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Ende Mai hätte Bernanke mit seinen Anspielungen auf ein vorzeitiges Tapering die Aktien und Bondmärkte beinahe in einen Crash geführt. Die "Ja-Nein-Vielleicht" QE-Exit Strategie hat für kurze Panik gesorgt. Um den weiteren Absturz der Aktien und Bondmärkte zu verhindern, musste Bernanke  im Juni die Tapering  Testkommentare schnell wieder revidieren. Sein Versuch, die Märkte auf QE Exit einzustellen, wurde zurückgenommen. Bernanke stellte klar: Expansive Geldpolitik sei das Mittel, das die Märkte in nächster Zeit benötigen werden. Die upgedatete  Strategie zum QE Ausstieg: "Ja-nein-vielleicht. Ok-jetzt-noch-nicht."

Es wird also weiter gedruckt, sämtliche Exit "Mißverständnisse" wurden ausgeräumt. Aktien und Bondmärkte dürfen weiterhin im Liquiditätsrausch steigen.  

Auch die gestrige Bernanke Rede hielt  sich an die upgedatete Exit Strategie. Zusammengefasst sagte Bernanke:  QE Exit hat nun keinen festen Zeitfahrplan mehr, sondern ist  von den konjunkturellen Fortschritten abhängig.  Vor allem Inflation und Arbeitslosenquote  sind, im Einklang mit dem dualen FED Mandat, die beiden wichtigsten Zielmarken für QE.

Ursprünglich war der Plan wohl, spätestens 2014 QE vollständig zu stoppen, um nicht die Gefahr eines Systemkollaps zu provozieren. Doch dieses zeitliche Maximalband ist jetzt kaum mehr von Bedeutung. Bernanke verspricht, QE werde weder zu früh, noch zu spät stoppen, sondern genau zum richtigen Zeitpunkt. Doch wann die Ökonomie stabil genug sein wird, um wieder ohne Liquditätsausweitung zu funktionieren, kann uns Bernanke nicht sagen.

Die "Ja-nein-vielleicht. Ok-jetzt-noch-nicht" QE-Exit Strategie ist derzeit das ideale Märchen für die Märkte, denn für jeden Geschmack ist etwas dabei. Die Liquiditätsjunkies können weiter ihre Aktienparty feiern. Der US Bondmarkt kann weiterhin auf einen Käufer vertrauen. Die Blase im US Häusermarkt kann Richtung neuer Rekordhöhen steigen. Die Weltwirtschaft darf auf einen niedrigen Dollar und auf niedrige Zinsen hoffen. Das kaputte Finanzsystem wird weiterhin mit  Liquidität versorgt und damit künstlich am Leben gehalten.  Andererseits sei QE-Exit möglich, ohne die Weltwirtschaft zu crashen.  

Was Bernanke in seiner Märchenstunde verschweigt, ist, dass QE Kosten verursacht und mit jedem weiteren Tag die Wahrscheinlichkeit eines Systemkollaps steigt. Wenn QE im Laufe des Jahres 2014 aufgrund der konjunkturellen Lage, nicht zurückgefahren werden kann, werden die verursachten Ungleichgewichte im System wohl ein Ausmaß erreicht haben, die eine Rückkehr zum alten System verunmöglichen.

Zyklisch betrachtet, rechnen wir weiterhin damit, dass Amerika in der zweiten Jahreshälfte in eine Rezession eingeht, eventuell wird man mit Bilanzierungstricks 0,5% Wachstum retten können. Europas Rezession wird sich verstärken, wenn sich die Auswirkungen der Schuldenkrise bis ins Kernland Deutschland hindurch gefressen haben. Chinas Deleveraging im Schattenbanksystem wird, im positivsten Szenario, nur zur Wachstumsbremse. Japan tänzelt weiterhin am Abgrund entlang. Ein Rückgang der Liquiditätsausweitung würde die angeschlagenen Finanzsysteme in Amerika, Europa, China und Japan unter Druck setzten und vor allem Europa zurück in den panikgeladenen Krisenmodus führen.

Es bleiben zwei Möglichkeiten: Die FED beginnt im Herbst 2013 mit Tapering, gefolgt vom QE Exit 2014 und stürzt die Weltwirtschaft in eine jahrelange Depression mit Minimum 20% BIP Rückgang. Oder man setzt QE fort und hält damit die Zombie Ökonomie künstlich am Laufen, bis das Fiat System kollabiert. Damit würde man auch sicher stellen, dass von dem, was wir als moderne Weltwirtschaft bezeichnen, nichts mehr übrig bleibt. 

Eines wird einer wachsenden Zahl von Marktteilnehmern bewusst: Es gibt keine guten Entscheidungen mehr. Jede ist mit hohen Kosten verbunden. Wofür wird man sich entscheiden, Pest oder Cholera?

Beim derzeitigen Zustand der Weltwirtschaft, scheint  Tapering im Herbst ausgeschlossen, weshalb sich die Politik wohl für den kurzfristigen Weg, mit dem geringsten Widerstand entscheiden wird. Mehr Schulden und mehr QE. Doch Liquiditätsfalle und Balance Sheet Recession verhindern Wirtschaftswachstum und damit die Möglichkeit, aus den privaten und öffentlichen Schuldenbergen herauszuwachsen.

Seien wir uns für einen Augenblick ehrlich. Wer glaubt wirklich noch an ein gutes Ende dieses Experiments? Wer glaubt jetzt noch an das Märchen, dass FED, BOJ und BOE die Situation unter Kontrolle haben und QE langsam zurückfahren werden, nachdem sich das globale Finanzsystem und die Realwirtschaft stabilisiert haben? Wenn die QE besessenen Märkte nur noch an den Lippen einiger Männer hängen, was für eine realistische Hoffnung gibt es dann noch auf ein gutes Ende?

Ja, es gilt als unseriös, wenn man die ökonomische Endzeit ausruft. Aber der freie Kapitalismus ist seit 2008 ohnehin nicht mehr vorhanden. Kosten und Risiken wurden vergemeinschaftet, Profite im elitären Kreis privatisiert. Wir haben Ökonomen, die absolut nichts prognostizieren können, aber dem Glauben verfallen sind, als Zentralplaner die Märkte mit extremen Manipulationsinstrumenten, hin zu stabilen Gleichgewichtszuständen steuern zu können. Wir haben gottgleiche Zentralbanker, die frei von demokratischen Gesetzen mit Wohlfahrts- und Vermögenstransfers, die Zukunft der Bürger determinieren. Sie haben den freien Preisfindungsprozess in den Bond, Aktien und Rohstoffmärkten durch ihre manipulativen Extremeingriffe aufgehoben. Der US Häusermarkt ist aufgrund der FED MBS-Käufe völlig verzerrt. Über die Jahre hinweg hat der künstliche Niedrigzins eine Zombie Ökonomie erschaffen, die im Umfeld steigender Zinsen nicht mehr überlebensfähig ist. Die Liste der negativen Folgen lässt sich fortsetzen....

Die Finanzkrise hat die  Vermögens und Machtkonzentration auf die Spitze getrieben und das Insider-Netzwerk aus korrupten Regierungen, verbrecherischen Geheimdiensten und einer kapitalstarken Wirtschaftselite weiter verstärkt. Das Finanzsystem erinnert an einen mafiaähnlichen Machtblock bestehend aus Zentralbanken und Großbanken, die jenseits der Gesetze agieren können. Das kranke und ineffiziente System wird quasi nur noch durch Korruption und Betrug zusammengehalten. Die sozialen Folgen sind verheerend. Wir haben eine dekadente Elite im Machtrausch und eine 99% Basis, die langsam ausblutet. Wenn sich der Trend zur Vermögenskonzentration nicht umkehrt, ist der soziale Knall nur eine Frage der Zeit.  

In Wirklichkeit kann sich niemand vorstellen, dass das Worst-Case Szenario tatsächlich eintritt. Spätestens im Herbst sollte Klarheit einsetzen, ob die Märkte QE Tapering und QE Exit verdauen können, oder ob es bereits zu spät ist und der Systemkollaps unausweichlich ist. Bis dahin heißt es: Das Beste hoffen, aber auf das Schlimmste vorbereiten. 

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"Overall, the U.S. economy seems likely to expand at a moderate pace over the second half of 2007, with growth then strengthening a bit in 2008 to a rate close to the economy´s underlying trend."    Ben Bernanke, July 2007