Pulverschnee und Apre Ski in Obertauern

Auch wenn ich kein großer Freund des Winters und seiner Kälte bin, ein ordentlicher Skiurlaub inklusive zünftigem Apre Ski Programm gehört zum jährlichen Fixpunkt für jeden Österreicher ;) Und so mache ich mich in Begleitung von vier Ski begeisterten Kollegen wieder für eine Woche auf die Suche nach Sonne, Pulverschnee und urigem Hüttenspaß.
Es gibt in den österreichischen Alpen so manches Schigebiet mit einladenden Pisten, aber für Partyhungrige und Apre Ski begeisterte Bergfexe ist die Auswahl dann doch etwas geringer: Für sie fällt die Wahl zumeist auf Obertauern, Schladming, Ischgl, Sölden, Saalbach oder St. Anton.
Dieses Jahr hat Perfect-Trader.com für euch Obertauern getestet und ein paar Impressionen aufgeschnappt. Obertauern gehört zu den schneesichersten Skigebieten und obwohl überschaubar klein, muss es die Konkurrenz nicht scheuen. Gut präparierte Pisten und eine ausgewogene Mischung zwischen einfachen und anspruchsvolleren Abfahrten lassen für jedes Fahrkönnen etwas übrig.
Geübte Fahrer führt der allererste Weg auf den 2300 Meter hohen Gamsleitenspitz, wofür sie mit einer eindrucksvollen Aussicht auf das Salzburger Bergmassiv belohnt werden. Die schwarze Piste verlangt einen gewissen Einsatz ab, zumal die Abfahrt recht unpräpariert ist und beinahe tiefschneefahrerisches Können fordert. Apropos Tiefschnee: Offroad begeisterte Skifahrer finden im gesamten Gebiet gute Möglichkeiten abseits der Pisten den ein oder anderen Schwung im Tiefschnee zu ziehen. Auch der Gamsleitenspitz ladet mit alternativen Routen abseits der Piste zur kräfteraubenden Tiefschneefahrten ein.
Etwas weiter im Westen gelegenen führt uns die Gondel hinauf auf 2200 Meter Seehöhe zum Zehnerkar, der dem Besucher ebenfalls ein wundervolles Bergpanorama bietet. Hier finden wir auch die „Ziegenmilchbar“, ein gemütliches Berghaus mit hohem Wohlfühlfaktor. In den Liegestühlen lässt sich optimal die Bergsonne genießen und die Welt herum vergessen. Mit neu gesammelten Kräften kann die lange Abfahrt in Angriff genommen werden.
Etwas gemütlicher geht es auf den Pisten der Nordseite des Tals zu, bei zahlreichen Sesselliften ist für jeden Geschmack etwas dabei. Persönlich gut gefällt mir die Abfahrt Seekarspitz, ganz ordentlich ist auch das 2200 Meter hohe Seekareck, wenngleich es hier auch etwas windiger werden kann. In der Nähe gelegen sind ein Funpark, diverse Speedstrecken und Torlaufstrecken und wem das alles nicht genügt, der findet neben den alpinen Pisten auch noch eine Langlaufloipe zum Austoben.

Wohl am gemütlichsten lässt sich der Tag auf der Hochalm ausklingen. Mit Wärmestrahlern auf der Terrasse chillt man bei fröhlicher Hüttenmusik in den Sonnenuntergang hinein und lässt den Tag Revue passieren.
Eingefleischte Liebhaber der Hüttengaudi fühlen sich am Wohlsten in der östlich gelegenen Edelweißalm. Hier wird es ausgelassen. Ein bunt gemischtes Publikum von 18 bis 50 feiert mit ausreichend Promille und den Schlagerhits von Dj Ötzi. Einzig die Kellnerin, vom ewigen gejodle der Masse sichtlich genervt, scheint sich der lockeren Stimmung zu entziehen. Unsere versuchten Späße zur Auflockerung erwidert sie lediglich mit angewiderten und bösen Blicken.
Im hinteren Teil der Hütte ist die Stimmung bereits am Siedepunkt. Hier
treffen wir auf jede Menge „crazy people“. Ein Schotte kommt mit „This is soooooo sick“ auf uns zu und schwärmt von der Party. Er komme jedes Jahr für eine Woche nach Obertauern, nur um auf der Edelweißalm abschwingen zu dürfen.
Mit fortscheitender Uhrzeit werden die Gespräche weniger, die Musik lauter und die Gäste ausgelassener. Zuletzt bessert sich dann auch noch die Stimmung der grimmigen Kellnerin, und wir können kurz vor unserer Abfahrt ihren Lippen doch ein Lächeln entnehmen. Wir sind ja doch Freunde.
Spätestes um 18 Uhr beginnt sich die Hütte zu leeren und die Jagertee-Spezialisten schlagen sich allmählich zur tiefer gelegenen Lürzer Alm durch. Mit reichlich Promille in den Adern wirkt die Abfahrt waghalsig, letztendlich kommen aber doch noch alle in einem Stück an.

Die Lürzer Alm im Ortszentrum ist so etwas wie das Hertzstück von Obertauern. Hier versammelt sich die Apre Ski Elite zum gepflegten Absturz. Ein Ort nicht für zarte Seelen geeignet. Großstätter vergessen ihre täglichen Zwänge und freuen sich des einfachen Lebens. Für so manchen stressgeplagten Bürohengst erweist sich die Schirmbar der Lürzer Alm als Ort metaphysischen Glücks, an dem eine Woche im Jahr keine Probleme existieren. Das Szenario birgt eine gewaltige Portion Komik in sich, doch kann man sich der Stimmung schwer entziehen und wird einfach von ihr mitgerissen. Alle sind irgendwie gut drauf, ob aber unser Erfolg beim anwesenden, weiblichen Publikum auf Charme, oder doch nur auf die Promille zurückzuführen ist, bleibt letztendlich ungewiss.
Gut besucht ist auch die benachbarte
Gruber Alm. Bei basslastiger, musikalischer Untermalung finden Freunde der leichten Unterhaltung ein weiteres Apre Ski Paradies vor. In Skischuhen hüpft man sich hier dicht gedrängt die Kalorien des Glühweins wieder von der Hüfte.
Nicht ganz so stimmungsvoll erweist sich ein kurzer Abstecher ins nahe Monkeys Heaven. Dafür treffen wir auf eine Gruppe Schwedinnen, die uns vom ersten Augenblick an sympathisch ist. Mit ihnen im Schlepptau geht’s zurück in die Lürzer Alm, wo es sich bis 3 Uhr morgens aushalten lässt.
Das Aufstehen am nächsten Morgen fällt schwer, doch was tut man nicht alles, um einen weiteren Sonnentag voll ausnützen zu können. Nach 4 Tagen mit ähnlichem Programm werden die Pistenabfahrten langsam anstrengender und Müdigkeit macht sich in unserem Team breit. Aber spätestens beim Treffpunkt auf der Hütte ist die Abgeschlagenheit vergessen und die Stimmung bessert sich wieder auf.
Alles in allem sind wir mit Obertauern zufrieden, für Apre Ski begeisterte Pistenfans jedenfalls empfehlenswert.
Fotos geotagged mit Google Maps
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