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Handelsstrategien

Point & Figure Trading (by Oliver Sorin)


Point&Figure gehören zu den älteren Chartarten und werden heute kaum noch verwendet. So ist es sogar schwierig geworden, geeignete Software zu finden, die diese zufriedenstellend darstellen kann. Dow schrieb, dass die "Buchmethode", wie sie damals genannt wurde, bis 1860 zurückgeht und somit von den Aktienhändlern 15 Jahre vor den Barcharts angewandt wurde. Bei den Floortradern war diese Methode so beliebt, dass sogar kostenloses Millimeterpapier ausgegeben wurde. Nur die japanische Candlestickmethode zu Chartdarstellung ist somit älter.

 

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Vorteile der Point & Figure Charts

Pnf Charts vernachlässigen teilweise die Zeitkomponente und fokusieren sich somit auf die reine Darstellung des Preises. Der Vorteil ist, dass sie das "market noise" filtern und somit die reine Trendbewegung zu sehen ist. Damit werden sie im diskretionären Handeln zu einem nützlichen Werkzeug zur Trendbestimmung und können als Filter für Markteinstiege verwendet werden. Auch Widerstand- und Unterstützungszonen lassen sich leichter ausmachen.

 

Warum Point&Figure Charts? Nach der Evolultionstheorie sind gleichartige Strategien die größten Konkurrenten, sie löschen sich sich gegenseitig aus. Die Masse der technisch orientierten Marktteilnehmer trifft ihre Handelsentscheidungen auf der Grundlage von Barcharts und Indikatoren, womit hier ein hohes Konkurrenzpotential von gleichartigen oder ähnlichen Ansätzen herrscht. Schätzungsweise weniger als 3% der Marktteilnehmer setzen Pnf Charts ein. Sie sehen praktisch einen "anderen" Markt, andere Unterstützungen und Widerstände als die Masse, und erhalten dadurch auch einen anderen Blick auf den technischen Zustand des Marktes.

Einen anderen Blick auf den Markt zu erhalten, bedeuted nicht auch notgedrungener Weise einen besseren Blick zu erhalten. Der größte Vorteil der PNF Chartart ist jedoch, dass sie sich auf das konzentriert, worauf es wirklich ankommt. Den reinen Preis. Indikatoren sind nur Derivate des Preises und die willkürlichen Schnittpunkte in der Einstellung xyz haben an sich wenig Bedeutung für den weiteren Kursverlauft.


 

Boxsize

Das Entscheidende beim Trading mit Pnf Charts ist die richtige Wahl der Boxgröße. Eine allgemein gültige Regel gibt es nicht, die Boxsize muss auf die Marktvolatilität und das Tradingsystem zugeschnitten sein. Im diskretionären Handel verwende ich z.B im Dax Intradayhandel 3x3 und 5x3. Auf Tagesbasis 50x3 und 100x3.


 

Handelsstrategien

Es gibt viele Möglichkeiten Pnf für Tradingsignale zu verwenden. Große Charformationen wie Schulter-Kopf-Schulter, Trendlinien, Unterstützung/ Widerstand bis hin zu Kombinationen mit Indikatoren, wie zum Beispiel gleitenden Durchschnitten, Bollingerbands und Regressions Linien.

Zwei profitable Möglichkeiten werden hier kurz angeführt. Die Triangle Formation und die Catapult Formation.

Triangle (Animation sebstlaufend)

 

Catapult (Animation selbstlaufend)


 

Praktische Tradingbeispiele mit PNF Formationen

Der rechte Intradaychart des Dax zeigt die Preisbewegungen im Dezember 2003 mit der Einstellung 3x3. Das bedeutet, dass ein Kästchen (O oder X) 3 Punkten im Dax entspricht und erst ab einer Gegenbewegung von 3 Kästchen eine neue Säule gezeichnet wird.

Die eingezeichneten Signale sind die Long bzw Shortmöglichkeiten bei einem Ausbruch aus 2 Inside Säulen. Das bedeutet, ich möchte mindestens 2 Säulen sehen, deren Hochs und Tiefs sich innerhalb der vorhergehenden befindet. Der Chart zeigt, dass innerhalb von 3 Wochen maximal um die 250 Punkte möglich waren. Ich verwende dieses Signal, um meine eigenen Markteinstiege zu bestätigen. Eine außergewöhnlich gut funktionierende Methode ist es, diese Ausbruchsignale mit einem 5 Minuten Barchart zu kombinieren. Der Barchart dient dann zum genauen Feintuning des Einstieges. Gelingt der Ausbruch, kann man mit Hilfe der Rosshakentechnik bei weitere Einstiege im Trend nehmen.

 

 

 


 

Positionsmanagement & Moneymanagement

Wie bei allen Methoden entscheidet in der realen Anwendung das Positions und Moneymanagement, Oderplatzierung und das Fingerspitzengefühl des Anwenders über Erfolg oder Mißerfolg. Jeder Trade ist anders und hat seine Tücken und Eigenheiten.

Ich wende das gleiche Positionsmanagement an, wie es auch bei den Rossmethoden beschrieben wurde. Nachdem der Trade im Gewinn ist, werden 1/3 an Gewinnen mitgenommen. Der Stop für den Rest der Position wird an den Entry nachgezogen. Wie sich in der linken Animation zeigt, kommt es oft vor, dass der Einstiegspunkt nocheinmal getestet wird und der Trade dadurch ausgestoppt wird. Es gehört zu meinen obersten Regeln einen Trade im Gewinn nicht in den Verlust laufen zu lassen. Ich werde mit einem Teilgewinn ausgestoppt und suche nach der nächsten Einstiegsmöglichkeit.

Der linke Chart zeigt den Dax end of day mit Boxsize 50 und Reversal 3. Es ist erstaunlich, wie diese Formation scheinbar von allen unbemerkt einen Gewinntrade nach dem anderen liefert.

Warum funktioniert es? Zunächst steckt die selbe Idee dahinter, die wir auch bei den normalen Dreiecken im Barchart besprochen haben.Wenn sich die Preise innerhalb einer Range immer enger zusammenziehen und sich dadurch Momentum aufstaut, müssen die Kurse aus dieser Konsolidierung ausbrechen, es ist nur eine Frage der Zeit. Während der Seitwärtsbewegung sammeln sich Kauf- und Verkauforders ausserhalb der Range an und lösen beim Ausbruch eine Kettenreaktion aus, die häufig eine dynamische Bewegung zur Folge hat. Dieses Momentum reicht in den meisten Fällen dazu aus, um für den Trade einen Teilgewinn abzuwerfen und den Stopp an den Entry nachziehen zu können. In einigen Fällen wird der Markt nicht mehr zurückkommen um die Stops der Ausbruchstrader anzutesten und den Trend schnell weiter fortsetzen. Dies sind die Trades, die die großen Treffer abwerfen.

Meine einfachen diskretionären Strategien (ohne weitere Filter zur Qualtiätsverbersserung der Signale) bauen darauf auf, den Markt an risikoarmen Punkten bei engem Stop öfters anzutesten bis irgendwann der große Treffer kommt. Diese einfachen Signale eignen sich vor allem für Anfänger, um mit dem praktischen Handeln und dem realen Marktgeschehen nach und nach in Kontakt zu kommen. Steigt die Erfahrung, können nach und nach zusätzliche Filter eingebaut werden, um die Trefferquote und das Reward to Risk Verhältnis pro Trade zu erhöhen.

 

Fazit

Kombinieren Sie dieses Signal mit charttechnischen Signalen im Barchart und Trefferqoten über 80% bei guten Risk/Rewards sind möglich. Wichtig zu erwähnen ist es noch, dass die Strategie danach ausgerichtet werden muss, ob die Boxes durch Dayclose oder durch High/Low berechnet werden. Dayclose bietet mehr Signale, ist jedoch in der tatsächlichen Anwendung schwieriger zu handeln. Eine gute Möglichkeit hierbei ist es, den Trade im Intradaychart an risikoarmen Punkten zu triggern, da dadurch der Stop enger gesetzt und der Verlust minimiert werden kann.