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Integrale Steuertheorie
Ansätze einer integralen
Steuertheorie der aperspektivischen Bewusstseinsstufe (von Oliver Sorin)
Inhalt
1.4 Steuerlast in
Abhängigkeit der Elastizitäten. 11
2.0 Effizienzsanalyse von
Steuersystemen. 11
2.1 Analyse der Wohlfahrtsveränderung. 11
2.3 Analyse des
Substitutionseffektes. 13
3.0 Steuersystem
Optimierung. 14
3.2 Ramsey Modell
Erweiterung auf n Güter. 17
3.3 Inverse Elastizität
Regel 19
3.4 Modell
Erweiterung mit mehreren Haushalten. 20
4.0 Einkommenssteuer Modelle. 22
4.1 Schwellenwerte im
Steuersystem.. 24
4.2 Auswirkungen auf den
Arbeitsmarkt. 24
4.3 Einkommensteuer Optimieirung: Das Mirrlees
Model 26
4.3.2 Obere und untere
Steuerlimit. 28
4.3.4
Optimalitätsbedingung. 30
Besteuerung
wird dabei als integraler Bestandteil in der Organisationsstruktur von Gesellschaftssystemen
verstanden, der als Umverteilungsmechanismus zur Aufrechterhaltung einer
funktionierenden Ökonomie beiträgt. Die Wirtschaftswissenschaft ist, seitdem
die mathematischen Konzepte der Neoklassik eingeführt wurden, sehr wohl in der
Lage zu beurteilen, welche Verteilung effizient und im mathematischen Sinne
optimal ist.
Da die Wissenschaft
der Ökonomie keine qualitativen Aussagen über Moral und Wertegehalt ihrer
analytischen Modelle treffen kann, ist sie nicht in der Lage, wirtschaftspolitische
Entscheidungen in Hinblick auf einen „fairen“ Umverteilungsprozess zu fundieren.
Hierin lieg das Grundproblem der Wohlfahrtsökonomie verankert, da es kein
allgemein anerkanntes Bewertungssystem gibt, das klärt, was ein fairer Konsens
ist und was eine „faire“ Verteilung ist.
Moral und Werte
unterliegen einem dynamischen Wandel und zeigen sich auf jeder Bewusstseinsstufe
mit einem neuen Gesicht. Der Mensch trifft moralische Entscheidungen nicht nach
einem statischen Konzept mit festen, unveränderlichen Parametern, sondern gemäß
seiner Entwicklungsstufe. Eine für alle Menschen gültige „gute“ Moral gibt es
nicht.
Dieses
Papier behandelt die Frage, inwieweit sich die Effizienzbedingungen eines
wohlfahrtsmaximierenden Steuersystems in die Moral- und Wertevorstellungen
einer postmaterialistischen Gesellschaft, wie sie Jean Gebser (integral
aperspektivische Bewusstseinsstufe) formuliert hat, und wie sie in ähnlicher
Form auch in der Spiral Dynamics Theorie (Gelb-Türkise Memme) und in dem
Bewusstseinsmodell von Ken Wilber (holistische Entwicklungsstufe) zu finden
sind, integrieren lassen.
Hierzu
befasst sich Teil 1 verkürzt mit der ökonomischen Betrachtung, indem mathematische
Modelle der Wirtschaftswissenschaft herangezogen werden, um diverse Optimalitäts-bedingungen
eines wohlfahrtsmaximierenden Steuersystems zu identifizieren. Teil 2 soll die
Erkenntnisse der Effizienz-Modelle weiter interpretieren und analysieren,
inwieweit sie mit den theoretischen
Ausarbeitungen von Gebser, Becks, Wilber
und Aurobindo, einer hypothetisch-zukünftigen Gesellschaft mit einem
weiterentwickelten Moralsystem, auch tatsächlich vereinbar wären.
Teil 1 Ökonomische Betrachtung
1.0
Einleitung
1.1
Funktionen von Steuern
Steuern
erfüllen in einer Ökonomie vielfältige Aufgaben. Sie sind ein wesentliches
Werkzeug des Umverteilungsprozesses, ermöglichen die Staatsfinanzierung und können
als korrektive Instrumente bei Marktversagen dienen. Sie werden häufig auf die
nutzenmindernde Wirkung reduziert und als Ungut betrachtet, die die Wohlfahrt
des Individuums schmälern, besitzen jedoch auch nutzensteigernde Eigenschaften,
indem sie dort zu einer Reallokation beitragen können, wo es durch den freien Markt nicht gewährleistet wird (Marktversagen ).
Die
neoklassische Theorie hat im Modell gezeigt, dass der vollkommene Markt
(vollkommene Konkurrenz, keine Marktmacht und keine Eintrittsbarrieren,
homogene Güter, vollkommene Information,
Übereinstimmung der individuellen Nutenfunktion mit der kollektiven
Nutenfunktion, rationale Marktteilnehmer) einen Preismechanismus von Angebot
und Nachfrage freisetzt, der allen Wirtschaftssubjekten den höchsten
Wohlfahrtseffekt bringt (höchste Maß an Konsumentenrente und Produzentenrente).
Dort wo ein Marktversagen diagnostiziert wird (z.B. Trittbrettfahrer Problem
bei öffentlicher Gütern, Monopolmacht, asymmetrische
Informationsverteilung) können Steuern als
korrektive Instrument eingesetzt
werden und bestehende wohlfahrtsvermindernde Effekte reduzieren.
Steuern
haben in der der ökonomischen Evolution eine lange Geschichte, sie werden bereits in Bibel als gerichtfertige Maßnahme zur Umverteilung
zugunsten der Priesterklasse erwähnt und haben im Verlauf der Menschheitsgeschichte
eine kontinuierlich Weiterentwicklung erfahren, vom Feudalsystem im Mittelalter,
bis hinauf zu den progressiven und hochdifferenzierten Steuersystemen der Neuzeit.
Das moderne System kennt eine Vielzahl von Steuern auf Güter und Luxusgüter, wie
Tabaksteuer, Schadstoffsteuer,
Schenkungsteuer, Einkommenssteuer, Unternehmenssteuer, Kapitalertragssteuer, Erbschaftsteuer
usw. Es kann zwischen Steuerarten unterschieden
werden, nämlich direkte Steuern, wie beispielsweise Einkommenssteuer oder Unternehmensteuer und indirekte Steuern wie beispielsweise
die Mehrwertsteuer auf Waren. Es wird eine Unterteilung wie folgt verwendet:
Direkte
Steuern: z.B. Einkommenssteuer,
Unternehmenssteuern (auf Individuen und Unternehmen)
Indirekte
Steuern: z.B. Mehrwertsteuer (value
added tax ) auf Services und Güter.
Spezifische
Steuern: Fixer Betrag pro Einheit.
Ad Valorem Steuer:
Prozentualer Betrag vom Preis.
Steuern
stören ein ökonomisches System, wenn sie
das Verhalten der Wirtschaftssubjekte beeinflussen.
Unter dem Axiom, dass der freie Markt und die Wettbewerbskräfte dazu ausreichend
sind, ein optimales Wirtschaftssystem zu evolvieren, wären nichtverzerrende
Steuern die beste Maßnahme, da sie den Wirtschaftsubjekten keine Möglichkeit
bieten, sich durch legale Verhaltensänderungen den Steuern zu entziehen. Solche
nichtverzerrenden Steuern (Pauschalsteuern) werden „lump sum taxes“ genannt.
Beispiele dafür sind Kopfsteuer auf
verschiedene Merkmale, wie Alter, Geschlecht, auf die das Individuum keinen Einfluss
nehmen kann.
1.2 Steuerlast Verteilung
Die Einführung
einer Steuer wirft die Frage auf, wer die Steuerlast tragen soll. Eine Analyse
der mikroökonomischen Wettbewerbsmodelle zeigt auf, dass viele Annahmen der
wirtschaftspolitischen Praxis nicht haltbar sind. Wer die tatsächliche Steuerlast trägt, hängt davon
ab, ob ein Wettbewerbsmarkt oder monopolistischer
Markt vorliegt, ob es sich um eine indirekte Steuer (z.B. Mehrwertsteuer, bzw.
Wertsteuer = Ad Valorem) oder
spezifische Steuer handelt und von den Nachfrageelastizitäten der Marktteilnehmer.
1.3
Wettbewerbsmarkt
Prinzipiell macht es im Wettbewerbsmarkt keinen
Unterschied, ob die Steuer direkt bei
den Konsumenten oder den Produzenten eingehoben wird, Der Konsumenten Rente (consumer
surplus = CS) und Produzentenrente
(producer surplus = PS ) ändern sich bei
beiden Steuerarten im gleichen Ausmaße, gegeben einer gesetzten Einnahmehöhe
für den Staat.
Abbildung 1: Der
Wettbewerbsmarkt realisiert den
Marktpreis p* mit der Menge Q* bei D=S
(Angebot = Nachfrage). Bei einer Steuereinführung
in der Höhe t, eingehoben von den Konsumenten, verschiebt
sich die Nachfrage von D auf D‘ mit
der neuen Marktmenge Q‘ und dem
Marktpreis p1. Die Staatseinnahme beträgt (p1+t – p1)*Q‘. Bei einer
Steuereinführung in der Höhe t eingehoben von den Produzenten, verschiebt sich
das Angebot von S auf S‘
mit der neuen Marktmenge Q‘ und
dem Marktpreis p1+t. Die Staatseinnahme betragen ebenfalls (p1+t – p1)*Q‘. Die Strecke p*-p1 entspricht der Steuerlast
der Produzenten, die Strecke (p1+t)-p* entspricht der Steuerlast der
Konsumenten (|∆CS| =|∆PS|).

Abbildung 2: Im
Wettbewerbsmarkt macht es keinen
Unterschied, ob eine spezifische Steuer, oder eine Ad Valorem Steuer eingesetzt
wird. Der kompetitive Markt realisiert das
Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage im Schnittpunkt von S und D bei einem Marktpreis von p* und
einer Marktmenge von Q*. Bei einer
spezifischen Steuer verschiebt sich die Nachfrage von D
auf D ‘‘ mit dem neuen Preis p1 und der Menge Q1. Die Verzerrung durch eine Ad Valorem Steuer
entspricht der Verschiebung der Nachfrage von D auf D‘ mit demselben
Gleichgewichtspreis p1 und derselben Gleichgewichtsmenge Q1. Konsumentenrente
(CS) und Produzentenrente (PS) ändern
sich bei den beiden Steuerarten bei
gleichen Staatseinnahmen im gleichen Ausmaße.

1.3
Non kompetitive Markt
Im
monopolistischen Markt ergibt sich ein Unterschied,
ob eine spezifische Steuer, oder eine Ad
Valorem Steuer realisiert wird. Für gewöhnlich führt im nicht kompetitiven Markt eine Ad Valorem Steuer zu einer höheren Steuereinnahme
für den Staat, als eine spezifische Steuer, wenn der Output des Monopolisten gleich bleiben soll.
Abbildung 3: Spezifische
Steuer: Der Monopolist setzt den Output dort, wo der Grenzprofit MR (Q) = Grenzkosten MC(Q) und realisiert seinen optimalen Output vor Steuern bei
Punkt Q. Nach Einführung einer spezifischen Steuer, verschiebt sich der
Grenzprofit von MR auf MR‘, die Angebotsmenge von Q auf Q1. Die Steuereinnahmen für den Staat betragen (P1-P2)* Q1

Abbildung 4: Ad Valorem: Der Monopolist setzt den Output
dort, wo der Grenzprofit MR (Q) =
Grenzkosten MC(Q) und realisiert
seinen optimalen Output vor Steuern bei Punkt Q. Nach Einführung einer Ad Valorem
Steuer, verschiebt sich der Grenzprofit von MR
auf MR‘, die Angebotsmenge von Q auf Q1.
Die Steuereinnahmen für den Staat
betragen (P1-P2)* Q1. Da t‘ > t sind die Steuereinnahmen für den Staat bei der Einführung einer Ad Valorem Steuer
höher, als bei einer spezifischen Steuer.

1.4
Steuerlast in Abhängigkeit der Elastizitäten
Je niedriger
die Elastizitäten eines Individuums sind,
desto größer ist die Steuerlast, die vom Individuum auch tatsächlich getragen
wird. Eine Nachfrageelastizität von Null bedeutet, dass bei der Einführung einer
Steuer, die Produzenten keinerlei Steuerlast übernehmen und alles von den Konsumenten übernommen wird. Eine
Angebotselastizität von Null bedeutet, dass die Konsumenten nicht betroffen
sind und die gesamte Steuerlast von den Produzenten getragen wird. Dieselben Prinzipien
könne auch auf Förderungen übertragen werden, oder auch auf die Analyse
anderer Märkte wie beispielsweise auf den Arbeitsmarkt.
Elastisch |ela|> 1 ..……………..niedrige
Steuerlast
Unelastisch
|ela| <1 ……………….hohe Steuerlast
2.0
Effizienzsanalyse von Steuersystemen
2.1
Analyse der Wohlfahrtsveränderung
Bisher wurde
gezeigt, dass die Steuerlast im Wettbewerbsmarkt auf Produzenten und Konsumenten
gelichermaßen entfällt, unabhängig davon,
von welcher Seite die Steuern eingehoben werden. Die getragene Steuerlast ist von den Angebots- und Nachfragelastizitäten
der Produzenten und Konsumenten abhängig. Verzerrende Steuern führen bei den
Marktteilnehmern daher zu einem veränderten Konsum- oder Arbeitsangebotsverhalten.
Die
Steuertheorie beschäftigt sich mit der Suche nach einem System, dass den
geringsten Nutzenverlust für die Individuum
erzeugt und bedient sich dazu der Analyse des Wohlfahrtsverlustes (death weight loss = dwl).
Im Modell werden zwei Güterbündel (x1 und x2)
angenommen, ein Individuum das eine Nutzenfunktion mit abnehmenden Grenznutzen
aufweist und eine Indifferenzkurve der
Form I und eine Budget Beschränkungsgerade der Form B besitzt. Das
Nutzenmaximum für das Individuum liegt an dem Punkt z, wo die Grenzrate der Substitution
gleich der Steigung der Budgetgerade B ist.
Bei der
Einführung einer Lump Sum (gleiche Steuer auf alle Güterbündel) verschiebt sich
die Budgetgerade B auf B‘. Das neue
Nutzenoptimum für das Individuum liegt bei Punkt (5), dort wo die Budgetgearde
B‘ die Indifferenzkurve I‘ tangiert. Das
Individuum gerät auf die niedrigere Indifferenzkurve I‘ und erfährt einen Nutenverlust. Die
Steuereinnahmen für den Staat bei einer Lump Sum Steuer beträgt (2)-(5).
Wird eine Ad
Valorem Steuer eingeführt, rotiert die Budget
Beschränkungsgerade B zu B‘‘. Das Nutzenoptimum für das Individuum liegt
bei Punkt 3 und damit dort, wo die Budgetgerade B‘‘ die Indifferenzkurve I‘
tangiert. Die Steuereinahmen betragen (1)-(3).
Die Steuereinahmen bei einer Ad Valorem Steuer sind um den
(3)-(4) geringer, als bei einer Lump Sum Steuer. Die grafische Analyse
verdeutlicht, dass eine Ad Valorem Steuer im
Vergleich zu einer Lump Sum Steuer zu einem Wohlfahrtsverlust in der
Ökonomie führen. Aus der Sicht dieses Modells sind daher Lump Sum
Steuern wirtschaftspolitisch das Instrument erster Wahl, weil sie im Vergleich
zu Ad Valorem Steuern eine höhere Effizienz und damit einen geringeren dwl
aufweisen.
Da der dwl abhängig ist von der Nachfrageelastizität gilt:

Umgeformt:

Nach
aufgelöst:
![]()
Da der dwl (dP*dQ)/2 beträgt, folgt:
![]()
Somit ist
der Wohlfahrtsverlust abhängig von der Elastizität der kompensierten Nachfrage
und steigt mit dem Quadrat der Steuer t an.

2.3
Analyse des Substitutionseffektes
Der Einkommenseffekt
ist immer negativ (bei einer Steuererhöhung erleidet das Individuum immer einen Einkommensverlust und fällt auf eine
niedrigere Indifferenzkuve mit niedrigerem Nutzennivea zurück), da aber der
Substitutionseffekt entweder positiv oder negativ sein kann, benötigt es einer
Analysetechnik, die in der Lage ist den
Substitutionseffekt vom Einkommenseffekt zu isolieren. Da die gewöhnliche
Walrasianische Nachfragefunktion dies
nicht leisten kann, benötigt es dazu die kompensierte Nachfragefunktion
(Hicks’sche Nachfragekurve) die das reale Einkommen konstant hält und auf eine
Nachfrageveränderung des Preises
reagiert.
Die
Walrasianische Nachfragekurve (Marshallsche Nachfragefunktion) zeigt die
Nachfrage nach einem Gut in Abhängigkeit vom Preis P des Gutes und vom
Einkommen I:
X(P,I)
Die
Hicks’sche Nachfrage zeigt die kompensierte Nachfrage H nach einem Gut in
Abhängig von dessen Preis P und dem Nutzen des Individuums U. Verändert sich
der Preis des Gutes, wird in selber Weise das Einkommen des Individuums
verändert, sodass das Individuum auf
demselben Nutzenniveau konstant bleibt. Dadurch zeigt sich bei einer Preisveränderung
der reine Substitutionseffekt(Sie ist bei einem normalen Gut steiler als die
Walrasianische Nachfragefunktion und bei einem inferioren Gut flacher):
H(P, U)
3.0
Steuersystem Optimierung
3.1
Ramsey Modell
Die Dwl Analyse
ergibt signifikante Wohlfahrtsverluste bei einer Ad Valorum Steuer in Vergleich
zu einer spezifischen Steuer (in der Höhe von t2 und in Abhängigkeit
zur Angebots und Nachfrageelastizität. Eine Lump Sum Steuer führt zu keinen
Verzerrungen im Wettbewerbsmarkt und ist die effizienteste Steuerform, gilt
aber wirtschaftspolitisch als schwer durchsetzbar, da sie sozial als ungerecht
empfunden wird. Ein Steuermodell, das als sozial gerecht empfunden wird, muss Umverteilungsmöglichkeit offerieren. Auf der Suche
nach einem optimierten Steuersystem ist
es das Ziel Wohlfahrtsverluste (Dwl) bei
einer zu erreichenden Staatseinnahme zu minimieren.
Ein ökonomische Modell zur Unterschichten der Optimalität
von Steuersystem ist Ramsey Modell. Es hat folgende Annahmen:
Zwei Güter:
Konsum (consumption) und Arbeit (labor)
Die Ökonomie
besteht aus einem Konsumenten und einen
Unternehmen
x ………..output
l…………..labor
w…………wage rate = 1
p…………producer price
t………….tax
q = p+t…consumer price
Y…..production set
R …….tax revenue required for government
B….. budget constraint
I….. indiferenz curve
Abbildung 6: Im Ramsey
Model ist bei einer Ad Valorem Steuer t*
= q-p das Optimum im Punkt e realisiert,
nämlich dort, wo die Indifferenzkurve I, die Budgetgerade B, die Produktionsgerade
Y und die Angebotskurve O schneiden. Das Individuum realisiert unter der Voraussetzung einer Ad Valorem
Steuer Punkt e, weil hier die Steigung der Indifferenzkurve I gleich der Steigung
der Budgetgerade B ist. Doch Punkt e ist
nicht das maximal erreichbare Nutzenoptimum.
Es gibt
einen höheren Punkt e* der auf einer höheren Indifferenzkurfve I‘ liegt und
damit das Individuum auf ein höheres Nutzenniveau bringt. Dieser Punkt e*
liegt auf der Produktionsgerade und könnte mit einer Pauschalsteuer
Steuer (im Ausmaß von l –R ) erreicht werden. Punkt e* mit
einer Lump Sum Steuer ist für das Individuum
nutzenoptimaler, als Punkt e mit der Ad Valorem
Steuer t* = q-p. Das Ausmaß der gewünschten
Steuereinahmen bei einer Lump Sum Steuer
beträgt l –R.

Das Rumsey Modell
führt zu einer Erkenntnis, die in der
Literatur unter dem Begriff „Production Efficiency Lemma“ beschrieben
wird, nämlich, dass eine optimale Güterbesteuerung
nicht die Produktionseffektivität stören darf. Produktionseffektivität ist dann erfüllt, wenn
die Ökonomie unter Ausnützung der technischen Möglichkeiten und gegebenen
Ressourcen den maximal möglichen Output erzeugen kann.
Pareto
Effizienz ist dann erfüllt, wenn durch Reallokation von Inputfaktoren keine
Outputsteigerung eines Gutes mehr erreicht werden kann, ohne dass dabei der Output eines anderen Gutes vermindert
wird. Dieses Optimum ist dann realisiert, wenn die marginale Grenzrate der
technischen Substitution (MRTS) zwischen
den Inputfaktoren zwischen allen Firmen gleich ist. Im neoklassischen Modell des vollkommenen Marktes
wird dies dadurch realisiert, dass profitmaximierende Unternehmen die marginale
Grenzrate der technischen Substitution, gleich dem Verhältnis der Inputpreise setzen
(Das Substitutionsverhältnis der Inputfaktoren für die Produktion entspricht
dem Preisverhältnis der Inputfaktoren).
Unter den Annahmen des
vollkommenen Wettbewerbsmarktes sehen sich alle Firmen mit derselben MRTS
konfrontiert, vorausgesetzt die Inputpreise
für alle Unternehmen sind gleich. Eine Besteuerung der Inputfaktoren stört die
Produktionseffektivität und damit den optimalen Leistungsoutput der Ökonomie, indem
für die Unternehmen unterschiedlich Preisverhältnisse der Produktionsfaktoren entstehen
und damit die Gleichheit der marginalen Grenzrate der technischen Substitution
zwischen allen Produzenten verletzt wird. Dieses Argument, dass ein optimales
Steuersystem die Preisverhältnisse von
Zwischengüter nicht stört, ist
auch unter dem Begriff des „Diamond
Mirrlees Production Eficinecy Lemma „ bekannt.
3.2
Ramsey Modell Erweiterung auf n Güter
Die Erweiterung
auf mehrere Güter mit den Variablen (q=Preis mit Steuer, p= Preis ohne Steuer, x1=Menge Gut 1, x2= Menge Gut 2, I = Einkommen, R Steuereinnahmen) erfolgt unter den folgenden Annahmen:
Die
Budgetgerade lautet:
x0= q1*x1+q2*x2
Die Präferenzen
des Konsumenten werden ausgedrückt durch die Nutzenfunktion:
U ( x0,x1,
x2)
Die
Walrasianische Nachfragefunktion stellt
sich in der Form dar:
xi(q1,q2,w,
I)
Die
indirekte Nutzenfunktion lautet dann:
U=
V(q1,q2,w,I)
Mit einer
gewünschten Steuereinnahme R:
R=t1*x1+t2*x2
Die Zielfunktion der Optmierungsaufgabe lautet:
MAX V(q1,…qn,w,I )
Mit der
Restriktion:

Die Lösung
erfolgt über die Lagrange Funktion:
![]()
Nach der
Auflösung der Lagrangefunktion, der Anwendung von Roys Identität und Umformung erhält man die Zwischenlösung (1)

Die Anwendung der Slutsky Zerlegung ergibt (2(´):
![]()
2 in 1
eingesetzt ergibt:
xk herausgehoben
und umgeformt:

Es folgt,
dass der Substitutionseffekt einer Nachfrageveränderung von Gut k, als Reaktion auf eine Preisveränderung von
Gut i, gleich ist dem Substitutionseffekt einer
Nachfrageveränderung von Gut i, gegeben
einer Preisveränderung von Gut k:
Ski = Sik
Wobei Sik
die Veränderung in der Nachfrage
nach Gut i, gegeben bei einer Preisveränderung von Gut k angibt. Ski gibt die
Veränderung der Nachfrage nach Gut k an, gegeben bei einer Veränderung des Preises von Gut i.
Es lässt sich die Ramsey Regel ableiten, mit der Form:

Dividiert
durch xk ergibt sich die Gleichung:
![]()
Die Ramsey
Regel für eine optimale Güterbesteuerung besagt nun, dass ein effizientes
Steuersystem so strukturiert sei, dass die kompensierte Nachfrage nach einem
Gut im selben Verhältnis relativ zu der kompensierten Nachfrage eines anderen
Gutes reduziert wird. Entgegen der Meinung, dass eine gering verzerrende Steuer
die Preise aller Güter im gleichen Verhältnis verändern soll, besagt die Ramsey Regel, dass ein effizientes
Steuersystem die Verzerrungen der Nachfragemengen
minimiert und die Reduktion der kompensierte Nachfrage für aller Güter gleich
sei. Güter mit relativ stabiler Nachfrage, die wenig auf eine Preisveränderung
reagieren, werden nach der Ramsey Regel also verhältnismäßig höher besteuert. Da
die Besteuerung eines Gutes invers proportional zur Preiselastizität der
Nachfrage ist, würde ein solcher Steuersatz die Haushalte mit niedrigem
Einkommen stärker treffen, weil die meisten
Grundnahrungsgüter eine geringe Elastizität aufweisen (geringe Nachfrageänderung
als Folge einer Preisänderung). Die Ramsey
Regel gibt zwar an, was im mathematischen Sinne effizient ist (mit dem
geringsten Wohlfahrtsverlust für die gesamte Ökonomie) kann aber keine Aussagen
über eine soziale Verteilung geben.
3.3
Inverse Elastizität Regel
Die Kritik
an der Ramsey Regel lautet, dass sie Cross Preis Elastizitäten zwischen den
Gütern nicht einbezogen werden. Abgeleitet aus der Ramsey Regel und unter
Einbezug von Cross Preiselastizitäten gelangt man zu der Inversen
Elastizitätsregel mit der Form:
![]()
Wobei a der
Grenznutzen einer weiteren Einkommenseinheit darstellt, tk die Steuer auf das Gut k, pk der Preis für
das Gut k,
die Nutzenkosten für eine weitere Einheit Staatseinnahmen, E die
Nachfrageelastizität für das Gut k. Die
Inverse Elastizitäten Regeln führt damit zur gleichen Schlussfolgerung, wie die
Ramsey Regel, dass Güter mit geringer Nachfragelastizität verhältnismäßig höher
besteuert werden, als Güter mit hoher Nachfragelastizität.
3.4
Modell Erweiterung mit mehreren Haushalten
Die
bisherigen Untersuchungen beschränkten sich auf einen einzigen Konsumenten und einen
Produzenten. Zur Analyse der
Wohlfahrtsverluste einer ganzen Gesellschaft durch verzerrende Steuern, soll das Modell auf
mehrere Individuen mit jeweils unterschiedlichen Einkommen, erweitern werden.
Dazu soll mithilfe der Lagrange Methode die kollektive Nutzenfunktion der
Gesellschaft (Bergson Samuelson Funktion) optimiert werden.
Für die
weiteren Darstellungen werden die Variablen definiert: Es sei Un
= der Nutzen des Individuums n, x0 n ,…,x2 n = die nachgefragte Menge des Gutes xo bis x2 von
Individuum n, q , I n = das Einkommen des
Individuums n, w der Lohnsatz,
Die
Nutenfunktionen des Haushaltes n ist gegeben in der Form:
U n = U (x0n(q),x1n(q),x2n(q))
In der
Darstellungsform der indirekten Nutenfunktion führt zu:
V n
=(q1,q2,w,In)
Die
Restriktion der Optimierungsaufgabe ist die vorgeschriebene Höhe der
Steuereinnahme R:

Für die
lagrangsche Optimierung werden die einzelnen Nutzenfunktionen der Haushalte V
n zusammengefügt zur Bergson Samuelson Wohlfahrtsfunktion W:
W= W (V1,
V2)
Sodass die
Lagrangefunktion aufgestellt werden kann mit der Form:
Max L= W (V1, V2) +![]()
Es sei
n der Parameter, der die Bedeutung des Individuums n
in der Bergson Samuelson
Wohlfahrtsfunktion gewichtet und
der marginale Grenznutzen des Individuums n
für eine zusätzliche Einkommenseinheit
, dann sei der Zusammenhang definiert:
Nachdem die
langrangsche Optimierung und dieselben Lösungsschritte wie im vorherigen
Beispiel zur Herleitung der Ramsey Regel vollzogen wurden (Roys Identität, Slutsky
Zerlegung, Umformung), erhält man die
Lösung:
![]()

Der obere Ausdruck
kann für das optimale Steuersystem einer
Gesellschaft angesehen werden, deren kollektive Wohlfahrtsfunktion in Hinblick
auf eine zu leistende Steuerabgabe, optimiert wurde. Sie gibt die akkumulierte
kompensierte Nachfrageveränderung für das Gut k an (linker Term), in Abhängigkeit zum Einkommen der Individuen und
unter Berücksichtigung der Effizienzaspekte (rechte Terme) an. Je höher die
Gewichtung eines Individuums in der Wohlfahrtsfunktion durch den Parameter
ist, und je größer sein Anteil am Gesamtkonsum
ist, desto geringer sollte die kompensierte Nachfrageveränderung für das
Individuum ausfallen.
4.0 Einkommenssteuer Modelle
Einkommenssteuer
bildet in den kapitalistisch organsierten Wirtschaftssystemen eine wichtige Einnahmequelle
für den Staatshaushalt. Das optimale
Einkommenssteuermodell ist wirtschaftspolitisch ein kontroverses Thema. Der
Kritikpunkt an der Einkommenssteuer ist, dass sie eine wesentliche Hemmung der
Leistungsmotivation der Wirtschaftsteilnehmer zur Folge hat und damit den Leistungsoutput
des Systems senkt. Dem gegenüber bildet die Einkommenssteuer den Vorteil, dass
sie auf einfache Weise eine Umverteilung von Vermögen ermöglicht. Als wesentliches Steuerungsinstrument der Verteilungspolitik ist sie in Hinblick auf
Effizienz und Optimalitätsbedingungen einer integralen Wirtschaftspolitik
sorgfältig zu analysieren.
Wie gezeigt,
stören Steuersysteme auf Güter die ökonomische Dynamik auf empfindliche Weise,
indem sie das Verhalten der
Wirtschaftsakteure beeinflussen.
Die Suche nach dem optimalen Steuersystem wird fortgesetzt, indem auch eine Einkommenssteuer miteinbezogen
wird. Begonnen wird mit der Analyse der Auswirkungen einer Einkommenssteuer auf
Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt.
Es sei U der
Nutzenfunktion des Individuums, F = Freizeit
und A = Arbeit , y die Menge des
Konsumgutes:
U= U(x,F-A)
Wobei die herkömmliche Annahme der
Wirtschaftstheorie über die Nichtsättigung des Individuums angenommen wird,
sodass der Nutzen U abgeleitet nach dem Konsum positiv ist:
und Arbeit als nutzenminderndes Ungut definiert
wird, sodass der Nutzen U abgleitet nach
Arbeit negativ ist:
![]()
Weiter sei w
der Lohnsatz, y die Menge des Konsumgutes, t die Steuerquote, p der Preis
des Konsumgutes. Die Budget Restriktion ist dann:
P*y=(1-t)*w*A
Das Modell
mit zwei Gütern, für y = Konsum und F = Freizeit
ergib den Tradeoff für das Individuum zwischen
Konsum abgetragen auf der Ordinate und Freizeit auf der Abszisse, ergibt
wie in der neoklassischen Haushaltstheorie die klassische Konsumentscheidung. Das
Individuum findet die optimale Konsumentscheidung
an dem Punkt, wo die Steigung der Indifferenzkurve gleich der Steigung der Budgetgerade ist, sodass
die marginale Grenzrate der Substitution
(MRS) gleich der Steigung der Budgetgerade
ist. ( Punkt 2 )

Abbildung 7
Ein Anstieg
des Lohnsatzes w (oder eine Verminung
der Steuer) führt zu einer Rotation der Budgetgerade von Punkt a zu Punkt b.
Die neue Budget Restriktion erlaubt es dem Individuum, auf eine höhere
Indifferenzkurve zu gelangen, das neue Konsumoptimum liegt im Tangentialpunkt 3. Die Bewegung von 1 nach 2 beinhaltet den Substitutionseffekt
(von 1 nach 2) und den Einkommenseffekt (von 2 nach 3). Der Substitutionseffekt entspricht der Bewegung
entlang der Indifferenzkurve und führt das Individuum von Punkt 1 zu 2 (weniger
Freizeit und mehr Arbeit). Der Substitutionseffekt hat immer ein positives Vorzeichen
und führt immer zu einem höheren Arbeitsangebot, während der Einkommenseffekt entweder positiv oder negativ
sein kann. Damit kann eine Veränderung des Lohnsatzes (oder der Steuerquote) das
Arbeitsangebot entweder erhöhen oder vermindern, abhängig vom Vorzeichen und
der Höhe des Einkommenseffekts. Wenn der negative Einkommenseffekt auf das Arbeitsangebot den positiven
Substitutionseffekt übersteigt, dann kann auch eine Erhöhung des Lohnsatzes w, zu
einer Verminung des Arbeitsangebots führen.
4.1
Schwellenwerte im Steuersystem
Mit diesem
Modell lassen sich auch diverse Steuermodelle und Arbeitsangebots Effekte abbilden
und durchspielen. Beispielsweise führt ein Schwellenwert im Steuersystem zu
einem Knick in der Budgetgerade. Unterscheidet man nun zwischen interner Lösung
und einer Ecklösung (corner solution) wird man auf ein interessantes Phänomen aufmerksam.
Gegeben sei die Budget Gerade abc. Ein Individuum, das mit seiner Indifferenzkurve
I‘ sein Optimum im Punkt b findet (corner solution) wird von einer Steuerveränderung
nicht betroffen sein. Ändert sich beispielsweise die Budgetgerade durch eine Steuerveränderung im Abschnitt bc
auf bc‘, wird das Individuum trotz einer Steuererhöhung keine Nutzenminderung erfahren.
Eine Möglichkeit bei Steuererhöhungen den
Nutzen einer ausgewählten Gruppe von Individuen nicht zu vermindert, würde dort
ansetzen, wo sich ein Cluster von Individuen gebildet hat. Wenn progressive Steuer mit unterschiedlichen
Schwellenwerte eingeführt werden, dann hat die Budgetgerade in den jeweiligen
Abständen mehre Knicke. Werden durch Steueränderung die Knicke dort eingeführt,
wo sich Cluster gebildet haben, würde
demnach eine Mehrzahl von Individuen die
Ecklösungen einnehmen, unbeschadet lassen und sie auf demselben Nutzenniveau
belassen.
4.2
Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt
Da für Arbeitnehmer
die Arbeitszeit nicht immer graduell wählbar ist, stellt sich für sie oft nur die Option
ganztägig, halbtägig, oder nicht arbeiten. Unter diesen Umständen kann eine geringfügige
Steuerveränderung dazu führen, dass ein Individuum einen höheren Nutzen
erzielt, wenn es sich für nicht arbeiten entscheidet. Abbildung 8:
Gegeben sei die Budget Gerade abf und ein Individuum dessen Präferenzen durch
die Indifferenzkurve I‘‘ beschrieben werden. Dieses Individuum findet zwei
Optimum Lösungen b und b‘. Es ist indifferent zwischen arbeiten und nicht
arbeiten. Führt eine Steuerreform dazu, dass sich die Budgetgerade abb‘ ändert
zu def, so findet dieses Individuum nur noch den optimalen Punkt b‘. Es
entscheidet sich für nicht arbeiten und mindert damit die Staatseinnahmen. Um einen optimalen Punkt auf der neuen Budget
Gerade def zu finden, müsste es auf eine niedrigere Indifferenzkurve absinken
und damit einen Nutenverlust in Kauf nehmen.

Für eine
vereinfachte Analyse des Nettoeffektes einer Lohnänderung auf das Arbeitsangebot wählt man daher eine veränderte
Modellierung:
Es sei w der Lohnsatz,
z das Vorsteuereinkommen, l die Arbeit, x der
Konsum, p der Preis des Konsumgutes, sodass gilt:
z= w*l
Daraus folgt
l = z/w
Die
Nutzenfunktion lautet:
U = U(x,z/w)
Die
umgeformte Budget Gerade:
p*x =
(1-t)*z
Eine Veränderung
des Lohnsatzes w führt hier nicht mehr zu einer Veränderung der Steigung der Budgetgerade,
sodass:
p*x=[1-t]*z = 45° = konstant
Anders ausgedrückt
die Budget Gerade hat die Steigung 1. Siehe dazu Abbildung (Mirrlees Modell) Eine Veränderung von w führt hier zu einer Veränderung
der Indifferenzkurve, da der Nutzen U
eine Funktion vom Konsum x und von z/w ist. Eine Erhöhung der Lohnquote oder (eine Verminderung
der Steuer) bedeutet, dass weniger
zusätzlicher Arbeitsaufwand notwendig ist, um einen Nutzenzuwachs zu generieren,
weshalb die Indifferenzkurve I nach I‘
bewegt, vom alten Optimum bei Punkt 1 zum neuen Optimum bei Punkt 2. Diese Form der Budget Gerade spielt in weiter Folge
eine Rolle für das Mirrlees Modell.
4.3 Einkommensteuer Optimieirung: Das Mirrlees
Model
Das Mirrlees
Modell ist ein Standartmodell der Steuertheorie. Es nimmt den freien
Wettbewerbsmarkt (Unternehmen sehen sich in der langen Frist konfrontiert mit Preis gleich Grenzkosten,
also p = MC) und gleiche Präferenzen der Individuen an. Dem Steuersystem
werden keine Restriktionen gesetzt, es kann flexibel gestaltet werden, um diverse Auswirkungen analysieren zu
können.
Es sei
definiert:
x …Konsum
l… Arbeit
Jedes
Individuum besitzt ein Niveau der Geschicklichkeit
(skill level) s. Diese Geschicklichkeit ist
dem Gesetzgeber nicht bekannt und kann lediglich über den indirekten Weg es des
Lohnsatzes w bestimmt werden (w=s). Es wird also angenommen, dass je höher die
Fertigkeiten des Individuums sind, desto höher w.
Das Einkommen
z ist abhängig vom Geschicklichkeits Niveau s,
sodass gilt:
z(s) = sl
(s)
Die Steuer T ist abhängig von der Geschicklichkeit:
T(s)
Damit lässt
sich die Konsumfunktion definieren als:
x = c(z) )
z- T(z)
Ohne Steuer
ist die Konsumfunktion gleich der Einkommensfunktion mit der Steigung von 45°. Dort wo die Konsumfunktion unterhalb der Einkommensfunktion
liegt, ist die Steuer positiv. Liegt die Konsumfunktion über der Einkommensfunkton, so entspricht dies einer negative Steuer, oder anders
ausgedrückt einer Förderungsleistung an das Individuum durch den Staat. In Abbildung 9 besitzt das Individuum ein Einkommen z‘ und zahlt Steuern
in der Höhe von T(z‘).

Die
Nutzenfunktion setzt sich zusammen aus Konsum und Einkommen, wobei jetzt gilt s= w sodass:
U=U(x, z/s)
4.3.1 Agent Monotonicity
Die Indifferenzkurven
sind abhängen von den Geschicklichkeits
Niveaus der Individuen. Da das Individuum mit der höheren Geschicklichkeit (HS)
für das gleiche Einkommen weniger Stunden arbeiten muss, als das Individuum mit der niedrigeren Geschicklichkeit
(LS), gilt für jedes Einkommen, dass die Indifferenzkuve von HS flacher
ist, als für LS.
Die
Grenzrate der Substitution (MRS) der
Indifferenzkurve von HS ist in jedem Punkt ungleich der Grenzrate der
Substitution (MRS) der Indifferenzkurve
von LS, wodurch die Steigung von HS in jedem Punkt ungleich der Steigung von LS.
Daraus folgt, dass es zwischen den Indifferenzkurven
der beiden Individuen nur einen einzigen Schnittpunkt geben kann (Agent Monotonicity).
Agent Monotonicity
führt dazu, dass das Individuum mit hoher Geschicklichkeit und das Individuum mit der niedrigeren
Geschicklichkeit, nicht im gleichen Punkt ihre optimale Konsumentscheidung haben
können. Der Grund dafür liegt in der Optimalitätsbedingung,
wonach das Tangentialoptimum dort ist, wo Steigung der Indiffernzkurve gleich der
Steigung der Konsumfunktion ist. Da (MRS) von HS ≠(MRS) von LS, kann das Optimum von LS nicht das Optimum von
HS sein. Das Optimum von Hs muss sich
rechts vom Optimum von LS befinden.
4.3.2
Obere und untere Steuerlimit
Da c(z)= z-T(z), legt die Steigung der Konsumgerade auch die
Steuerrate fest. Der Fall dass die erste Ableitung der Konsumfunkton größer oder gleich Null ist,
impliziert, dass die erste Ableitung der Steuerfunktion kleiner gleich 1 ist.
Wenn c‘ (z)
≥ 0 dann T‘ (z) ≤ 1
Das Modell determiniert eine maximale Steuerquote dadurch, dass bei einer Konsumfunktion mit negativer
Steigung, kein Individuum mit seiner Indifferenzkurve einen Tangentialpunkt
findet, sodass kein Konsument sein Optimum dort wählt, wo die Konsumfunkton eine
negative Steigung aufweist. Das oberste Limit liegt damit bei T < 1, umgekehrt ist eine Steigung der Konsumgerade
von 45° (c‘ (z) >1) das untere Limit für eine zu
realisierende Steuerquote, da Werte darüber negative Steuerzahlung (Förderungen)
bedeuten, also T‘(z)<0.
Wenn c‘(z)
>1 dann T‘ (z) <0
4.3.3
Optimale Steuerrate
Weiter folgt
in dem System, dass eine negative
marginale Steuerrate T‘(z) <0 nicht optimal ist, und ein
adaptives ökonomisches System zu T‘(z) ≥ 0 tendieren wird. Argumentiert wird, wenn c1 > 45° sich bewegt zu c2<45°
folgt, dass | ∆z1 | = | ∆z2
| und | ∆x1 | = | ∆x2
|. (Abbildung 10)
Der Einkommenszuwachs
von Individuum HS entspricht dem Einkommensverlust von Individuum LS, der
Konsumzuwachs von Individuum LS entspricht dem Konsumverlust vom Individuum HS.
Der Nettotransfer beträgt Konsum für Individuum LS und Einkommen für Individuum
HS. Da der Konsumgewinn von Individuum LS finanziert wird durch den Arbeitszuwachs
von Individuum HS folgt, unter der
im Modell gemachten Annahme, dass eine zusätzlichen Arbeitseinheit für
das Individuum mit hoher Geschicklichkeit
weniger nutzensenkend ist, als für das Individuum mit der niedrigeren
Geschicklichkeit und der Grenznutzen einer zusätzlichen Einheit Konsum für das
LS höher ist, als der Grenznutzen für eine zusätzliche Einheit Konsum für das
HS, dass der Konsumzuwachs für Individuum LS über den Einkommenszuwachs von Individuum HS
einfacher generiert wird, als wenn Individuum
LS seinen Konsumzuwachs selbst über den
notwendigen Einkommenszuwachs generieren müsste.
Da sich das System mit dem Schritt von c1 zu c2 zu einer
Wohlfahrtsverbesserung bewegt, kann angenommen werden, dass eine adaptive Ökonomie
c2 mit T‘(z)≥0 realisiert. Diese ist eine Erkenntnis, die sich aus der unterschiedlichen Geschicklichkeit der Individuen heraus ergibt.

Abbildung 10
4.3.4
Optimalitätsbedingung
Das
Mirrelees Modell gibt an, dass das optimale Steuersystem für das Individuum mit
der höchsten Geschicklichkeit, keine negative marginale Grenzrate der Steuerrate
aufweisen kann. Für den Ausgangspunkt
der Argumentationskette sei die Konsumfunktion 123 gegen. Ausgehend von einer Konsumfunktion 13 schneidet die Nutzen Indifferenzkurve I des Individuums
HS, die Steuerfunktion im Optimum dort, wo die marginale Grenzrate der Substitution
gleich der Steigung der Konsumfunktion ist (bei Punkt 2). Nimmt man nun die neue Steuerfunktion 124 mit
einer Steigung der Geraden (24) =45 ° an (sodass T‘(z)= 0), so schneidet die
Indifferenzkurve I‘ des Individuums HS die neue Konsumfunktion 24 im Optimum dort, wo
die Grenzrate der Substitution (MRS =1 ) gleich der Steigung der neuen Konsumfunktion
(k=1) ist (Punkt 5). Daraus folgt, dass
das Individuum HS sich mit der neuen Steuerfunktion 124 im Tangentialoptimum auf einer höheren
Nutzenfunktion befindet, als auf der Steuerfunktion 123, während die
Steuereinkünfte für den Staat (Vertikalabstande
zu der 45 ° Linie ) dieselben
bleiben (T1 =T*).
Schlussfolgerungen aus dem Mirrlees Modell: Das Pareto optimale
Steuersystem kann keine vollständig progressive Entwicklung aufweisen, sondern
muss für das Individuum mit der höchsten Geschicklichkeit eine marginale
Grenzsteuer von Null aufweisen ( T‘(z) = 0). Es ist zu beachten, dass T‘(z)=0 nur für das Individuum mit dem höchsten Skill
Level gilt und keine Aussagen für die marginale Steuerlast der Individuen mit niedrigeren
Geschicklichkeiten zulässt.

Abbildung 11
Literaturverzeichnis
Hindriks, J., & Myles, G. D. (2005). Intermediate
Public. MIT Press.
Mueller, D. C. (2003). Public Choice III. Cambride
Univ Press.
Myles, G. D. (1995). Public Economcis. Cambridge
Univ. Press.
Stiglitz, J. E. (2000). Economics of the Public Sector.
Norton.
Weitere Quellen:
Christian Klamler: KS Steuertheorie, Universtät Graz
