Das orange Programm:

Synonym für die Summe der menschlichen Handlungen im Ödland und unter dem Trugbild des  Wunderlandes. Das  orange Programm ist die Überlebensstrategie des Menschen im atomistisch-randomisierten Weltbild. Kennzeichen sind:  empiristisch, logisch-deduktiv, hochentwickelte Rationalität und Problemlösungsfähigkeiten, vergleichsweise unterentwickelte emotionale Einfühlsamkeit. Das Moralsystem umfasst nicht universales Mitgefühl. Logik, Technik und egoistische Durchsetzungskraft sind deshalb vergleichsweise dominant, Moral  und  Mitgefühl sind vergleichsweise rezessiv. Streben nach Macht und Reichtum, geprägt von Eitelkeit, Selbstgeltungsbedürfnis, egozentriert und hohes Konkurrenzdenken. Materieller Überfluss und äußere Surrogaten dienen als Ersatz für fehlende Selbsttranszendenz und mangelnde spirituelle Bewusstseinsevolution.

Orange Programme sind im Interesse ihrer eigenen Existenz darum bemüht, um jeden Preis das empiristisch-materialistische Weltbild zu verteidigen. Für dieses Ziel gehen sie auch die Kosten eines hohen pathologischen Entwicklungspotenzials ein und schrecken auch vor skurrilen Interpretationen der Umwelt und der Schaffung  grotesker Systeme nicht zurück. Die empirische Fokussierung  erlaubt es ihnen, Prozesse Schritt für Schritt zu zerlegen und zu analysieren. Wir verdanken orangen Programmen  viel:  Unsere Befreiung aus der mythischen Vorherschaft der Kirche, die Differenzierung von Naturwissenschaft und Religion, die Industrialisierung, den technischen Fortschritt, die Systemtheorie und unsere moderne Ökonomie mit seiner hohen Produktionseffizient. Orange Programme schaffen eine Vielfalt neuer Systeme (die endlose Vielfalt der globalen Märkte, neue kulturelle Phänomene, neue Formen der Kunst) zugleich gehen auch alte Systeme  verloren (z.B. Verlust der Biodiversität im Zuge der orangen Vorherschaft des Menschen). Damit sind orange Programme ein Teil des gesamtevolutionären Prozesses, mit dem das universal kreative Prinzip arbeitet, um sich in der Welt zu entfalten.

Orange Programme sind nicht auf die sozial-kulturelle Ebene beschränkt, sie laufen auch in der physikalischen und biologischen Forschung ab und selbst die Philosophie kann sich ihrer Anziehungskraft seit  Jahrzehnten nicht entziehen. Widersprüche, die im Zuge der  Modellkonstruktionen ans Licht treten,  und nicht mit der Realität vereinbar sind, wie beispielsweise in der Physik(z.B.  Gravitationsanomalien, Dunkle Materie), in der Biologie, Genetik (nutzlose Introns der DNA),  oder in der Mathematik (z.B. Gödelsche Unvollständigkeitstheorem),  werden im orangen Programm solange wie möglich ignoriert, um den Zusammenbruch des empirisch-materialistische Paradigmas zu verhindern

Einmal aktiv, laufen orange Programme mit zufriedenstellender Stabilität. Wenn die Vorhersagen ihrer Modelle nicht mit der Realität übereinstimmen, wird nach schrittweisen Anpassungen gesucht, ohne das orange Paradigma zu verändern. Wiedersprüche und Paradoxien, die nach und nach auftreten und auf integrale Anomalien des Programmes hindeuten, werden so lange wie möglich ignoriert, oder durch Anpassung der Axiome und Hypothese wieder mit dem orangen Modell vereinbar gemacht. (Kuhn)

Orange Programme sind erfinderisch, um ihre Existenz zu verteidigen. Sie umgeben uns überall, doch  am offensichtlichsten wird ihre Wirkungsweise an den Auswüchsen des ökonomischen Systems. Die heutige Form der komplexen Marktwirtschaft ist ein fein auskonstruiertes oranges Programm und es ist überhaupt fraglich, ob globale Märkte mit einem andersfarbigen Bios funktionieren können.  Bislang fehlt uns weitgehend die Vorstellung dafür, wie eine globalisierte Marktwirtschaft auf Basis eines türkisen Grundprogramms aussehen könnte. Dennoch ist die pathologische Entwicklung zum Turbokapitalismus und die Sinnkrise der westlichen Gesellschaft  auf zuviel orange im Programm zurückzuführen.

Die ultimative Kennzahl, mit der das orange Projekt seinen Gesamterfolg misst, ist das jährliche Wachstum des Brutto Inland Produktes. Obwohl empirisch schon lange nachgewiesen ist, dass mit dem wachsenden BIP das subjektiv gefühlte Glück der Bürger nicht zunimmt, arbeitet die orange Maschinerie weiterhin auf Hochtouren, um unter gewaltigen Opportunitätskosten, diese eine Kennzahl  weiter zu pushen.  Der Glaube, den Zustand der Vollkommenheit im Materialismus zu realisieren, ist dem orangen Programm nicht zu nehmen. Alle Bekehrungsversuche werden einfach ignoriert.

Doch die Probleme, auf die orange Programme in der Ökonomie stoßen, sind vielfältiger: Die hohe Komplexität der anonymisierten Märkte macht einen ebenso hohen Institutionalisierungsgrad notwendig, der die egoistisch-materialistische Fokussierung und die fehlenden ethisch-moralischen Konventionen des orangen Bios kompensieren muss.  (Um innerhalb des  Vier Quadranten Modell von Ken Wilber  zu argumentieren: Es kommt im Zuge der ökonomischen Entwicklung zu einer Disharmonie zwischen den informellen Institutionen im dritten Quadranten und den formellen Institutionen im vierten Quadranten. Sie dazu auch Ansätze einer Integralen Wirtschaftspolitik.)

Doch mit zunehmender Komplexität der Märkte (vor allem der Finanzmärkte) kommt der notwendige formelle Institutionalisierungsgrad der Entwicklungsdynamik des Wirtschaftssystems nicht mehr hinterher. Die institutionelle Wirtschaftspolitik, die immer neue Formen des Marktversagens und immer stärkere Boom Burst Sequenzen glätten soll, hinkt ständig der Entwicklung der Märkte hinterher. Das Resultat:  Von Zeit zu Zeit offenbart sich die Instabilität des ökonomischen Systems unter dem orangen Programm (z.B. Wirtschaftskrisen ausgelöst durch mangelnde Regulierung der Märkte).  Mit zunehmenden Amplituden der Boom Burst Sequenzen verschärft sich auch die Intensität der Krisen, solange, bis der kritische Punkt im Schwingungsprozess überschritten wird und das System zerfällt.

Selbst eine Weltregierung, die das institutionelle Framework global abstimmt, wird kaum in der Lage sein, mit einem formellen Regelapparat der Komplexität zukünftiger Finanzmärkte gerecht zu werden. Dies wird eines Tages womöglich den Untergang des orangen Programmes besiegeln und  ein postorangen Bios der Marktwirtschaft und der globalisierten Gesellschaft als Ganzes erfordern.

Orange Programme sind relativ tolerant gegenüber dem Andersartigen und Fremden, solange diese nicht spezielle Kennzeichen aufweisen, aber sie haben ein großes Feindbild, gegen das sie mit aller Entschiedenheit vorgehen. Alles Magische, Mythische, Esoterische, Metaphysische, Spirituelle oder Mystische ist ihnen ein Horror. Kurz: Alles, das empirisch nicht nachweisbar ist, oder der Fratze der Pseudowissenschaft ähnelt, kommt sofort auf die Black List. Sobald auch nur geringste Anzeichen dafür vorliegen, wird das Andersartige sofort als feindlicher Virus identifiziert. Große Vorsicht ist geboten, denn wenn sich dieser Virus im Bewusstsein der Menschen verbreitet hat, lässt er sich kaum mehr löschen. Orange Programme sind ständig auf der Lauer nach dem Virus, und sie vermuten seine  Spitzel  an jeder Ecke. Sie reagieren fast psychotisch, wenn sie eine Fährte wittern, und ziehen sofort alle Register der Kriegsführung, um den Feind im Keim zu ersticken.

Diese Furcht ist nicht unbegründet. Zum einen ist das orange Programm in ständiger Angst, die eigene Existenz zu Gunsten eines virenhaften Konkurrenzprogrammes zu verlieren. Doch die Urangst vor dem Feind geht viel weiter zurück und liegt tief in den bestialischen Taten der magischen Gesellschaften (z.B. Menschenopfer) und den Gräueltaten des mythischen Mittelalters verwurzelt.

Aus panischer Furcht vor der neuerlichen Herrschaft des metaphysischen Feindes, hat sich das orange Programm in eine Psychose verrannt. Mit der Waffe des Empirismus gelang es zwar den Teufel samt seiner Wurzeln auszurotten, zugleich wurde uns Menschen auch die Seele aus dem Leib torpediert und damit jede Hoffnung auf Transzendenz und Transpersonale Evolution. Der systeminterne Fehler im orangen Programm hat uns in die kalte Welt des Materialismus geführt.  Nun irren wir planlos und zerrissen umher, gefangen in der Schizophrenie zwischen dem Ödland und dem Wunderland.

Das orange Programm: Siehe auch Atman Projekt bei Ken Wilber, orange Meme im Spiral Dynamics System.

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Research - Glossar

Syrien: Zwischen Propaganda, Imperialismus und Systemverfall

Bereits in den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts hat der einflussreiche Globalstratege Zbigniew Brzezinski die Bedingungen für die amerikanische Weltherrschaft skizziert.  In "The Grand Chessboard" beschreibt er die Zukunft des amerikanischen Imperialsmus auf Basis militärischer Übermacht und kultureller Assimilation. Wirtschaftliche Überlegenheit wird durch global agierende Megakonzerne gesichert. In Anbetracht des Ölfördermaximus muss sich der geostrategische Imperialmsus auf Eurasien konzentrieren.  Nur wer die Kontrolle über Eurasien erlangt, kann die Entwicklung anderer Länder  behindern, und die Vormachtstellung zementieren. Brzezinski machte in der Vergangenheit an zahlreichen Stellen deutlich, dass bei der Umsetzung der Pläne Menschenleben keine Rolle spielen. Auch wenn die Zahl der Kriegstoten in die Millionen geht, auf dem Schachbrett des globalen Machtkampfes zählen sie nur als Bauernopfer.  
 
Das Project for New American Century (PNAC), mit Politgrößen wie Rumsfeld, Cheney und Wolfowitz,  formulierte zur Jahrtausendwende ähnlichen Ziele: Die totale Überlegenheit Amerikas, die Bekämpfung der Konkurrenten wie Russland und China und ökonomische sowie kulturelle Hegemonie. Wichtige Länder auf dem Speißeplan wurden festgelegt: Afghanistan, Irak, Syrien und Iran.  Für die amerikanischen Vorherrschaft sei es notwendigdas Militär enorm aufzurüsten und zu modernisieren.  Der Plan bekam den Namen Rebuilding Americas Defense. Und wie Brzezinski, kam auch das PNAC bereits vor dem 11. September 2001 zum Schluss, dass, um erfolgreich zu seinder amerikanische Imperialismus ein gewaltiges Trauma, wie ein neues Pearl Harbor, benötigen werde.  Nach dem Kalten Krieg bräuchte man einen neuen Feind. Ohne ihn würde die Transformation des Militärs ein sehr langwieriger Prozess werden, so der damalige Konsens
 
Wer  Papiere von Kissinger, Brzezinski und PNAC Mitgliedern wie  Kagan studiert, wird auf die weltpolitischen Ereignisse der letzten 12 Jahre und auch auf die Syrienkrise, vielleicht eine andere Sichtweise erhalten. Zu Beginn mag Wes Clark weiterhelfen: "Wir zerstören 7 Länder in 5 Jahren:  Irak, LybienLibanon, Somalia, Sudan, Syrien und Iran."
 
 
    
 
Syrien: Zwischen Propaganda, Imperialismus und Systemverfall
 

Cote d' Azur Lifestyle, stabile Ungleichgewichte und transpersonale Hoffnungen


Mein letzter Aufenthalt an der Cote d' Azur hat mich mehr denn je zum Grübeln gebracht, wie sich die Zukunft der Lifestyle Monokultur in den nächsten Jahren gestalten wird. Vor allem in Anbetracht der ökonomischen Entwicklungen der Eurozone, mit Rezession/Depression, Massenarbeitslosigkeit, dem strukturell ungelösten Währungsproblem, den wachsenden Staatsverschuldungen, der wachsenden EZB-Bilanz und dem Crash gefährdeten Finanzsystem, stellt man sich die Frage, was für ein grausames Spiel hier eigentlich abläuft.

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