Marktbericht

 

Schwellenländer unter Druck

" Vor allem die Eurozone, aber auch die Schwellenländer würden unter einem marginalen Fed Tapering bereits deutlichen Stress zeigen." [i]

Wie in früheren Beiträgen prognostiziert, hat  QE Tapering für  Volatilität in den Schwellenländern gesorgt.  Die Währungen in Russland, Argentinien  und in der Türkei haben deutlich nachgegeben.  Um die Kapitalflucht zu unterbinden, hat die türkische Zentralbank den Leitzins von 4,5% auf 10% erhöht, was sich spürbar auf die Konjunktur auswirken sollte. In Argentinien scheint ein weiterer Staatsbankrott unabwendbar zu sein. Die negativen Folgen eines argentinischen Default für das globale Finanzsystem dürften sich zwar in Grenzen halten, bei der angespannten Lage könnte aber selbst ein geringfügiger "externer Schockfür  große Verunsicherung sorgen.

Das chinesische Finanzsystem zeigt deutlichen Stress. Die Reposätze sind weiterhin volatil und Gerüchte um erste Finanzpleiten machen die Runde [ii].  Es zeigt sich immer deutlicher, dass das hochgehebelte chinesische Finanzsystem aufgrund der enormen Kreditausweitung in einen Zustand der Fragilität übergegangen ist und auf Liquiditätsdrosselungen empfindlich reagiert.

Auch die Aktienbörsen in Europa und Amerika reagieren mit erhöhter Volatilität. Die asiatischen Aktien testen bereits den Freefall Modus.  Der Nikkei hat im bisherigen Jahr 2014 bereits 15% verloren.

Das ist erst der Anfang, denn die Kapitalflucht  wird mit zeitlicher Verzögerung die Konjunktur der Schwellenländer lähmen. Noch länger braucht es, bis die negativen realwirtschaftlichen Rückkoppelungseffekte in Amerika und Europa spürbar werden. Bislang übt sich die Fed demonstrativ darin, die  aufziehende Krise der Schwellenländer zu ignorieren, die durch die QE Drosselung ausgelöst wurde. Wenn die Fed  die Kapitalflucht aus den Schwellenländern nicht unterbindet, werden die  verblendeten "U.S. Recovery"  Bullen in der  zweiten Jahreshälfte 2014 eine Überraschung erleben. Es bleibt ein wahrscheinliches Szenario, dass die Fed spätestens im Sommer  2014 dem Druck der Finanzmärkte nachgibt und das QE Volumen wieder erhöhen wird.

 

Eurozone: Dead Man Walking

"Mit oder ohne  Tapering sorgen die positiven  EU Wirtschaftsprognosen 2014  der politisch kontrollierten Wirtschaftsinstitute für Zwerchfellähmungen unter den MarktbeobachternAngesichts der Verarmung einiger Länder durch Austeritätsprogramme (Irland, Spanien, Griechenland),  der ausufernden öffentlichen und privaten Verschuldung, und dem dysfunktionalen Finanz-,  und Politsystem bleibt ein gesundes Wirtschaftswachstum ausgeschlossenBei dem herrschenden Grad  wirtschaftspolitischer Lähmung und hierarchiepathologischer Starrheit, was bleibt da anderes, als expansive Geldpolitik, um den deflationären Kollaps zu verzögern?"[iii]

"Inflationiere oder stirb" war der Titel des letzten Beitrages. Das gilt  beim derzeitigen Schuldenstand  des öffentlichen Sektors zwar auch für Amerika, aber aufgrund des dysfunktionalen Euro-Währungssystems mit asymmetrischer Fiskalpolitik vor allem für die Eurozone, weshalb die EZB mit expansiver Geldpolitik aggressiv gegen  Deflationstendenzen vorgehen wird. Der IWF und die Medien verbreiten bereits Angst und Schrecken vor dem Deflationsmonster und bereiten der EZB den Weg für Extremmaßnahmen [iv]. Viele Marktbeobachter erwarten den Beginn von Quantitative Easing. Wir erachten diese Variante weiterhin als unwahrscheinlich. Da ein EZB -QE mit rechtlichen Schwierigkeiten einhergeht, wird man zuerst  zum negativen Einlagezins greifen. Erst im absoluten Notfall  wird QE zur Option, um den deflationären Systemkollaps abzuwenden. Fundamental betrachtet, sollte das den Euro schwächen und die Aktien stützen.

"Gute" Lösungen gibt es schon lange nicht mehr. Seit dem Ausbruch der Eurokrise haben wir dafür plädiert, dass die Einführung von Eurobonds und einer koordinierte Fiskalpolitik die Variante mit dem günstigsten Kosten/Nutzen Verhältnis darstellt. (Zweite Option: Auflösung bzw. Restrukturierung des Euro Währungssystems) Deutschland hat das verhindert, um die eigene Machtstellung innerhalb der EU zu verteidigen. Die Rechnung wird nun präsentiert. Wenngleich der ominöse U.S. Aufschwung zu großen Teilen auf Propaganda beruht, ist relativ zu Europa betrachtet,  Amerika konjunkturell davon gezogenEuropa wird währenddessen ökonomisch völlig demontiert. Die Austeritätsprogramme haben weite Gebiete in Dritte Welt Länder verwandelt. In der EU herrscht Massenarbeitslosigkeit, die Vermögensungleichheit wächst, die Kreditvergabe bricht vollkommen ein und die Nachfrage lahmt. Die Sozialsysteme wurden größtenteils vernichtet und Teile der Bevölkerung in die Armut getrieben. Irland hat zwar  die finanziellen Hilfsprogramme verlassen können, das Land liegt wirtschaftlich jedoch am Boden. In Italien gibt es wieder Anzeichen für Probleme im Bankensektor. In Griechenland bahnt sich das nächste Hilfsprogramm an. Portugal und Spanien sind Schachmatt und Frankreich wartet auf den "Hollandschen" Todesstoß.  Eine Trendwende ist nicht in Sicht.  Die Eurozone verfügt weder über die wirtschaftspolitischen Instrumente, noch über die politischen Strukturen, um den Karren aus eigener Kraft herumzureißen.

Wie erwartet, haben die Maßnahmen der Eurokraten den Aufstieg rechter und linker Flügel bestärkt. Nationalistische und antieuropäische Tendenzen machen sich breit, die nun den politischen Selbstfindungsprozess der Eurozone blockieren. Der Economist titelte neulich mit "Europe's New Tea Parties" [v] , ein Ausdruck dafür, dass die Angst des Establishment  vor  Farage, Le Pen und  Wilders  größer wird. Zunehmend bedroht die  Anti-EU-Allianz das Machtgefüge des  Big- Polit-Business-Programm aus Lobbygruppen, Finanzmafia, Großkonzernen und korrumpierten Politmarionetten.

 Hass, Zorn und Wut über die politische Klasse und das parasitäre Finanzsystem  verdichten sich zu antidemokratischen Strömungen und versorgen auch die  linken und rechten Bauernfängern mit leichter Beute. In den verarmten Gebieten wie Griechenland wird der rasche Aufstieg radikaler Gruppierungen ermöglicht. Kein Wunder. Denn die EU-Euphoriker, Brüssel Bürokraten und machtbesessenen Zentralplaner haben Europa an den Rand des Kollaps getrieben. Um die drohenden Aufstände in den Griff zu bekommen, werden sie antidemokratisch antworten und weitere, zentralistische Machtansprüche geltend machen. Sie werden die Einschränkung der Bürgerrechte vorantreiben und die totale Überwachung nach amerikanischen Vorbild probieren. Und sie werden die  "Corporate Fasciscm"  Tendenzen  weiter stärken.

Trotz aller Versuche des Schönredens seitens der Politik und der Massenmedien  wird es immer deutlicher, dass  2008 nicht nur eine gewöhnliche Delle im Konjunkturzyklus gestartet wurde. Diese Krise besitzt eine andere Dimension, die Qualitäten einer globalen Systemkrise aufweist. Der Börsenboom vermittelt eine trügerische Scheinstabilität. Durch geldpolitische Kosmektikeingriffe  und zentralistisch-manipulative Extremmaßnahmen wurden die Märkte ihrer natürlichen Preisfindungsmechanismen enthoben und in einen künstlich-stabilen Ungleichgewichtzustand überführt. Risiken wurden lediglich in die Zukunft transferiert, aber die zugrundeliegenden Systempathologien nicht gelöst. Hinter der Scheinfassade der Stabilität haben sich gewaltige, tektonische Spannungen aufgebaut, die auf ihre Entladung warten.



 

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Dax  20.01.2013 

  Die Bullen bleiben in Hochform, solange  9584 nicht unterschritten wird.

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Cote d' Azur Lifestyle, stabile Ungleichgewichte und transpersonale Hoffnungen


Mein letzter Aufenthalt an der Cote d' Azur hat mich mehr denn je zum Grübeln gebracht, wie sich die Zukunft der Lifestyle Monokultur in den nächsten Jahren gestalten wird. Vor allem in Anbetracht der ökonomischen Entwicklungen der Eurozone, mit Rezession/Depression, Massenarbeitslosigkeit, dem strukturell ungelösten Währungsproblem, den wachsenden Staatsverschuldungen, der wachsenden EZB-Bilanz und dem Crash gefährdeten Finanzsystem, stellt man sich die Frage, was für ein grausames Spiel hier eigentlich abläuft.

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