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Gedanken zur „Eurokrise“

  •          Ursachenforschung: Ein anderer Blickwinkel
  •          Die europäische Integration
  •          Wettbewerb im Globalisierungsprozess
  •          Von der Schuldenkrise zur Demokratiekrise
  •          Das orange Moralbios 
  •          Der Weg in den Materialismus und seine Pathologien
  •          Von Piraten und digitalen Geistern
  •          Die hierarchische Ordnung der Gesellschaft
  •          Die Grenzen von Hierarchien 
  •          Die heterarchische Organisation des Kollektivs
  •          Die Zukunft der westlichen Zivilisation

 

 

"Die Krise ist noch lange nicht ausgestanden. Die akuten Probleme wurden lediglich vertagt, indem Risiken in die Zukunft transferiert wurden."(Moralverhalten und Globale Krisen -  März 2011)

Nicht lange ist es her, da schien noch alles eitel Wonne zu sein und der DAX stürmte von einem Hoch zum Nächsten. Im März 2011 glaubte man bereits die Finanz- und Wirtschaftskrise endgültig abgewendet zu haben. Anleger strömten wieder in Aktien hinein und die Medien bejubelten den Höhenflug des Dax auf 7500 Punkte.

Nun also doch: Zunehmend gelangt die Wahrheit ans Tageslicht, dass die Installationen für die  Risikotransfers von 700 Mrd. Euro alleine  nicht ausreichend sind, um Griechenland von einer Insolvenz zu schützen. Ein Schuldenschnitt scheint unausweichlich. Panik wird verbreitet, dass durch die Staatspleite Griechenlands weitere marode Staaten, wie Portugal, Spanien oder Italien, in Bedrängnis geraten könnten und die Schockwelle das Wirtschaftssystem Europas zu Fall bringt. Italiens Kreditwürdigkeit wurde von Standard and Poors bereits herabgestuft. Gerät auch Italien durch höhere Zinsen am Finanzmarkt in Refinanzierungsschwierigkeiten und in die Zahlungsunfähigkeit? Diese Ökonomie ist jedenfalls zu groß, als dass sie durch einen Rettungsschirm geschützt werden könnte, eine Insolvenz hätte verheerende Auswirkungen auf andere europäische Staaten.

Griechenlands Wirtschaftsleistung beträgt 2,5% des europäischen Sozialproduktes und ist damit vernachlässigbar gering. Betrachtet man alleine die ökonomische Kraft, und lässt man die psychologische Komponente außen vor, so hätte eine Insolvenz Griechenlands vermutlich geringe Auswirkungen für die anderen Gemeinschaftsstaaten. Rechnet man die Wirtschaftsleistung Griechenlands, Irlands und Portugals zusammen, beträgt diese weniger als ein Viertel des deutschen BIP [1].

Trotzdem geht Angst um. Angesichts des emotionalen Schocks, den die Schuldenkrise verursacht hat, verharrte die Politik in Stasis und Tatenlosigkeit. Die lange Phase der Lethargie versucht man nun durch überzogene Notmaßnahmen wettzumachen. Statt nachhaltige Wirtschaft- und Wachstumspolitik gibt es in Griechenland Aktionismus, der die internationalen Kreditgeber für den weiteren Transferfluss bei Laune halten soll. Die panikgeladenen Noteinsparungen würgen das Wirtschaftswachstum ab und verschärfen das Schuldenproblem zusätzlich. Die Verlierer der gewaltsamen Sparaktionen sind die ohnehin wirtschaftlich Schwachen, wieder einmal trifft es vor allem die unteren Einkommensschichten[2].

Man muss befürchten, dass Europa gegenwärtig weder das wirtschaftspolitische Instrumentarium, noch die Entscheidungsgewalt besitzt, um die systeminternen Ursachen dauerhaft zu lösen, die Politik scheint die Eskalation lediglich zu verschleppen. Die Schuldenkrise exponiert "die politischen Entscheidungsträger der Eurozone als Opferlämmer, die der Komplexität des internationalen Finanzsystems nicht gewachsen sind. Sie offenbaren sich als Fehlkonstrukteure, die durch die Schaffung instabiler Strukturen, den wiederholten Angriffen der internationalen Finanzpolizei (darunter auch die oft gescholtenen Spekulanten) ausgesetzt sein werden[3].“

 

Ursachenforschung: Ein anderer Blickwinkel

Wo könnte das Dilemma verankert sein? Vereinfacht ausgedrückt, gelten für physikalische, biologische, chemische und soziale Systeme, die in evolutionäre Entfaltungsprozesse eingebunden sind, Grundprinzipien, denen sich auch die ökonomische Organisationsebene nicht entziehen kann. Ziehen wir für die weitere Argumentation die Integrale Theorie[4] und das Holonmodell heran (Ken Wilber). Sie ermöglicht uns eine grob vereinfachte Darstellung auf hohem Abstraktionsniveau und einen alternativen Blickwinkel auf die Geschehnisse einzunehmen.

Wenn sich Holons innerhalb des evolutionären Prozesses durch Integration und Transzendierung zu einem ganzheitlicheren System zusammenfügen, bilden sich auf- und abwärtsgerichtete Regelmechanismen. Holons niedrigeren Ranges beeinflussen durch Aufwärtskausalität die übergeordneten Holons des höheren Ranges. Ebenso existiert eine Abwärtskausalität, innerhalb derer die Holons höheren Ranges die untergeordneten Holons beeinflussen. Innerhalb einer Organisationsebene herrscht zwischen den Holons für gewöhnlich Heterarchie, während zwischen den Ebenen Hierarchie herrscht.

Stabile Systeme sind durch fein justierte Regelmechanismen definiert, die sich sowohl vertikal (Hierarchie), als auch horizontal (Heterarchie), adaptiv auf die Überlebensanforderungen ihrer Umwelt einstellen können. Auch ein effizientes ökonomisches Holon mit hohem Leistungsoutput zeichnet sich dadurch aus, das die Regelmechanismen zwischen den Subholons präzise justiert sind und sich an die Anforderung der Umwelt flexibel anpassen können.

Wirtschaftssysteme moderner Staaten haben einen hohen Komplexitätsgrad erreicht, sowohl auf der mikroökonomischen, als auch auf der makroökonomischen Ebene. Es bestehen diffizile wechselseitige Abhängigkeiten zwischen den einzelnen Holons  (wie Arbeitsmarkt, Geldmarkt, Gütermarkt) mit einer Vielzahl von Variablen (wie Zinssatz, Inflation, Wechselkurs, Löhne) die als Regelmechanismen Schwankungen im System kompensieren. Auf diese Weise bleibt das ökonomische Holon für Stimuli seiner Umwelt offen, es gravitiert zwischen Stabilität und Instabilität, um sich im andauernden Evolutionsprozess zu höheren Ordnungsebenen entwickeln zu können. Versagen regulative Mechanismen, gerät die Anpassungsfähigkeit des Holons an veränderte Umweltbedingungen ins Wanken. Das System droht seine integrative Kraft zu verlieren und auf eine niedrigere Organisationsebene zu regredieren[5]

Organisieren sich Staatenholons zu offenen Volkswirtschaften, so ist der Wechselkurs ein mitentscheidender Regelmechanismus, um unterschiedliche Produktionseffizienzen zwischen den Ökonomien auszugleichen. Bei einem flexiblen Wechselkursregime werden Ungleichgewichte in der Leistungsbilanz durch Wechselkursanpassungen vom Devisenmarkt selbstreguliert (nach Angebot und Nachfrage).  Verschuldet sich ein Staat durch dauerhaft höhere Importe, versagt beim Regime fixer Wechselkurse der automatische Anpassungsmechanismus über den Devisenmarkt und die  Kompensation muss über ein anderes Ventil, wie über die Geldpolitik, erfolgen. [6]

In einer  Währungsunion mit einheitlicher Geldpolitik ist die Einhaltung der Stabilitätskriterien essentiell[7] Versagen diese Kriterien, und weiten sich die Schulden einzelner Staaten weiter aus, kann die fehlende Wechselkursanpassung am Devisenmarkt nicht zu einer Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der ineffizienteren Ökonomien beitragen. Als Folge davon drohen sich die Schulden in der Leistungsbilanz solange auszudehnen, bis die Zahlungsunfähigkeit eintritt. [8]

Die grob vereinfachte Analyse führt zu einem wenig überraschende Schluss: Ohne den Wechselkurs als Kompensator für Wettbewerbsdifferenziale zwischen den Staaten, kommt es in einer Währungsunion bei Missachtung der Stabilitätskriterien zu massiven Störungen des ökonomischen Gesamtholons, die in der langen Frist zwei Lösungsvorschläge zulassen. [9]

  • Die Anpassung der wirtschaftspolitischen Rahmenordnung durch eine zentrale Wirtschaftsregierung mit fiskaler Gesetzgebungskraft für alle Mitglieder der Währungsunion und koordinierter Konjunkturpolitik.  Auf diese Weise könnten Wettbewerbsdifferenziale zwischen den Staaten durch eine zentralistische Koordinierung ausbalanciert werden.

 

  •  Der Ausschluss produktionsineffizienter Staaten aus der Währungsunion. Infolge dessen können diese durch Wechselkursanpassung am Devisenmarkt ihre Wettbewerbsfähigkeit wieder erhöhen und, unterstützt von Aufbauplänen mit ausländischen Investitionen, ihren Leistungsoutput erhöhen und die Überschuldung reduzieren. Begleitet müsste diese Maßnahme von kurzfristigen Krediten sein, solange bis sich die betroffenen Ökonomien durch eine Verbesserung  der Wirtschaftsleistung wieder am Finanzmarkt selbst refinanzieren können. Länder wie Griechenland müssten durch einen Haircut teilweise von ihrer unüberwindbaren Schuldenlast befreit werden.

 

Die europäische Integration

Die Schaffung eines ökonomischen Holons (wie die europäische Währungsunion) mit unsymmetrischen Regelmechanismen (zwischen Geld und Fiskalpolitik) stellt Stabilitätsprobleme dar. Im Falle der Währungsunion ist dies zu großen Teilen auf den unvollständigen Integrationsprozess zurückzuführen und auf das Missachten der Stabilitätskriterien.

Aus Sicht der Integralen Theorie liegt die Ursache für die unvollständige Integration mitunter in einer Entwicklungsdiskrepanz zwischen dem linken unteren Quadranten und rechten unteren Quadranten. (sieh dazu Vier Quadranten Modell). Europas integrative Kraft war bislang ausreichend, um ein institutionelles Regelwerk für eine gemeinsame geldpolitische Währungsunion auszugestalten. Aber die intersubjektive, kulturelle Wertesphäre der Bürger (linker unterer Quadrant) ist bislang noch zu schwach verwoben, damit sich die einzelnen Staaten der Hierarchie des höheren Holons, in Form in einer voll zentralisierten Wirtschaftspolitik, unterordnen. Es ist eine Entwicklung, die vornehmlich im rechten Quadraten vorausgeeilt ist, nun aber nicht weiter vom unteren linken Quadranten (intersubjektive Sphäre) gestützt wird. [10] Ein ökonomisches Holon ist aber nur dann überlebensfähig, wenn seine integrative Kraft alle vier Quadranten ausbalanciert. [11]

Für eine zentralisierte Wirtschaftsregierung bedarf es einer Volksabstimmung. Die Politik weiß nur zu gut, dass bei der herrschenden Euro Skepsis eine solche Volksbefragung in einem Skandal enden würde. Niemand will sich der Bevormundung einer Brüsselregierung beugen und auch die griechischen Bürger verdeutlichen ihr Nein zur europäischen Knechtschaft jeden Tag mit Massendemonstrationen auf der Straße. Eine zentralisierte Wirtschaftspolitik mit bindender Gesetzgebungskraft für alle Staaten der Währungsunion, ist mit der derzeitigen Vertrauenskrise in Politik und Demokratie, unvorstellbar.

Europa ist ein Experiment, das von Gier nach raschem Wirtschaftswachstum vorangetrieben wurde, ohne die Entwicklung der intersubjektiven Bewusstseinsmatrix im linken unteren Quadranten zu beachten. Um das orange Projekt [12] auf neue Höhen zu treiben, wurden unkalkulierbare Risiken aufgenommen. Die Kosten dafür müssen nun bezahlt werden.

Entgegen aufkommender Zweifel, wird das orange Programm fortgesetzt, denn „manchmal muss man die Leute eben zu ihrem Glück zwingen.“  Es gab diese Einstellung, die von der deutschen Bundeskanzlerin vertreten wird, in der Geschichte der Menschheit schon mehrmals: Nämlich in Gesellschaftsystemen, in denen die Herrscherklasse über die Köpfe des unwissenden Pöbel  hinweg entschieden hat. Zwang ist die Maxime von totalitären Regimen, nicht von freien Demokratien. Hier wird die Vision und die Lebenseinstellung einer Gruppe dem gesamten Volkswillen überstellt und im rechten unteren Quadranten institutionalisiert, deren volle Ausreifung im Bewusstsein der Menschen (im linken unteren Quadranten) aber fragwürdig ist. Dieser Trend der Bevormundung, der sich durch einen selbsternannten Informationsvorsprung  der „gebildeteren“ politischen Klasse legitimiert, muss mit Sorge beobachtet werden. Gelingt es nicht dieser Entwicklung Einhalt zu gebieten, wird die Demokratie und Europa, unweigerlich auf Probleme stoßen (Hierachiepathologie). [13]

 

„Wenn es ernst wird, muss man lügen.“  Jean Claude Juncker

Umfragen stellen weder den nationalen Regierungen, noch der Brüsselbürokratie ein positives Image aus. Laut einer OGM Umfrage vertrauen 82% der österreichischen Bürger nicht in die Politiker. 89% halten Politiker für korruptionsanfällig. [14] Der Vertrauensverlust ist nicht nur auf die Krise zurückzuführen, sondern auf die volksfremde Art und Weise, mit der die Politik damit umgeht. Sie vermittelt den Eindruck, dass die ökonomischen Prozesse zu komplex seien, um sie der Bevölkerung zu erklären. Die unwissenden, unaufgeklärten und unfähigen Bürger seien wohl ohnehin nicht in der Lage, das komplexe Gewebe aus Industrie, Hochfinanz und Regierungen zu durchschauen. Es heißt jetzt schnell handeln, Führerqualitäten zeigen und dem Regierungsauftrag nachkommen. Aufklärungsarbeit könne man später immer noch leisten. Man versichert aber vollkommen Herr der Lage zu sein, und zur Lösung der Probleme den Stein der Weisen bereits zu besitzen. Dieser Wissensvorsprung der Regierungen gegenüber dem Kollektiv legitimiert sie, ohne moralische Bedenken, auch gegen die Meinungsumfragen zu handeln, denn am Ende werde sich alles zum Guten wenden. Aber im Bewusstsein der Bevölkerung wecken die Taten der Regierungen, die zu einer ständigen Verschärfung der Krise geführt haben, nicht den Anschein, diesen Versprechungen gerecht zu werden. Viel eher ist die Stimmung, dass die Regierungen die Kontrolle längst verloren haben und nur noch Spielbälle der Märkte sind.

Die Politik hat sich in eine hermetische Parallelwelt aus Hochmut und Besserwisserei begeben. Sie verkörpert keine bürgernahe Volksvertretung mehr, sondern vielmehr eine aristokratische Herrscherklasse, die eng in Verflechtung mit den Interessen der wirtschaftlichen Elite steht. Diese Entwicklung wird vom Volk zwar mit wachsendem Unmut beobachtet, aber dennoch toleriert, solange die Wirtschaft einigermaßen stabil ist. 

Der Motor der europäischen Integration ist Deutschland. Noch glänzt die deutsche Wirtschaftskraft mit ihren Exporten[15], doch was wird passieren, wenn sich die Neuverschuldung in der Realwirtschaft niederschlägt? Was wenn die Leidensfähigkeit der Steuerzahler ihr Maximum erreicht hat? Die Gefahr besteht, dass die Unzufriedenheit über die Entwicklung der Demokratie eskaliert und das System weiter destabilisiert. 

Mit der ständigen Verschärfung der Schuldenkrise und dem augenscheinlichen Versagen der Politik wächst die Furcht vor noch mehr Bürokratie, Institutionalisierung, Kontrolle und Entmündigung. Nein zu Europa heißt, nein zur Aufgabe von Autonomie, um sich dafür den volksfremden Bürokraten aus Brüssel beugen zu müssen. Aus der gegenwärtigen Kosten-Nutzen Rechnung dürfte das Interesse der Bürger an einem weiteren Autonomieverlust zugunsten einer zentralisierten Euro-Wirtschaftsregierung, eher ins Stocken geraten. Wohl auch die Mehrheit der deutschen und österreichischen Bürger stellt sich gegenwärtig die Frage: Wozu brauchen wir die Währungsunion eigentlich, wenn die negative Effekte die positiven Effekte überwiegen?

 

Wettbewerb im Globalisierungsprozess

Doch diese Mentalität könnte sich bald zwangsläufig ändern, denn ein bedeutsamer Motor hinter Europas Integration schlummert bislang nur im Unbewussten: Um im globalen Überlebenskampf zwischen den Machtblöcken USA und China bestehen zu können, ist der Zusammenschluss der europäischen Staaten zu einer vereinten Wirtschaftskraft , vor allem in Hinblick auf schwindende Ressourcen,  von Vorteil. Chinas ökonomischer Aufstieg hat die globale Machtverteilung verändert. Nicht nur der wirtschaftliche Konkurrenzdruck verschärft sich durch  das Rekordwachstum des Roten Drachens, auch die enorme militärische Expansion Chinas verlangt ein Gegengewicht zur neuen Ausbalancierung der Kräfte. Chinas kommunistische Regierung ist wenig Transparent, ihre Handlungen sind nicht prognostizierbar und die bilateralen Beziehungen mit Amerika im Konflikt um Taiwan, können jederzeit heiß laufen.

Dann war da noch ein verzweifeltes Amerika, das um seine Weltmacht bangt. Das nach seinen imperialistischen Kriegszügen, nach dem Auslösen der Immobilien,-  Finanz,- und  Wirtschaftskrise, und einer fatalen Importquote, mit ausufernder Überschuldung kämpft (14 Billionen Dollar). Und das mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung, einem drohenden Inflationsanstieg und einem schwächelnden Dollar, in eine ungewisse Zukunft steuert. Und vergessen wir bei der Gelegenheit nicht auf Zeitbombe Japan, gegen dessen Schuldenquote von 220%  (8 Billionen Euro) das vielbesorgte Griechenland mit 140% Schuldenquote wie eine solide Anlage wirkt. [16]

Die globalisierte Welt geht im Angesicht schwindender Ressourcen  und ökologischer Überbelastung des Planeten auf Konfliktherde zu, und ein vereintes Europa verspricht hier als Machtblock größere Überlebenschancen, als kleine Einzelstaaten.

Wenn die Notwendigkeit eines starken Europas zur globalen Konkurrenzfähigkeit ins Bewusstsein rückt, wird dies womöglich die europäischen Staaten dazu zwingen, ihre Selbstidentität zugunsten eines größeren Holons aufzugeben. Bislang ist die intersubjektive kulturelle Wertesphäre noch ein zu schwacher Magnet, um die Teile Europa zu einem ökonomischen Holon zu vervollständigen.

Fakt ist, die wirtschaftliche Integration Europas wird derzeit nicht von gegenseitiger Sympathie vorangetrieben, oder weil wir uns alle so lieb haben, (wie die Propaganda dies mit einer tanzenden und himmelhoch jauchzenden Völkerfamilie zu suggerieren versucht) es ist vielmehr ein notwendiges Übel, wenn man im Globalisierungsprozess die vorderen Plätze am Futtertrog verteidigen will.  

 

Von der Schuldenkrise zur Demokratiekrise

Noch sind wir von der Verschärfung der Globalisierungskrise entfernt und die Tagespolitik mit den Problemen vor ihrer Haustüre beschäftigt. Die Schuldenkrise hat die Schwächen des unvollständigen Integrationsprozesses Europas und das mangelnde Krisenmanagement vor Augen geführt.Die geistige Landschaft ist gekennzeichnet von ratlosen Politikern, die primär um ihre Reputation und Wiederwahl in Sorge sind, von Mainstream Ökonomen, die der pathologischen Entwicklung jahrelang wortlos zugesehen haben, und sich nun als Wirtschaftsweise profilieren wollen, und von entsetzen Bürgern, die einander die Köpfe schütteln. Uneinigkeit , Streit,  Schweigen,  Lähmung , Verzweiflung, Ohnmacht ... und demnächst auch Panik?

Die Bürger realisieren zunehmend, dass die Schuldenkrise den europäischen Wirtschaftsraum und dessen Wachstum jahrelang belasten wird. In ihren Augen hat die Politik versagt und Schäden verursacht, die über Jahre hinweg Wohlfahrtsverluste nach sich ziehen. Eine rasche Lösung des Konflikts ist nicht ist Sicht. Das übliche Vorgehen - vergessen und zurück zu „Business As Usual“ steht dieses Mal nicht zur Option.

Die trüben Prognosen, dass jahrelang Steuergelder an die europäische Peripherie fließen werden, laden den ohnehin immanenten Unmut über das volksentfremdete Bürokratiesystem der Eu emotional auf, zu einer Atmosphäre des Zornes und Hasses. Der Wutbürger ist geboren, der Schmutz auf alles und jeden verschüttet. In der aufgeheizten Stimmung und der gebündelten Geisteskraft aus  Sensationsjournalismus und Boulevardblätter mangelt es nicht am Aufbau von Feindbildern: Der böse Brüssel Bonzen, der böse Nationalratspolitiker, der böse Lobbyist, der böse Spekulant, der böse Banker, der dumme Ökonom... Jeder darf einmal den schwarzen Peter in die Hand nehmen und sogleich an seinen Nachbarn weitergeben.

Doch die Schuld ist nicht punktuell auf eine Partei abzuschieben, es ist ein tiefgreifendes Problem der Gesellschaft, weshalb Kritiker des orangen Projekts nun voll auf ihre Kosten kommen: So mancher Demagoge reibt sich die Hände, dass seine jahrelangen Belehrungen über die Auswüchse des Kapitalismus und Materialismus nun endlich Gehör finden, 2012 Esoteriker bejubeln den nahenden Weltuntergang einer verseuchten Konsumgesellschaft, und ausgewählte religiöse Fundamentalisten feiern, dass die Strafe Gottes auf die ungläubigen Sünder von auf Sodom und Gomorra herabfällt. Desinformation, Verwirrung und Angst beschert den Verschwörungstheoretikern und Weltuntergangspropheten die ersehnte Hochkonjunktur. Ein Riss geht durch die Gesellschaft, der die Menschen zerspaltet. Die Krise spielt denen in die Hände, die sich auf die Rückbesinnung zu den „wahren Werten“, der „wahren Moral“ und dem „wahren Anstand“  berufen. Die Geschichte belehrt uns, wohin diese Wahrheitsansprüche führen.

Wer kann uns aus dieser Schuldenkrise erretten? Ein Politiker? Paul Krugman? Ein Gremium aus Experten und Weisen? Vielleicht doch der Papst? [17] Die Hoffnungen auf den einen Heilsbringer und den heiligen Gral schwinden. Die Krise entwickelt sich von einer rein wirtschaftlichen Dimension hin zu einer Krise der Demokratie, mit Vertrauensverlust in die Grundpfeiler unseres Gesellschaftssystems und den politischen Prozess der Entscheidungsfindung. 

Die wachsende Unzufriedenheit über das System ist verständlich. Wozu die Anstrengung auf sich nehmen und sich noch zur Wahlurne schleppen? Wählt man den einen machtgeilen Politiker ab, kommt der nächste Egomane oder selbstgeltungsbedürfte Hochstapler nach, der sich seine eigenen Taschen ohne Rücksicht auf Verluste füllt. Bestechungs- und Korruptionsskandale erschüttern das politische Machtsystem täglich aufs Neue. Lobbys der Finanz, Pharma, Kommunikation, Medien und Militärindustrie unterwandern durch den Einfluss auf die poltische Entscheidungsfindung die Effizienzgesetze des freien Wettbewerbes und sorgen damit für unkalkulierbare Wohlfahrtsverluste der Gesellschaft.   

 

Das orange Moralbios[18]

Wie ist es möglich, dass zugunsten der eigenen Profitmaximierung, ein Individuum den Schaden von Millionen Bürgern moralisch in Kauf nimmt, Leid und Ungerechtigkeit verursacht, ohne dass sich sein nächtlicher Schlaf auch nur im Geringsten daran stört. Wie ist es möglich, dass unüberwindbare Schuldenberge der Staaten angehäuft wurden, ohne dass dies irgendwer beklagt hätte? Wie ist es möglich, dass die intertemporale Konsumentscheidung der Haushalte eine derartige ungleichgewichtige Verschiebung in die Gegenwart erfahren hat, und trotzdem innere Unzufriedenheit, Leere und Depression sich ausbreiten? Wie ist es möglich, dass eine ganze Generation rund um die Uhr schuftet, an der Überlastung am Arbeitsplatz verzweifelt, Burnout sich als Volkskrankheit etabliert, und trotzdem an allen Ecken und Enden Geld in der Staatskasse fehlt?   

Der Artikel im März (Globale Krisen  und Moralverhalten) hatte dazu wesentliche Kritikpunkte:

  •  Das orange Moralbios der Gesellschaft, das dem rationalen Individuum vorschreibt, das eigene Nutzenoptimum zu erfüllen, unabhängig davon, welche Schäden die Mitmenschen und die Ökologie dadurch erfahren. Solange keine Haftungsansprüche geltend gemacht werden können, oder das Gewinn-Kosten Verhältnis das Risiko für eine Haftung übersteigt, ist unmoralisches Handeln zugunsten des eigenen Profitmaximums rational begründbar. Als Folge davon wird die Gesellschaft durchzogen von Untreue, Bestechung, Korruption, Misswirtschaft und Machtmissbrauch. Sobald die höheren Ebenen der Hierarchie davon befallen werden, hat dies fatale Folgen für die kollektive Wohlfahrt.
  •  Opportunistisches Verhalten der Individuen, das in der orangen Grundmoral verankert ist, sorgt für suboptimale Verteilung der Produzenten und Konsumentenrente. Immer neue Formen des Marktversagen aufgrund moralischer Defizite können und auf globalem Maßstab mit einem nachhinkenden institutionellen Framework immer schwieriger kompensiert werden und sorgen für Wohlfahrtsverluste breiter Bevölkerungsgruppen.
  • Die schrittweise Ausgrenzung der Bürgerinteressen aus dem poltischen Entscheidungsprozess durch die Bildung interne Kreise der Macht [19] (z.B. durch die Hochfinanz in politischer Beraterfunktion oder andere Gruppen, die Einfluss auf den politischen Entscheidungsprozess nehmen, aber deren Ziele mit den Bürgerinteressen kollidieren). Dadurch wurde der Transfer privater Bankenrisiken in die öffentliche Hand ermöglicht. [20] In weiterer Folge explodierten die Staatsschulden und überluden die Haushaltskassen derart, dass die ohnehin angespannte Schuldensituation außer Kontrolle geriet. Die Finanzmärkte erkannten die ausweglose Situation und stuften die Bonität der bedrohten Staaten herab. Marode Staaten der Währungsunion mussten am Finanzmarkt erhöhte Zinsen in Kauf nehmen, wodurch sie in Refinanzierungs- und Insolvenzgefahr gerieten. Seither werden die ausufernden Schulden mit neuen Schulden (Rettungsschirme) bekämpft. Die Krise ist perfekt!

 

Die Welt versinkt im nutzlosen Plastik, im ausufernden Kommerz, im Lifestyle, im Korruptions- und Schuldensumpf und beklagt zugleich ihren moralischen Verfall. Materialismus und Konkurrenzdenken haben eine sinnentleerte Spaßgesellschaft hervorgebracht mit egozentrieren Individuen, deren ganzes Lebensziel sich auf die Suche nach der höchsten Profitquote fokussiert. Glück kann man kaufen, und je mehr wir kaufen, desto glücklicher sind wir. Wenn die Ressourcen nicht mehr ausreichend sind, müssen wir die unstillbare Habsucht eben kreditfinanziert fortsetzen. Skrupellos schlagen wir uns den eigenen Wanst voll, ungeachtet welche Schäden die Mitmenschen und nachfolgenden Generationen davontragen.

Warum sollte ich mich um den anderen kümmern, wenn er mir bei der ersten Gelegenheit das Messer in den Rücken wirft? Warum sollte gerade ich mich ändern, wenn die ganze Welt um mich herum derart verkommen ist? Get rich or die trying- welchen anderen Sinn kann das Leben einer solch räuberischen Umwelt sonst schon bieten?

 

Der Weg in den Materialismus und seine Pathologien

Es sind typische Erscheinungsformen eines Gesellschaftssystems, dessen kognitive Entwicklungslinie die rationale Bewusstseinsstufe erreicht hat, und das in ein atomistisch kartesianisches  Interpretationsschema des Kosmos eingeht. Die Grundweichen wurden bereits vor 300 Jahren gelegt. Nachdem sich der Geist mit den Instrumenten des Empirismus und Positivismus ausgerüstet hat, um gegen die Vorherschaft des mystischen Weltbildes in den Krieg zu ziehen, reduzierte er die Welt und all seine Erscheinungen auf das technisch Messbare. Auch der westliche Kulturkreis konnte sich mit diesen mächtigen Waffen der Logik und Rationalität gegen Ende des 18ten Jahrhunderts aus dem Würgegriff der Kirche befreien. Zugleich wurde die Seele als nicht messbare Entität vom Empirismus in der Luft zerfetzt, und mit ihr das menschliche Potential zur Transzendenz. Holotrope Zustände und spirituelle Erfahrungen galten von nun an als Kennzeichen schwerer Geistesstörungen. Schätze der Bewusstseinstransformation, wie sie im christlichen Mystizismus, im Buddhismus, im Sufismus und im Yogismus zu finden sind [21], wurden von nun an als infantiler Schund betrachtet.[22]

Mensch, Tier und Natur wurden zur wertlosen Biomasse degradiert. Was übrig blieb, nennen wir das  Ödland [23] – ein randomisiertes Treiben der Atome, ein sinnentleertes dahinvegetieren bis eines Tages endlich wieder alles zu Staub zerfällt. Irgendwie war diese Welt fad und geschmacklos. Also machten wir uns auf, um sie künstlich wieder mit Farbe zu füllen. Doch wie sehr wir uns auch bemühten, nichts vermochte uns in dieser gekünstelten Landschaft dauerhaft zu erfreuen, nichts vermochte uns Befriedigung und Erfüllung zu schenken. Je größer die Anstrengung, desto größer die Ernüchterung, dass wir den Kummer über unsere absurden und begrenzten Existenz, nicht mit Plastik zuschütten können.

Verzweifelt konstruierte sich das Ego einen neuen metaphysischen Zufluchtsort, in dem es seine Sterblichkeit und Nichtigkeit, zumindest kurzfristig, vergessen durfte. Endlich war es geschafft, wir Menschen durften wieder etwas wert sein und unseren Erfolg nach außen hin mit materiellem Überfluss zur Schau stellen. Die Konstruktion des Wunderlandes[24] war ein epochaler Fortschritt für unsere rationalisierte Gesellschaft. Wir entwarfen ausgeklügelte Überlebensstrategien und gewiefte Programme unterschiedlichster Färbung[25], um dem Ego in dieser Scheinwelt Trost spenden zu können.  Doch um die Illusion des Wunderlandes aufrecht zu erhalten, mussten immer höhere Kosten und immer hartnäckigere Pathologien in Kauf genommen werden.

Wir rüsteten unsere wissenschaftlichen Modelle mit Updates aus, um die Paradigmen des atomistisch kartesianischen Weltbildes verteidigen zu können.[26] Wir bauten immer höhere Elfenbeintürme. Wir erschufen groteske Erscheinungsformen und Gaga Ladies. Wir errichteten schillernde Werbewende  und gigantische Einkaufszentren als unsere neuen Tempel des Glaubens. Wir schmückten sie zu Weihnachten mit allen Farben des Regenbogens aus… alles nur, um uns an die erhoffte Erfüllung im Materialismus erinnern zu dürfen.[27]   

Wir beuteten die Meere aus. Wir holzten unsere Regenwälder nieder. Wir schmolzen unsere Pole.  Wir vernichteten konsequent ein Ökosystem nach dem anderen. Wir löschten Lebensformen der Reihe nach aus. Wir erschufen endlose Fabriken, in die wir unsere Nutztiere pferchten. Wir luden den Tieren grausamste Qualen auf. Nichts konnte unseren unersättlichen Hunger stillen. Wir wurden adipös und errichteten Fettabsaugkliniken. Wir begruben all unsere Schandtaten unter Zynismus.   

Wir hatten keine Wahl, wir mussten das Wunderland weiter aufblasen, mit Luxuskarossen, mit  Diamant- und Goldschmuck, mit Yachten und mit Lifestyle. Als uns die Mittel ausgingen, mussten wir die Aufblähung des Wunderlands kreditfinanziert fortsetzen. Wir häuften Schuldengebirge von imposanter Größe auf. Selbst die Titanen blicken heute ehrfürchtig zu unserer Entschlossenheit auf.

Nach und nach wurden die Krankheiten sichtbarer, solange bis sie uns an allen Ecken und Enden in die Augen sprangen. Heute karikiert sich westliche Gesellschaft schonungslos selbst, mit demokratisch gewählten Volksvertretern wie Bunga Bunga Silvio – Eine Figur, die kein statistischer Ausreißer ist, sondern das traurige Spiegelbilder für die Ideologie hinter der Lifestyle Monokultur. Die enormen Auswüchse zwingen zur Selbstreflexion und erhärten denn Verdacht, dass immanente Konstruktionsfehler dem System zugrunde liegen, und die Ursachen der Pathologien weit tiefer wurzeln, als in der gegenwärtigen Schuldenkrise.

Was tun? Warten, bis sich die Lifestyle Monokultur in ihrem Datenmüll von Twitter und Facebook selbst „logotomisiert“ hat?

 

Von Piraten und digitalen Geistern

Fast scheint es, als hätte der Geist der Freiheit resigniert. Wo bleiben die Visionäre und Utopisten, die uns Geschichten von einer besseren Welt erzählen? Wo bleibt der lebendige Aktionismus der 80er Jahre, wo die revoltierende Kraft der Jugend? Wann kommt endlich der Aufschrei der betrogenen Generation, die mit einer unüberwindbaren Schuldenlast ihr Dasein fristen wird?

Zwar bleiben die Straßen heute leer, die Generation der Jungen hat aber neue Kanäle gefunden, um Widerstand zu organisieren. Das Internet ist das Werkzeug für all diejenigen, deren Daddy nicht im Vorstand einer Bank ist, die keine Beziehungen und keinen Zugang zum Zirkel der Kapitalisten besitzen. Es bietet einen Lebensraum und eine Chancen auf Entfaltung, für all die Benachteiligten, die vom Kreis der Führerschaft ausgegrenzt sind, und die in der Welt der Stadthalter unbeachtet bleiben. Die von Bildung, Karriere und gesellschaftlichem Aufstieg abgeschnitten sind, oder die sich aus ideologischer Überzeugung heraus, der unmoralischen Konkurrenzschlacht nach den Spielregeln des Materialismus, nicht beugen wollen.  

Hier formieren sich Teile der Randgesellschaft ebenso, wie die technische und naturwissenschaftliche Intelligenz, die von einer neuartigen Transparenzideologie des digitalen Zeitalters geleitet, gegen das totalitäres Prinzip revoltiert, gegen jene bedrohliche Kraft, die sich augenscheinlich in einer Unterdrückung der Demokratie niederschlägt. Das Internet kann ihnen eine Heimat geben und das Zugehörigkeitsgefühl zu einer offenen Community spenden, die gegen das opponiert, was sich ihr als geschlossene Gruppe der hierarchischen Herrschaft , der systemischen Unterdrückung, der Ausbeuterei, der Ungerechtigkeit und der Geheimniskrämerei darstellt.

Dieses Netzwerk hat das Potential die pathologische Entwicklung des Politsystems zu korrigieren und jenen korrumpierten Machtblock zu erodieren, der die selbstregulativen Mechanismen der Demokratie unterwandert hat. Ein erstes Aufkeimen, welches Verbreitungspotential die digitale Ideologie besitzt, wenn es sich in politische Kanäle formiert, zeigte die Wahl zum Abgeordnetenhaus von Berlin. Der Einzug der Piratenpartei in das erste deutsche Landesparlament gibt Politikwissenschaftlern Rätsel auf. Wie konnte eine, im Vergleich zur Konkurrenz, derartig schwach organisierte Jungpartei mit mangelnder Substanz, einen Wähleranteil von 8,9% einfahren?  Noch erstaunlicher ist: Die Piraten konnte überzeugte Nichtwähler mobilisieren.  

Es gibt auch andere Protestparteien, aber woran liegt es, dass gerade die Piraten einen solchen Rekordzuwachs verzeichnen konnten? Das Parteiprogramm schreibt wenig auffallende Themen wie den privaten Datenschutz des Bürgers, direkte Demokratie, freier Informationszugang und freie Bildung auf die Fahne. In ihrer tieferen Zusammensetzung zeigt sich die Partei als inhomogene Ansammlung  unterschiedlichster Bewegungen, die teilweise im Lager aufsstiegsorientierter Techniker und Wissenschaftler - teilweise im postmaterialistischen Spektrum angesiedelt sein dürften -   teilweise dem gemeinnützigen, humanitären und ökologischen Bewusstsein entspringen könnten. 

Unabhängig davon, in welche Schublade man die Anhänger zu stecken versucht, der gemeinsame Nenner dieser Strömungen ist das Internet als Ideologie des Open Source und einer neuartigen Form der Transparenz und direkten Demokratie, die durch die Digitalisierung ermöglicht wird. Mit der Piratenpartei wagt der (digitale) Geist der Transparenz seine ersten Formversuche zu einer politischen Kraft. Sie zieht jene zersplitterten Fraktionen der außerparlamentarischen Periphere an, die in der kulturellen Bewusstseinsmatrix der westlichen Gesellschaft, zumeist nur als aufflackernde Randerscheinungen ins Dasein treten, ehe sie vom Mainstream Gedankenapparat wieder plattgewalzt werden. Die Bündelung differenzierter Protestströmungen zum gemeinsamen „digitalen“ Gedankenkosmos verlängert die ansonsten stark begrenzte Lebensdauer der postmodernen Visionen und stabilisiert sie zu einer Stimme, um zuallererst gegen das zu opponieren, was sich als hierarchische Starre, Geheimhaltung, Verschlossenheit und Korruption darstellt - Eben all jene Feinde der Demokratie und der offenen Gesellschaft, mit denen sich Hintertür-Parlamentarismus in gegenwärtiger Form kennzeichnet.

Hier finden wir auch den Grund für die Mobilisierung der Nichtwähler, die im statischen System der etablierten Parteien, keine politische Heimat mehr gefunden haben. Mit ihnen entfesselt sich das unterdrückte Bedürfnis der selbstreflexiven Individuen zur Eigenverantwortung, das sich gegen Zensur, Fremdbestimmung, doktrinäre Bevormundung und aristokratischer Besserwisserei zur Wehr setzt. Diejenige Wählerschicht, die im abgeschotteten Staatsapparat kein Gehör mehr gefunden hat, schöpft plötzlich neue Hoffnung im Kampf gegen die Entmündigung des Bürgers, gegen Unterdrückung, Überwachung, Datenkontrolle und gegen jene restriktive Symbolpolitik,  die die Struktur des totalitären Prinzips verteidigt.

Damit trifft die Piratenpartei die großen Themen unserer digitalen Zukunft. Sie schlägt in ein Vakuum, das die etablierten Parteien nicht besetzt und dessen Potential sie noch nicht ansatzweise begriffen haben. – Ganz im Gegenteil, das sie noch mit Gewalt zu unterdrücken versuchen.

Erfolgsgeschichten wie Wikipeida und Schlagwörter wie Open Source, Crowd Sourcing, Community Sourcing, Open Innovation, Social Commerce, Social Banking und Liquid Feedback, spiegeln das wieder, was wir als einen Paradigmenwechsel über die heterarchische Selbstorganisation des Kollektivs wahrnehmen können.

 

Die hierarchische Ordnung der Gesellschaft

Bislang war die gängige Meinung, dass das Massenbewusstsein dumm, manipulierbar, ja sogar  unfähig zum überleben sei, und von einer befähigten Klasse beschützt und gelenkt werden müsse. Die Herrscherklasse war entweder von Gott auserwählten, durch das Alter bestimmt (Stammesälteste), oder durch einen anderen willkürlichen Titel dazu legitimiert. Das Bild zieht sich vom Beginn der ersten Gesellschaftssysteme bis hinauf zu unserer Zeit und hat zu strengen Hierarchien geführt. Sie hat zweifelsfrei zu Stabilisierungseffekten der Gesellschaften beigetragen,  und die soziale Evolution ermöglicht, gleichzeitig auch zu Unterdrückung und Ausbeutung der Masse geführt und zur grotesken Wohlstandsverteilung unserer Welt beigetragen. (10% der Menschen auf diesem Planeten besitzen, je nach Studie, zwischen 85% und 99% des weltweiten Vermögens.[28])

Brot und Spiele für den Pöbel, während sich die Intelligenzija in ihren Elfenbeintürmen abschottet und sich um die Geschicke des Staates kümmert. [29] Selbst unsere moderne Gesellschaft ist von dem Bewusstsein geprägt, dass das Proletariat und Prekariat vor den Schäden ihrer eigenen Unwissenheit beschützt werden müsse, durch Geheimdienste, durch Regierungen, Expertenkommissionen, oder andere Spezialisten, die wie einst die Kirche vorgeben, im Besitzt einer höheren Wahrheit zu sein. Sie verschleiern ihre Modelle mit eigenen Expertensprachen und dozieren ihre Weisheiten über die Köpfe der Unwissenden hinweg, wie einst die Predigt in lateinischer Sprache.

Sie berufen sich darauf, dass ihnen ein größerer Wissenspool zur Verfügung steht und sie diesen Informationsvorsprung durch Geheimhaltung und Überwachung nutzen und verteidigen müssten. Oft legitimiert ein Regelsatz, der vom jeweiligen Expertenkreis autonom festgesetzt wird, die Aufnahme des Aspiranten in die Klasse höherer Entscheidungsgewalt (z.B. das Durchlaufen eines Hochschulapparates), oft auch nur reine Sympathie oder Parteizugehörigkeit.   

Das Bildungssystem bevorzugt dabei das schnelle Einlernen und das blinde repetieren von Informationen und benachteiligt jene kreativ- reflexiven Individuen, die herrschende Strukturen hinterfragen, oder sich ihnen widersetzten. Was heute als Bildungssystem propagiert wird, entspricht mehr einem Spezialisierungsprogramm für die schöne Maschine, als der Schulung eines breiten kognitiven Spektrums[30] oder  der Schärfung des Geistes hin zu Selbstbestimmung, Selbsterkenntnis und Weisheit.

Ganz besonders der Kreis der Wissenschaft, der stolz seine Neutralität betont, vertritt mit Grundprinzipien wie Ockhams Rasiermesser einen fortschrittsfeindlichen Ansatz. Mit dem repressiven und hierarchiebetonten Publikationssystem der Fachzeitschriften sorgt er dafür, dass bedeutsame Durchbrüche in der Wissenschaft lange Zeit unentdeckt in der Peripherie verweilen. Wer sich gegen die Paradigmen des Mainstream stellt, wird als Persona non grata verstoßen. Einmal vom Inner Circle der Wissenschaft ausgestoßen, gibt es keine Chance mehr auf einen ordentlichen Beruf, oder auf Forschungsgelder. Wer würde die hohen Kosten eines Studiums so leichtfertig aus Spiel setzen? Querdenker sind verdammt unbeliebt, es heißt also Klappe halten und sich dem Mainstream beugen. 

 

Die begrenzte Informationskapazität von Hierarchien

Natürlich schützt dieses System vor pseudowissenschaftlichen Einflüssen und sorgt für eine  überlebensnotwendige Stabilisierung des vorhandenen Informationspools. Eine Gesellschaft, die    ständig ihre Weltbilder in Frage stellt und wissenschaftlichen Grundpfeiler verpflanzt, verliert rasch ihr Fundament und gerät in Entropie. Hierarchien sind für das Überleben von Gesellschaftssystemen notwendige Machtstrukturen und eignen sich in der Praxis hervorragend für Routineaufgaben. Doch eine globalisierte Welt, die sich mit Lichtgeschwindigkeit entlang dem digitalen Highway bewegt, scheint mit dieser trägen Organisationsstruktur des Kollektivs auf Probleme zu stoßen. Hierarchien stabilisieren ein System, wenn konstante Umweltbedingungen gegeben sind, zugleich laufen sie Gefahr, durch ihre mangelnde Anpassungsfähigkeit und begrenzte Selbstregulation, die Dynamiken einer rasch ändernden Umwelt nicht bewältigen zu können. Die Natur einer überbetonten Herrscherhierarchie birgt den Nachteil in sich, dass der Informationsfluss zwischen den Holons einer Ebene zum Stocken gerät (Heterarchieunterdrückung) , und  das Wachstum des übergeordneten Holons gehemmt wird. [31] Im Extremfall bringen sie es gänzlich zum Erstarren und zerstören dessen Stabilität.

Diesen Prozess können wir gegenwärtig in den unterschiedlichen Geschwindigkeiten der Informationsverarbeitung zwischen den nationalen, hierarchischen und intransparenten Wirtschaftsregierungen und der globalisierten, transparenten, digitalisierten Finanzwelt feststellen. Womöglich sind abgeschottete Hierarchien wie zentralisierte Nationalregierungen, gar nicht mit den notwendigen adaptiven Regulationsmechanismen ausgestattet, um die schnell ändernden Umweltbedingungen des Informationszeitalters zu bewältigen. [32] Auf diese Weise treffen sie Fehlentscheidungen, die sich in der langen Frist solange aufsummieren, bis das Gesamtsystem seine Stabilität verliert.

Vor allem Ökonomen beklagen, dass die ausufernde Spekulation am Finanzmarkt und die erhöhte Kursvolatilität die Realwirtschaft in Bedrängnis gebracht hätten, dass sie destabilisierend wirke und stärkere Regulationen von Nöten wären, um die Kasino Mentalität wieder zu bändigen. Erst seitdem das Transaktionsvolumen in den letzten Jahren förmlich explodiert ist, sei auch die Realwirtschaft ins Wanken geraten. Womöglich ist das nur eine stark reduzierte Sicht der Problematik, die zum Teil noch mit der Random Walk Hypothese der Mainstream Ökonomie auf einem eingeschränkten Verständnis der Finanzmärkte beruht. Sie verkennen, dass die Finanzmärkte durch ihre elektronische Beschleunigung zu einer schnelleren Informationsverarbeitung in der Lage sind, als die Politik und die Realwirtschaft. Die Finanzwelt wirkt destabilisierend, weil sie einen Stimulus auf die erstarrte Institutionenökonomik und träge Wirtschaftspolitik ausübt, um die Ökonomie in ihrer Gesamtheit auf ein höheres Effizienzlevel zu transformieren. [33] Die Politik muss sich der Herrschaft des globalen Kapitalstroms beugen, weil sie der rascheren Informationsverarbeitung der Finanzwelt ständig einen Schritt hinter hetzt. Die digitale Revolution, die den Finanzmarkt bereits vollständig erfasst hat, kann auch durch ein engeres Institutionengerüst nicht rückgängig gemacht werden. Neben erforderlichen Reformen des Finanzsystems[34],  gilt es auch die unterschiedlichen Geschwindigkeiten der Informationsverarbeitung einander anzupassen, durch einen effizienteren demokratischen Entscheidungsprozess und eine digital optimierte Institutionenökonomik. 

Das Peter –Prinzip   vertritt, dass Hierarchiesysteme in Politik und Wirtschaft zu Fehlentscheidungen neigen, indem sie Individuen mit Aufgaben betrauten, die ihre Kompetenzen überfordern. Hinzu kommt die Akzeleration unserer Welt, deren Komplexität für Einzelpersonen nicht mehr überschaubar ist. Politiker agieren in einem System, über das sie unvollständigen Informationen besitzen und treffen Entscheidungen, deren Folgen sie nicht prognostizieren können. Auch der fähigste politische Beraterkreis zusammengesetzt aus Philosophen, Mathematikern, Physikern, Biologen, Psychologen, Soziologen, Ökonomen und Informatikern kann keine Garantie für stabilisierende Problemlösungen bieten. Wenn die Zukunft ohnehin nicht prognostizierbar ist, wie sollen begrenzte Kontrollsysteme dazu in der Lage sein? Ein Blick auf die Tagespolitik zeigt, dass die Regierungen mit Informationen derartig überladen sind, und dass sie den Ereignissen der Welt auf solch unglücklich Weise hinterher stolpern, dass es den Anschein erweckt, sie selbst würden nur noch auf einen Zusammenbruch des Systems warten. Ihre begrenzte Kapazität der Informationsverarbeitung hält dem Tempo der elektronisch beschleunigten Finanzwelt einfach nicht mehr Stand, ein vollständiger Kontrollverlust scheint vom Gefühl her nur eine Frage der Zeit zu sein. Die Politik sieht sich in die Defensive gedrängt, und reagiert teilweise nur noch auf Tagesstimmungen, um sich vor dem Mediendruck rechtfertigen zu können. Währenddessen werden andere systemrelevante Kerne wie Bildung oder Gesundheitswesen vernachlässigt.

 

Die heterarchische Organisation des Kollektivs

Für gewöhnlich ziehen Gedanken, die auf Limitationen von Hierarchien hinweisen, schnell den Geruch des Anarchismus an sich und werden deshalb tabuisiert. Doch Krisenzeiten, die uns die Grenzen unserer Organisationsstrukturen und bisherigen Überlebensstrategien vor Augen führen, stellen den Planungsoptimismus der Moderne in Frage. Die kritische Auseinandersetzung mit den integralen Programmfehlern des Systems und mit notwendigen Korrekturen, erhält einen plötzlichen Schub, um den Zerfall der Gesellschaft abzuwenden.  [35]

Auf der Suche nach neuen Lösungsansätzen liegt große Hoffnung auf den selbstorganisatorischen Kräften von Schwarmintelligenzen und den Möglichkeiten, die uns die digitale Revolution beschert hat. Mit dem schrittweisen Aufbrechen der Informationsmonopole durch die elektronische Datenverarbeitung, erodieren Informationsvorsprünge hermetischer Hierarchiesysteme und damit ihre Legitimation zu höherer Entscheidungsgewalt. Die Bereicherung des demokratischen Prozesses um heterarchischen Organsiationsformen[36] kann dadurch eine Forcierung erfahren.

Der freie Informationszugang und der ungestörte Kommunikationsfluss zwischen den Individuen ist für das Funktionieren heterarchischer Organisationsstrukturen eine Grundvoraussetzung. Sie zeichnen sich durch ein polyzentrisches Organisationskonzept aus und sind zu einer hohen Verarbeitungskapazität von Informationen fähig. Durch netzwerkartige Kommunikation und wechselseitigen Diskurs entfalten unterschiedliche Blickwinkel und das dezentralisierte Wissen ihre kreative Vielfalt zu einer schöpferischen Kraft. Das Weisungsprinzip einer Hierarchie weicht dem Verhandlungs- und Kooperationsprinzip einer offenen Kommunikation und einer transparenten Entscheidungsfindung. Als partizipative Organisationen stehen sie in der Tradition ausgehandelter Ordnungen, die eine faire Konfliktlösung, Eigeninitiative, Eigenverantwortung und Flexibilität betonen. Spontane Selbstorganisation und problemorientierte Zuständigkeit führen  zu temporäreren Führungsstrukturen, die Kraft des Wissens aus der Organisation heraus bestimmt werden. Weder das Ergebnis, noch der Problemlösungsprozess sind zuvor prognostizierbar. Der nichtlineare Entscheidungsprozess ist von Engagement, Partizipation und einem explorativen Element gekennzeichnet. Seine integrative Kraft bezieht das Netzwerk aus einem gemeinsamen Ziel, Problem, Ideologie, oder einer vereinten Wertesphäre.  [37]

Damit heterarchische Organisationsformen funktionieren, benötigen sie spezielle Rahmenbedingungen. Während sie sich auf der mikroökonomischen Ebene bereits seit Jahren mit Erfolg verbreiten, dürfte sich ihre Modellierung und Implementierung in den demokratischen Organisationsprozess der Gesellschaft als schwierig erweisen. Es ist eine Thematik die Institutionenökonomie, Politikwissenschaft, Ökonomie und Soziologie übersteigt und tief in die Logikforschung, Philosophie, Biologie, Neurologie, künstlichen Intelligenz, Kybernetik, Chaostheorie und andere Forschungsgebiete reicht.

Trotz aller Schwierigkeiten und Risiken zeichnen sich unter Begriffen wie Schwarmintelligenz, Selbstorganisation und Heterarchie für die Zukunft vielversprechende Kandidaten ab, um das demokratische System zu erweitern und die Organisation des Kollektivs zu optimieren.[38] Sie treffen den neuen Bedürfnistrend  zu mehr politischer Transparenz, mehr direkter Demokratie und der Einbindung der digitalen Technologien (e-Democracy) . Konzepte wie E-Voting  und Liquid Democracy wagen bereits erste Gehversuche und das Modell  Crowd sourcing erfährt auf politischer Ebene seinen Feldversuch in der Verfassungskonzeption von Island. Die Entwicklung ist bereits im Gange. Vergessen wir nicht, der „digitalisierte“ Geist der Demokratie arbeitet mit enormer Geschwindigkeit, wie uns auch der arabische Frühling gezeigt hat.

 

Die Zukunft der westlichen Zivilisation

Transparenz statt Hermetik, Informationsfluss statt Kontrolle, Dialog statt Weisung, Selbstbestimmung statt Unterdrückung, Eigenverantwortung statt Entmündigung: Vielleicht ist das die Vision Europas, die in der intersubjektiven Wertespähre die notwendige integrative Kraft freisetzt, um die Staatengemeinschaft auf eine höhere Ebene zu transformieren. Vielleicht ist das der sozialer Leim eines gemeinsamen Interessens- und Wertekosmos, der das postmoderne Individuum in die Zukunft führt.[39]   

Einst war Griechenland der Geburtsort der Demokratie. Dort haben die großen Denker und Philosophen, von Demokrit, Platon bis Aristoteles, die Grundlagen von Logik, Atomismus, Staat und Ethik formuliert. Wenig ist vom Glanz geblieben. Millionen drohen in die Armut abzugleiten und zeichnen ein Bild Griechenlands von Ratlosigkeit, Verzweiflung, Zorn, und Chaos. Mit allem Recht auf Würde, Freiheit und Selbstbestimmung gehen die Bürger auf die Straße und kämpfen gegen Fremdherrschaft und Entmündigung. Vielleicht ist der Fall Griechenlands eine Metapher dafür, dass die Grenzen der aristotelischen Logik, des Atomismus und hierarchischen Ordnung erreicht sind und das Zeitalter der transklassischen Logik [40] und der kollektiven Intelligenz angebrochen ist. Vielleicht ist der Niedergang der Demokratie Griechenlands ein Zeichen für eine notwendige Transformation der Gesellschaftsordnung, ehe die gesamte westliche Zivilisation, das gleiche Schicksal ereignet. 

Welche Kontrollbemühungen man auch unternehmen wird:  Evolution kann nicht unterbunden und die menschliche Bewusstseinsentwicklung nicht aufgehalten werden. Am Ende dürfen wir mit Krishnamurti sagen: Der Geist weht wo er will.

 

 



[4]Wilber, K. (2006). Eros, Kosmos, Logos: Eine Jahrtausend-Vision. Frankfurt: Fischer.

Holontheorie und Vier-Quadranten-Modell

http://perfect-trader.com/index.php?option=com_content&view=article&id=4150:integrale-wirtschaftspolitik&catid=69:science&Itemid=275

Ken Wilber, Holontheorie, Vier-Quadranten-Modell

http://de.wikipedia.org/wiki/Ken_Wilber

 

[5](Auf der biologischen Ebene dauert die Feinjustierung durch die evolutionäre Auslese Jahrmillionen. Ökonomische Systeme müssen ihre Regelmechanismen in wenigen Jahren oder gar Monaten anpassen, um überlebensfähig zu sein)

 

[6]siehe Mundell-Fleming Modell  der Außenwirtschaftstheorie 

http://de.wikipedia.org/wiki/Mundell-Fleming-Modell

Mundell-Fleming Modell mit flexiblen und fixen Wechselkurs

http://www.eurmacro.unisg.ch/tutor/advanced-mundell-fleming-de.html

 

[7]Währungsunion im Mundell Flemming Modell

http://www.eurmacro.unisg.ch/tutor/2-country-mundell-fleming-de.html

 

[8]Auch in der Europäischen Währungsunion hat, die Verschuldung der Staaten stetig zugenommen, und durch die massive Neuverschuldung der Bankenrettung einen kritischen Punkt überschritten. Die EZB versucht durch den Aufkauf von Staatsanleihen der Pleitekandidaten Griechenland, Italien und Spanien die Insolvenz hinauszuzögern, eine Maßnahme die, im Falle neuer Geldschöpfung, unter anderem die Gefahr erhöhter Inflation in sich birgt. Die Haushaltsprobleme von Staaten wie Griechenland sind aufgrund der ökonomischen Strukturen aber so tiefgreifend, dass eine reine Symptomkorrektur nur zur Insovlenzverzögerung führt.

Staatsverschuldung

http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Staatsverschuldung_in_Europa.png&filetimestamp=20110724182051

Auslandsverschuldung absolut

http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_L%C3%A4nder_nach_Auslandsverschuldung

http://www.welt-auf-einen-blick.de/wirtschaft/leistungsbilanz.php

 

[9]Es gibt natürlich eine Vielzahl von Lösungsvorschlägen, wie  Kredit Emissionshandel, Brady Bonds, Euro Bonds usw.

 

[10]Um in der Sprache von Wilber zu bleiben, das Autonomieverlangen der Staaten überwiegt das Kommunionverlagen.

 

[11]Trotzdem wird die Integration quasi durch die Hintertür weiter vorangetrieben, mit  fortschreitender Institutionalisierung im rechten Quadranten(z.B. Lissabonvertag). Aus Panikverbreitung vor der griechischen Pleite wurden über Nacht fragwürdige Institutionen durchgeboxt und mit umfassenden Mächten ausgestattet(EFSF, ESM). Diese Entwicklungen tragen zur einer Verstärkung der Hierarchiepathologie im System bei.

 

[13]Im Zuge des evolutionären Prozesses kann es bei der Bildung einer Holarchie zu Pathologien kommen, nämlich dann, wenn Holons höheren Ranges mit den Subholons in disharmonischer Beziehung stehen. Eine solche pathologische Situation gefährdet die Stabilität des Holons des höheren Ranges. In diesem Fall kann das pathologische Holon entweder korrigiert werden, oder die Holarchie verliert die integrative Kraft und zerbricht. Das System verliert Ordnung, zerfällt wieder in seine Subholons  und wird auf die niedrigere Organisationsebene zurückgeführt. Dabei gehen auch die Eigenschaften des Holons wieder verloren. Eine pathologische Hierachie wie beispielsweise eine Herrschafts- Hierarchie ergibt sich, wenn Holons höherer Ordnung Holons niedrigerer Ordnung unterdrücken und ihnen übermäßig Freiheitsgrade entziehen. Pathologische Heterachien (Herrschafts– Heterachien) sind gegeben, wenn sich Holons vertikal in den Einflussbereich benachbarter Holons auf einer Ebene ausbreiten und die Identität des benachbarten Holons gefährden. Zu einer möglichen, pathologischen Situation innerhalb der vertikalen Heterachie kommt es, wenn  ein Holon seine Identität durch die übermäßige Verschmelzungstendenz riskiert.

[15]  Kritiker wie Heiner Flassbeck, oder Gustav Horn verweisen darauf, dass die hohen deutschen Exporte durch eine Niedriglohnstrategie (Lohndumping) am Leistungsbilanzdefizit der europäischen Periphere eine Mitschuld tragen. 

http://www.taz.de/!46529/  http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0,2828,678880,00.html  http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/lohn-dumping-in-deutschland-so-viel-billigarbeit-war-nie-1.193094)

http://www.bundesbank.de/statistik/statistik_konjunktur.php

 

 

[17]Wie verzweifelt die Bemühungen sind, dem Parlamentarismus doch noch eine Moral anzuschmücken, zeigt die Papsteinladung ins deutsche Abgeordnetenhaus. Wenn eine Institution, die Millionen getötet hat, über Moral doziert, stellt sich die Frage nach der Glaubhaftigkeit ihrer Lehre und dem Vorbildcharakter für zeitgemäßen Parlamentarismus.

 

[19]  Die Tendenz zur Machtbildung interner Kreise im demokratischen System finden wir beispielsweise in Ehernes Gesetz der Oligarchieformuliert.

http://de.wikipedia.org/wiki/Ehernes_Gesetz_der_Oligarchie

 

[20]Die Eurokrise wird von einer Reihe rechtlich fragwürdiger Entwicklungen begleitet. Die Grundlagen der Krise wurden mit dem Verstoß gegen die Maastricht Stabilitätskriterien gelegt. Die Rettung der Banken in der Finanzkrise durch den Transfer der Bankrisiken in öffentliche Hand stellt eine weitere rechtlich fragwürdige Entscheidung dar. Der nächste Tabubruch fand mit dem Anleihenkauf der EZB statt. Bei der Installation des ESM bleibt zu klären, inwieweit hier die Autonomie der einzelnen Staaten (und Bürgerrechte) in Zukunft verletzt wird.

 

[21]Integrale Theoretiker sind größtenteils der Ansicht, dass sich hinter den mystischen Lehren eine universelle Wahrheit verbirgt, die oft als Philosophia Perennis bezeichnet wird

http://perfect-trader.com/index.php?option=com_content&view=article&id=4164:philosophia-perennis&catid=69:science&Itemid=275

 

[22]  Erst langsam erkennt die westliche Wissenschaft mit Strömungen wie der Transpersonalen Psychologie den Wert dieser Lehren wieder.

http://perfect-trader.com/index.php?option=com_content&view=article&id=4166:transpersonale-psychologie&catid=69:science&Itemid=275

 

[26]Kuhn Thomas S.- Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen 

[28]Der Trend bewegt sich weiter in Richtung ungleicher Wohlstandsverteilung. Die Kluft zwischen Arm und Reich wächst weiter an. Auch in Deutschland findet der Trend zur Vermögenskonzentration statt, der sich seit 1990 verstärkt hat. Wird dieser Entwicklung nicht umgekehrt, ist die Zunahme sozialer Unruhen unausweichlich. Die Brandanschläge in Berlin sind ein Alarmzeichen, wohin die Reise geht, zeigen die Jugendaufstände in Frankreich und England.

http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_L%C3%A4nder_nach_Verm%C3%B6gensverteilung

http://de.wikipedia.org/wiki/Verm%C3%B6gensverteilung

http://www.bpb.de/wissen/U4CJQA,0,0,Verm%F6gensverteilung.html

http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_L%C3%A4nder_nach_Einkommensverteilung

http://www.stern.de/panorama/anschlagsserie-in-berlin-autos-brennen-auch-in-der-vierten-nacht-1718286-infographic.html

 

[29]Da der Mensch von Natur aus egoistisch sei und „sich natürlicherweise in einem Krieg aller gegen alle befinde, bedürfe es laut Hobbes einer übergeordneten Macht, des Staates, der den „menschlichen Raubaffen zur negativen Gesellschaftlichkeit zähmen sollte“ … Freiheit bestehe für Hobbes vor allem darin, „zu kaufen und zu verkaufen und miteinander Handel zu treiben“, nicht etwa in der Möglichkeit, „sich nach eigenen Bedürfnissen und Vereinbarungen kooperativ zu verhalten“

Quelle http://de.wikipedia.org/wiki/Schwarzbuch_Kapitalismus

 

[30](Bildung von althochdeutsch bildunga, ‚Schöpfung, Bildnis, Gestalt‘) bezeichnet die Formung des Menschen im Hinblick auf sein „Menschsein“, seine geistigen Fähigkeiten http://de.wikipedia.org/wiki/Bildung

 

[31]In den alten mystischen Systemen (z.B. diverse astrologische Systeme) steht das männliche Prinzip oft für Differenzierung, Autonomie, Herrschaft und Unterdrückung während das weibliche Prinzip oft Integration, Bindung, oder soziale Intelligenz verkörpert. Aus dieser Sicht mangelt es unserem Testosteron dominierten Herrschersystem deutlich am Einfluss des weiblichen Prinzips.

 

[32]Die Finanz- und Wirtschaftskrise zeigt, dass die Regierungen mit ihrem begrenzten Informationspool kaum in der Lage sind, eine für das Allgemeinwohl optimale Lösung der Probleme herbeizuführen. Im Gegenteil, die Interessenswahrung kleiner Gruppierungen an der Spitze der Hierarchie hemmt die Anpassungsfähigkeit des ökonomischen Systems an die veränderten Umweltbedingungen des digitalen Zeitalters zusätzlich. Der auf kurzfristigen Profit ausgerichtete Interessenskreis aus Industrie, Hochfinanz und Politik tendiert durch ihre Notmaßnahmen die Schuldenkrise weiterhin zu  verschärfen. Sie wirken der langfristigen Maximierung einer Samuelson Bergson Wohlfahrtsfunktion entgegen.

 

[33]Man bedenke: Ohne die Warnsignale der Finanzmärke hätte sich die Überschuldung der Staaten wohl ins endlose ausgeweitet, ehe die Politik reagiert hätte.

 

[34]Die Finanzmärkte sind die bedeutsamsten Systeme der intertemporalen Ressourcenverteilung weshalb ihre effiziente Funktionsweise für die kapitalistische Welt von entscheidender Rolle ist. Auch sie sind in ihrer gegenwärtigen Form nicht frei von Ineffizienzen, weshalb punktgenaue Reformmaßnahmen notwendig sind. Ebenso wichtig, wie die Anpassung der unterschiedlichen Informationsverarbeitungsgeschwindigkeiten, ist die Anpassung des institutionellen Frameworks , um den Finanzmarkt von strukturellen Formen des Marktversagens zu befreien. Finanzmärkte können nur effizienz funktionieren, wenn die Individuen für ihre Spekulationsrisiken selbst haften. Das Großbankenwesen sieht sich dieser Beschränkung enthoben, weshalb es enorme Spekulationsblasen, über deren natürliche Lebensdauer hinaus, erschaffen kann. Auch Maßnahmen, wie eine höhere Eigenkapitalquote schützen das Wirtschaftssystem nicht, solange die Banken im Notfall ihre Spekulationsrisiken in die öffentliche Hand transferieren können. Womöglich wird nur eine Dezentralisierung des  Bankenwesens dem entgegenwirken können (z.B. social banking). Keine Bank darf eine solche „Monopolstellung“ erlangen, dass ihr Konkurs das gesamte Bankensystem und damit die Wirtschaft kollabieren lässt. Solange die Banken sicher sein können, dass sie bei Fehlspekulationen im Notfall vom Staat gerettet werden, kann es keinen effizienten Finanzmarkt geben. Auch die von Lobbyarbeit abgeschwächten Reformen des Bankwesens  (Basel I und Basel II) haben diesen Missstand nicht behoben. Der zweite Reformpunkt ist die Beseitigung des Insiderhandels, der teilweise durch mangelnde Kontrollmechanismen, teilweise durch korrumpierte Finanzmarktaufsichtsorgane offensichtlich noch immer große Effizienzverluste für das Gesamtsystem mit sich bringt. Hier gilt es höhere Transparenz zu schaffen, die abgesprochene Kursmanipulationen durch Machtblöcke des Kapitals verunmöglichen. Eine weitere Ineffizienzursache stellt der konzentrierte Einfluss der drei Ratingagenturen dar, was Kritiker gerne das angelsächsische Kartell nennen. Hier hat die Politik verabsäumt eine dezentralisierte Meinungsbildung zu schaffen.

 

[35]In diesem Kontext liegt das Problem unserer Zeit nicht punktuell im materialistischen Moralsystem oder im Schuldenproblem verankert, sondern in den Steuerungsmechanismen des Gesellschaftssystems : In einer Überbetonung von Hierarchie (Herrschaftsdenken) und einer Unterbetonung von Heterarchie (Netzwerkdenken) und die damit verbundenen  unterschiedlichen Entwicklungsgeschwindigkeiten einzelner Holons (Die kognitive Entwicklungslinie ist der moralischen voraus geschritten und destabilisiert das soziale Holon, die digitale Revolution und Liberalisierung  der Finanzmärkte ist der analogen Demokratie und Institutionenökonomie vorausgeschritten und destabilisiert die Ökonomie). 

Die Evolution kann diese hierarchische Überbetonung  im System ausgleichen, indem sie durch neue Technologien den heterarchischen Informationsfluss stärkt. Ins Stocken geratene horizontale Kontrollsysteme werden durch die Implementierung von vertikalen Netzwerksystemen wieder für einen höheren Datenfluss geöffnet und für größere Anpassungsfähigkeit nachjustiert. Dadurch können die Ungleichgewichte in den Entwicklungsstadien einzelner Holons ausgeglichen und die notwendige integrative Kraft zur Transformation auf eine höhere Entwicklungsstufe freigesetzt werden.

Wenn dies tatsächlich der Korrekturweg ist, den die Evolution einschlägt, wird das kommende Jahrzehnt vom Kampf zwischen den beiden Regelsystemen geprägt sein, der verschiedene Bereiche unseres Lebens (Wissenschaft, Politik, Wirtschaft, Kunst) erfassen wird. Die digitale Revolution hat bereits damit begonnen, Hierarchien in unterschiedlichste Bereiche der Ökonomie zu demontieren (vor allem auf der mikroökonomischen Ebene der Unternehmen) und startet nun den Angriff auf staatliche Regierungshierarchien (z.B. mit Wikileaks, Piratenpartei). Sie führt damit konsequent in der Praxis fort, was die Wissenschaft theoretisch mit dem Zerlegen der konzeptionellen Grundlagen der Moderne begonnen hat, um die stabile Organisationsbasis einer integral-aperspektiven Informations- und Kommunikationsgesellschaft zu schaffen.

Jean Gebser : Integral Aperspektivische Bewusstseinsstufe

http://de.wikipedia.org/wiki/Jean_Gebser

 

[36]http://de.wikipedia.org/wiki/Heterarchie

[37]Während Hierarchien an lineare, stabile, prognostizierbare, newtonsche Prozesse des mechanischen Weltbildes der Moderne angelegt sind , entsprechen Heterachien eher den nichtlinearen,  netzwerkartigen Prozessen des kontextbezogen postmodernen Weltbildes und sind damit eher an chaostheoretische und quantentheoretischen Entdeckung, an dissipative Strukturen und neuronalen Netzwerke angelegt. Während Hierarchien die konzeptionelle Grundlage für die Mechanisierung und die industrielle Revolution lieferten, stellen Heterachien womöglich die stabilere Organisationsbasis für die Kommunikations- und Informationsgesellschaften dar.

 

[38]  Reformvorschläge für das demokratische System

http://www.heise.de/tp/artikel/24/24455/1.html

Deliberative Demokratie

http://de.wikipedia.org/wiki/Deliberative_Demokratie

 

[39] Das Vorhaben eine Gesellschaft hierarisch um eine atomistisch-materialistische Ideologie zu organisieren, deren Individuen sich jedoch schwerpunktmäßig um eine postmoderne Weltsicht versammeln, stößt aufgrund ihrer polykontextualen Wahrnehmung der Realität auf integrative Probleme:

„Heterachie bedeutet, dass es in der modernen Gesellschaft keine Möglichkeit (mehr) gibt, die vielfältigen psychischen und sozialen Realitäten, die sich polykontextural ausdifferenzieren, unter den Hut einer einheitlichen Realitätsbeschreibung zu bringen. In diesem Sinne lässt sich in der modernen Gesellschaft keine Spitze und kein Zentrum mehr finden, von denen aus zentralperspektivische, die vielen Realitätsbeschreibungen transzendierende Beschreibungen konstruierbar wären; sie erscheint vielmehr als polyzentrisch. „Aus postmoderner Sicht verliert die Gesellschaft ihr Gesicht“, wie Bernhard Giesen formuliert; sie hat demnach „nichts Unverrückbares und Unbestreitbares mehr“ und kann „in dem spannungsreichen Nebeneinander von Staat,Wirtschaft, Kultur und Öffentlichkeit kein eindeutiges und übergreifendes Zentrum mehr ausmachen“. Jedes Funktionssystem etwa, ob Wirtschaft oder Politik, ob Religion oder Pädagogik, ob Wissenschaft oder Kunst, ob Familie oder Soziale Arbeit etc., zentrieren sich um seine eigene soziale Realität, in der gesellschaftliche Ereignisse jeweils in der eigenen (wirtschaftlichen, politischen, religiösen, pädagogischen, wissenschaftlichen, künstlerischen oder sozialarbeiterischen) Logik erscheinen und in der sich weitere verschiedene Realitätsebenen (Organisationen und Interaktionen) differenzieren.“    

Zitat aus: Systemtheorien im Vergleich: was leisten Systemtheorien für die soziale Arbeit?  von Heino Hollstein-Brinkman

http://books.google.at/books?id=Ry7p8wWIek8C&pg=PA77&lpg=PA77&dq=polykontexturalit%C3%A4t&source=bl&ots=o9bsEJXAp3&sig=JWw_4i_JIg2C9W9QzzpoNmm4CXI&hl=de&ei=fh6KTrmLDcOg0QX4gMnZDw&sa=X&oi=book_result&ct=result&resnum=5&ved=0CDMQ6AEwBDgK#v=onepage&q=polykontexturalit%C3%A4t&f=false

 

[40]Polykontexturale Logik (PKL)

Neuronale Netzwerkforschung und Kybernetik stoßen mit den Grenzen der klassischen Logik auf das Problem der Selbstreflexion und Subjekt-Objekt Beziehung.  Gotthard Günther versuchte diese Limitationen mit einer transklassischen Rationalität als formalen Kalkül zu überwinden.  Die Polykontexturale Logik (PKL) von Günther ist eine heterarchische Mehrwertlogik (parallelvernetzt-pluralistisch), die die widerspruchsfreie und nichtreduktionistische Modellierung selbstreferentieller Systeme ermöglichen soll. Interessant ist, dass wir wieder auf alte philosophische Frage der Beziehung von Subjekt und Objekt treffen, deren strenge Teilung durch die Quantentheorie zerstört wurde. Auf der Suche nach einer heterarchisch optimierten Gesellschaftsordnung des Informationszeitalters stoßen wir wieder auf grundlegende Fragen der menschlichen Selbsterkenntnis.

Vor 1800 Jahren gelang ein Philosoph mit der Technik des Urteilsvierkant an eine ähnliche Grenze der klassischen Rationalität heran. Nagarjunas Philosophie der Leere führt den Geist an die Grenzen der Kausallogik, um am Ende der klassischen Sprache, die Wahrheitssuche durch Mediation und holotrope Bewusstseinszustände im Transrationalen fortzusetzen. Heute ladet das postmoderne Weltbild auch den westlichen Menschen wieder dazu ein, durch die Meditation in die Erlebniswelt jenseits des Rationalen einzutreten.

http://de.wikipedia.org/wiki/Mehrwertige_Logik

http://www.paul-natterer.de/media/58f41a63eeb4cae8ffff8067fffffff1.pdf

http://userpage.fu-berlin.de/~vogd/Kontexturen.pdf

Bücher:

http://www.amazon.de/Dimensionen-Denkens-Dreiwertige-erkl%C3%A4rt-Gotthard/dp/3837099296/ref=pd_cp_b_0

http://www.amazon.de/Bewusstsein-Maschinen-Eine-Metaphysik-Kybernetik/dp/3870070099/ref=pd_cp_b_1

PKL und Buddhismus

http://www.rudolf-matzka.de/dharma/weltgeist.pdf

 

 

 
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Research - Science

Syrien: Zwischen Propaganda, Imperialismus und Systemverfall

Bereits in den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts hat der einflussreiche Globalstratege Zbigniew Brzezinski die Bedingungen für die amerikanische Weltherrschaft skizziert.  In "The Grand Chessboard" beschreibt er die Zukunft des amerikanischen Imperialsmus auf Basis militärischer Übermacht und kultureller Assimilation. Wirtschaftliche Überlegenheit wird durch global agierende Megakonzerne gesichert. In Anbetracht des Ölfördermaximus muss sich der geostrategische Imperialmsus auf Eurasien konzentrieren.  Nur wer die Kontrolle über Eurasien erlangt, kann die Entwicklung anderer Länder  behindern, und die Vormachtstellung zementieren. Brzezinski machte in der Vergangenheit an zahlreichen Stellen deutlich, dass bei der Umsetzung der Pläne Menschenleben keine Rolle spielen. Auch wenn die Zahl der Kriegstoten in die Millionen geht, auf dem Schachbrett des globalen Machtkampfes zählen sie nur als Bauernopfer.  
 
Das Project for New American Century (PNAC), mit Politgrößen wie Rumsfeld, Cheney und Wolfowitz,  formulierte zur Jahrtausendwende ähnlichen Ziele: Die totale Überlegenheit Amerikas, die Bekämpfung der Konkurrenten wie Russland und China und ökonomische sowie kulturelle Hegemonie. Wichtige Länder auf dem Speißeplan wurden festgelegt: Afghanistan, Irak, Syrien und Iran.  Für die amerikanischen Vorherrschaft sei es notwendigdas Militär enorm aufzurüsten und zu modernisieren.  Der Plan bekam den Namen Rebuilding Americas Defense. Und wie Brzezinski, kam auch das PNAC bereits vor dem 11. September 2001 zum Schluss, dass, um erfolgreich zu seinder amerikanische Imperialismus ein gewaltiges Trauma, wie ein neues Pearl Harbor, benötigen werde.  Nach dem Kalten Krieg bräuchte man einen neuen Feind. Ohne ihn würde die Transformation des Militärs ein sehr langwieriger Prozess werden, so der damalige Konsens
 
Wer  Papiere von Kissinger, Brzezinski und PNAC Mitgliedern wie  Kagan studiert, wird auf die weltpolitischen Ereignisse der letzten 12 Jahre und auch auf die Syrienkrise, vielleicht eine andere Sichtweise erhalten. Zu Beginn mag Wes Clark weiterhelfen: "Wir zerstören 7 Länder in 5 Jahren:  Irak, LybienLibanon, Somalia, Sudan, Syrien und Iran."
 
 
    
 
Syrien: Zwischen Propaganda, Imperialismus und Systemverfall
 

Cote d' Azur Lifestyle, stabile Ungleichgewichte und transpersonale Hoffnungen


Mein letzter Aufenthalt an der Cote d' Azur hat mich mehr denn je zum Grübeln gebracht, wie sich die Zukunft der Lifestyle Monokultur in den nächsten Jahren gestalten wird. Vor allem in Anbetracht der ökonomischen Entwicklungen der Eurozone, mit Rezession/Depression, Massenarbeitslosigkeit, dem strukturell ungelösten Währungsproblem, den wachsenden Staatsverschuldungen, der wachsenden EZB-Bilanz und dem Crash gefährdeten Finanzsystem, stellt man sich die Frage, was für ein grausames Spiel hier eigentlich abläuft.

-> zum Artikel 

Habsucht und Kapitalismus

Gier ist geil heißt es in einem Artikel auf Welt.de, den Gier habe uns den Wohlstand gebracht. (link) Trotz aller Krisen, am Ende werde der Kapitalismus siegen und die Kritiker im Orkus der Geschichte verschwinden, so die Meinung des Autors.

Ist es wirklich so einfach? Ist unsere Welt derartig simpel gestrickt, dass wir uns auf die Gier verlassen dürfen und am Ende wird sich alles zum Guten wenden? Leitet uns die Habsucht als unsichtbare Hand in die bestmögliche Welt und in das Nutzenmaximum aller Individuen? Oder haben wir den Bezug zur Realität bereits vollkommen verloren, uns in eine Krankheit verirrt, und steuern blind auf unser  Verderben zu? Die Schuldenkrise ist ein ausgezeichnete Gelegenheit, um über diese Fragen zu reflektieren.

 

Gedanken zur „Eurokrise“

Fiatsystem, Hierarchiepathologien und Instabilität


Historisch betrachtethaben ungedeckte (Papier)Geldsyteme einen kurzen Lebenszyklus. Minsky hat erkannt, dass im Fiat-System die Schwingungsamplituden der Boom- Burst-Sequenzen zunehmen und Krisen immer größere Instabilität verursachen, solange, bis ein kritischer Wert überschritten wird und das Ponzi Scheme kollabiert. Wenn der finale Minsky Moment eintritt, favorisieren die Systemadministratoren, wie die Geschichte zeigt, zwei Wahlmöglichkeiten: Entweder sie rotten die Menschen mit Krieg millionenfach aus oder sie streichen Verbindlichkeiten, verkürzen die Soll-Haben Bilanz und booten das System neu.
 

 

SCIENCE

Economics

Tax Theory

Economic Policy

Transpersonal Psychology

New Physics

Integral Theory

Verschwörungstheorien, Neue Weltordnung und transpersonale Evolution

 

In den letzten 10 Jahren haben sich im Internet Verschwörungstheorien explosionsartig verbreitet. In diesem Artikel werden einige der bekanntesten Theorien  vorgestellt, die einen Bezug zur ökonomischen und psychosozialen Entwicklung habenIm Anschluss werden einige Gedanken angestellt, welche Verbindungen zur  westlichen Systemkrise und zur transpersonalen Bewusstseinsentwicklung bestehen.

1.  Verschwörungstheorien

2. Die Suche nach Hintergründen

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