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Video Music Award  2010

 

Lady GaGa war die große Abräumern der MTV VMA 2010 in Los Angeles. Gleich 13-mal war die Musterschülerin  unserer globalisierten Lifestylekultur nominiert,  8-mal wurde sie  ausgezeichnet, darunter auch für das Video des Jahres (Bad Romance) und für das beste Video einer Künstlerin. Der achte Moonman  wurde für  die Zusammenarbeit mit Beyonce verliehen, für das künstlerisch überaus wertvolle Video Telephone.  Das ist  "Monster"

Lady G. typisch musste für den Auftritt auch ein Aufreger her:  Den Preis zum Video des Jahres holte sich das Pop-Luder im Fleischstil-Kleid. Mit dem achtfachen Erfolg feiert die Pop Industrie ihre derzeitige Super Nova und untermauert, dass im postmodernen Multipluralismus nur noch auffallen kann, wer den Exzentrik- Balanceakt des guten Geschmackes  gezielt überspannt und auf eine ausgeklügelt-krankhafte Spitze treibt. Weitere Preisträger wie Eminem hatten mit ihrem OpaStil keine Chance gegen die Gaga Kitsch Show. 

Der Clou des Gaga Managements ging, wie nicht anders zu erwarten war, wieder auf. Das ist Zeitgeist Scanning in höchster Kunst und perfekt inszeniert.  Die internationale Presse schreibt und die Schlagzeilen, Blogs und Tweets drehen sich um Outfits, Schuhe und um das Make- Up von Lady G. Der künstlerische Wert ist zwar nicht auf der Bühne der VMA präsent, dafür im sozialanalytischen Medien & Marketing Know How des Managements verborgen.

 

Marketing und Branding Strategien im Web 2.0

Die 27 VMA waren ein Event der Superlative. Auch im Web 2.0 wurde ordentlich Marketing betrieben.  MTV hat im Vorfeld  eine eigene Twitter App  gestartet (MTV VMA Twitter Tracker), die es ermöglicht, VMA bezogene  Tweets und  Trending Topics  zu  verfolgen. Mit Erfolg, es  zeigt sich abermals der Trend, Live Events in die Social Communities einzubinden, um die User zum interaktiven Austausch zu bewegen. Ähnliche Trends zeigen sich  auch bei den Live-Stream Commenting Features wie beispielsweise bei  UStream. MTV bot dieses Jahr sogar ein spezielles Gimmick für den Geotagging - Dienst Foursquare an, ein weiteres Zeichen dafür, das Geotagging zunehmend an Bedeutung gewinnt (siehe dazu Artikel auf Perfect-Trader.com).  

Erfolgreiches  Branding und  Marketing der Zukunft ist ohne hohe Investitionen in Web 2.0 Strategien undenkbar. Es ist kein Zufall, dass strahlenden Speerspitzen der Popindustrie auch die Top Twitter Themen der letzten Monate  waren (Justin Bieber und Lady Gaga). Ein Hype birgt den nächsten in sich. Das Gut im Social Networking ist meinungsbildender Einfluss und die großen Unternehmen liefern sich bereits einen unerbittlichen Kampf der Gigangen um die begehrte Ware.  Denn eine effektive Web 2.0 Marketing  Strategie ist mit entscheidend,  ob die Führungsposition  im Wettbewerb  verfestigt wird. Die meinungsbildende Masse, der Schwerpunkt  auf dem das Kollektiv zentriert ist, entscheidet über Erfolg und Misserfolg eines Produktes.MTV zeigt wie es gemacht wird,  erst kürzlich kam die Meldung, dass MTV  den Konkurrenten Vevo  als Top Musik Seite überholt hat. 

 

 

Geld verdienen leicht gemacht

{module 242}   Unternehmen zeigen eine wachsende Nachfrage nach Social Media Beratern. Alle wollen auf den Zug aufspringen und von dem Hype profitieren, doch es gibt kaum Fachpersonal, das die Dynamiken  zwischen Marketingstrategien, Psychologie und Web 2.0 Medien  tiefgreifend erfasst. Für Jobsuchende eröffnet sich hier eine empfehlenswerte Möglichkeit, sowohl im Black-Hat, als auch White-Hat Bereich.

Die Popindustrie, Politik und große Unternehmen waren bislang die Wegbereiter, für sie ist eine state of the art Web 2.0 Anbindung bereits Norm.  Kleinere Wettbewerber werden nun folgen. Apps, Blogs, Tweets, Bilder, Videos, Stimmen, Meinungen, Interviews: Das ist eine Geldmaschinerie auskonstruiert in  höchster Perfektion,  und mittendrin sind die Giganten Apple, Google, Facebook usw. (wenngleich Google noch  verzweifelt um Anschluss kämpft).  Schöne neue Welt, heute kann jeder mit  Html Kenntnisse dieses System melken und unzählige Webseiten  haben es bereits vorgemacht, dass geboostet  durch die richtigen #Tweets,  stumpfsinnige  Beiträge mühelos in die Top-Traffic Listen des www  gelangen.

 

http://www.earth goes crazy? 

Aus gesellschaftskritischer Sicht scheint die Entwicklung ein Alptraum zu sein. Drohen wir den Planeten unter einer egozentrierten Lifestyle- Möchtegern Kultur zu ersticken? Zyniker sehen in der  Web 2.0 Entwicklung eine letzte große Vernetzung  vor dem Grand Lock Down. Nicht wenige Intellektuelle glauben, dass die ökologische Krise (neben Klimawandel, Überfischung, Plastik-Ozeane, Überbevölkerung, schwindende Ressourcen, unausweichliche Energie & Wasserkrise) unabwendbar sei und wir dem Untergang zielsicher entgegensteuern.

Für alle religiösen Dogmatiker, Esoteriker, 2012 Romantiker, New Age Gläubige, Transpersonale Denker und Integrale Eliten, die erwartet oder vielleicht gehofft haben, die Wirtschaftskrise und der beinahe Kollaps 2008 würden zum  Umdenken  und einer  Rückbesinnung auf Familie, Werte, Ökologie oder  Spiritualität führen und zur Abkehr vom hemmungslosen Materialismus hin zur Nachhaltigkeit:  All die genannten Untergruppen der Gesellschaft mit ihren alternativen Vorstellungen von Glück und Zufriedenheit werden als Randerscheinungen des sozial-evolutionären Entfaltungsprozesses weiterhin bestehen, sich ausdifferenzieren und ihr Dasein innerhalb kleiner Moral- und Werteinseln stabilisieren.

Doch das Kollektiv strebt klar dazu, die orange Herrschaft  (siehe dazu Spiral Dynamics) voll zu entfalten. Kapitalströme formen die Welt. Die Industrie gravitiert mit ihren Investitionen dorthin, wo die höchsten Profitquoten liegen und die Masse folgt. Entertainment, Fashion, Wellness, Anti-Aging,  Lifestyle… und wenn es auch Lady Gagas  Schuhe sind - so möge es sein.

 

Hirnforschung, Marketing und Materialismus

Der durchschnittliche Bürger auf Orange  ist zeit seines Lebens damit beschäftigt, seinen Endorphinhausalt im  Dopamin-, Oxytocin-, Serotonsystem zu stabilisieren.  Es ist das ständige Nachhetzen nach Glück, das seine Tage ausfüllt.  Er ist  gefangen in der Biochemie des Gehirns. Anerkennung (und soziale Kontakte) sind wesentliche Determinanten des Glücklich-seins, das hat die Hirnforschung der letzten 20 Jahre bewiesen. Das Streben nach Anerkennung  ist ein wesentlicher  Bestandteil im hochkomplexen Motivationssystem des Gehirns. Zahlreiche Gehirnareale sind am Motivations- und Belohnungssystem beteiligt, wie der Nucleus Accumbens (Kernstruktur im basalen Vorderhin), VTA  (Ventrale Tegmentale Area) und Amygdala. Möglicherweise verstärkt die mesolimbische Bahn auch jene Verhaltensmuster, die mit Belohnungen assoziiert werden und so Lifestyle Exzesse bis hin zu suchtartigen Verhalten (Mode & Jugendwahn, Konsum-, Drogen-, Spielsucht)  auslösen.

Was dem Individuum Anerkennung bringt  und  die Motivations-, Glücks- und Belohnungsareale des Gehirns stimuliert,  wird  durch  das soziale Umfeld (Familie, Clique, Gruppe, Kultur) vorgeben und  in der globalisierten Welt des Informationszeitalters durch mediale Kanäle (TV, Radio, Internet, Print)  transportiert.  Das Weltbild des Materialismus findet Anerkennung in zur Schau getragenen Statussymbolen:  Im Luxus  & Überfluss, im Entertainment, im Lifestyle, im Schönheits- & Jugendwahn. Solange die Profitquote in diesen Sektoren positiv ist, wird das Marketing mit aller Kraft daran arbeiten, diese (inneren) Bilder des ersehnten Glücks im Bewusstsein des Kollektivs zu verstärken.

Die Spaßgesellschaft folgt der Hypothese, dass exzessiver Konsum,  äußerliche  Zerstreuung, Überflutung der Sinnesorgane  und Anerkennung durch ein großes Publikum letztendlich die innere Leere füllen und das erhoffte Lebensglück bringen. Doch all diese adrenalinlastigen Surrogate  können lediglich den Ausstoß euphoriefördernder Transmitter auf kurzfristige Spitzenwerte  treiben, sie sind aber in der Biochemie des Gehirns nicht in der Lage, innere Zufriedenheit  und nachhaltiges Wohlbefinden zu generieren.

Für den Einzelnen ist es fast unmöglich, das System zu durchbrechen. Nur ein gesellschaftlicher Strukturwandel  der die Leitbilder für individuelles Glück vom rein äußeren Überfluss und exzessiven Lifestyle hin zu Selbsterkenntnis,  innerem  Wohlbefinden und  sozialem Engagement  transformiert,kann einen Ausweg bieten.  

Der  orange Materialismus ist nicht das Ende der Geschichte. Er ist nicht das Ende der Evolution. Auf die Menschheit warten noch weitere Potentiale der  Bewusstseinsentwicklung. Doch der Höhepunkt der Lifestyle -Monokultur ist noch lange nicht erreicht! Transpersonales  Türkis  ist für das Kollektiv noch in weiter Ferne und  immer wenn Megaevents wie die VMA's über die Bühne gehen, mit fleischdekorierten Gagas als Aushängeschilder, wird man daran erinnert.

 

 

 

 

 

 

 


Empfohlene Literatur

http://www.visionaryart.oliver-sorin.com/8%20literatur/literatur.html

Buddhisten sind glücklicher

http://www.wissenschaft.de/wissenschaft/news/drucken/214077

Yamamoto et al. (2006)- Studie über Hirntätigkeit bei Meditation

http://www.transcendental-meditation.co.uk/articles/Effects%20of%20TM%20on%20brain%20functioning%20and%20stress%20in%20students.pdf