Trendbewegung auslösen. Seitwärtsbewegungen, die diese Konsolidierungsform aufweisen, deuten darauf hin, dass gerade in einem wichtigen Preisbereich gehandelt wird, womöglich einem markanten Support oder Resistancelevel. Achten Sie ganz besonders auf parallele Konsolidierungen in der Nähe von alten Tageshochs und Tagestiefs. Märkte wie der S&P500 neigen dazu, im Intradayhandel die Vortagesextrema anzutesten. Der Ausbruch aus einer parallelen Konsolidierung in diesem Bereich hat dann wichtige Folgen für die weitere Preisentwicklung und kann als solide Basis für den Tagestrend angesehen werden.


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