Professional Market Forecasting and Trading

Perfect-Trader.com

"Eine glühende Notenpresse der EZB mag im "besten" Szenario in der Lage sein, das System noch einmal künstlich aufzublasen. Dann sehen wir eine temporäre Spekulationsblase auf Pump, die mit mehreren explosiven Rallybewegung am Aktienmarkt ihre Existenz enthüllen wird. Die Bevölkerung freut sich dann, dass die Taschen von Ackermann und Co wieder ein bisschen voller werden, die Großkonzerne feiern ihre explodierenden Aktienkurse mit Milliarden Boni für die Top Manager, und die Politiker stellen sich mit geschwollener Brust der Wiederwahl. Schließlich haben sie mit ihrer Kompetenz Europa durch die schwerste Krise aller Zeiten manövriert, und mit  Bravour die Freiheit der Menschen gerettet. Lobbys und Interessensgruppen teilen die Macht wie gehabt unter sich auf und lassen das Kapital in ihren sicheren Forbes Kreisen  zirkulieren. Die Wallstreet Occupisten haben dann zwar noch immer keine Jobs, aber sie können ihr technisches Wissen ja dazu nutzen, um selbst als Trader ihren Lebensunterhalt zu finanzieren und müssen ihre Zeit nicht mehr am Campingplatz vor der Bank totschlagen. Demokratie und Kapitalismus haben gesiegt, alle sind zufrieden und können dem goldenen Zeitalter entgegen gehen." (November 2011)

"Die Ausweitung der Geldmenge ist am Laufen, wir dürfen uns auf weitere EZB Raketen freuen, die den Aktienmarkt aufblasen."  (Jänner 2012)

 

18.02.2013  -  Nach längerer Zeit melde ich mich auf Perfect-Trader.com zurück. In den letzten Monaten gab es an der Börse kaum Handlungsbedarf. Die Aktienmärkte haben die Liquiditätsrally planmäßig vollzogen. Die internationalen Zentralbankraketen haben gezündet und die Aktien mit mehreren explosiven Kaufwellen nach oben geschossen. Persönlich habe ich die ruhige Börsenzeit genutzt, um meine meditative Praxis für transpersonale Bewusstseinszustände zu stärken und zunehmend auch dafür, andere Menschen für psychospirituelle Transformationsprozesse zu begeistern.

Doch die ruhige Zeit  an den Märkten ist in Gefahr, die unbekümmerte Kauflust dürfte in den nächsten Wochen eine Unterbrechung erfahren. Wir geraten im Dow Jones, S&P, Dax und anderen Aktienindizes an Preis-Zeit Widerstände, die das Potential einer Trendwende besitzen.  Längerfristige Strategien sind nun mit höheren Risiken behaftet, Perfect-Trader.com wird daher die  charttechnischen Analysen wieder auf  das kurzfristigere Swingtrading Fenster konzentrieren. Alle langfristigen Kaufpositionierungen (wie Gold, S&P) wurden neutralisiert, eine Ausnahme stellt nur noch der Hang Seng da.

Es besteht die Gefahr, dass die Börsenakteure den nachhaltigen Erfolg  der  "Voodoo Ökonomie"  in den nächsten Wochen verstärkt hinterfragen. Wie in früheren Artikeln befürchtet, zeigt sich immer deutlicher, dass die aktuelle Form der monetären Stimulation nur geringe Auswirkung auf die Arbeitslosenquote hat und die ökonomischen Vorteile höchst fragwürdig sind. Stattdessen sind enorme Umverteilungseffekte zu befürchten, die in Zukunft soziale Spannungen begünstigen werden. Die Eingriffe der Zentralbanken werden in den nächsten Monaten die Ungleichgewichte in den Märkten weiter erhöhen und die Risiken im System steigern. Es wird sich immer deutlicher zeigen, dass für die kollektive Wohlfahrt die Kosten der Marktmanipulationen höher sind, als der Nutzen. 

Das wahrscheinlichstes Szenario ist, dass wir Februar/März in den Aktienmärkten eine Korrektur sehen, nach deren Abschluss der Aufwärtstrend  noch einmal an Fahrt gewinnt. Anfang Herbst  muss dann verstärkt nach charttechnischen Anzeichen für eine längerfristige Hochbildung in den Aktienmärkten gesucht werden. Entgegen den allgemein positiven Konjunkturprognosen rechnen wir  für das Jahr 2013 mit einer Rezession in  Amerika und in Europa. Vor allem im Herbst rechnen wir mit einer schrumpfenden Realwirtschaft. Sollte dieses Szenario eintreten, werden  sich die angesammelten Risiken im System unvermeidbar niederschlagen. Sollte zusätzlich die monetäre Stimulation allmählich ins Stocken geraten, droht  eine starke Zunahme der Volatilität. Im worst case wird man ohnehin nicht mehr in der Lage sein, Geld "schnell genug zu drucken", um den deflationären Kräften entgegenwirken zu können.

Die meisten Bären dürften bis zum Herbst  2013 ihr Fell verloren haben und bankrott sein. Auch die letzten Crashpropheten werden bis dahin ausgetrocknet sein. Idealerweise sehen wir dann Spitzenwerte im bullischen Sentiment und euphorische Zustände unter Privatanlegern über den Segen des neuen goldenen Zeitalters, das auf magische Weise der Menschheit dauerhaften Wohlstand durch exzessive Verschuldung und Geldmengenausweitung sichert. Bei solchen Aussichten ewiger Stabilität darf man sich auch als Privatanleger an der Börse in Sicherheit wägen und gewissenhaft zugreifen. Während die Kleinanleger wieder in Aktien und Fonds investieren, reiben sich die Profitrader in Vorfreude auf den Downturn bereits die Hände. Denn dann wird richtig abgesahnt.

Die absolute Konsequenz mit der man dieses  System an die Wand fährt, ist erstaunlich. Ich hatte nie verstanden, wie es zu menschlichen Tragödien wie den Weltkriegen kommen konnte. Es war mir unbegreiflich, was Menschen dazu treibt, ihren Verstand vollkommen zu verlieren, doch  möglicherweise sind wir bereits  Zeitzeugen ähnlicher Dynamiken. Es besteht kaum noch Hoffnung, dass wir zur ökonomischen Normalität zurückkehren. Der einzige Fluchtweg nach vorne scheint die Bekämpfung der Schulden mit noch mehr Schulden zu sein. Nur beschleunigende Geldmengenausweitung wird die Liquiditätsjunkies noch bei Laune halten können. "Klappe halten und Geld drucken" ist die Maxime der Zentralbanken im  Wettlauf um die schnellste Notenpresse. Den Anfang der monetären Aggressionen hat die Fed gestartet, die BOJ schießt bereits massiv zurück und am Ende wird auch die Dicke Berta unkontrolliert feuern. Vor ein paar Jahren galten Buchautoren über globale Währungskriege noch als Spinner und Verschwörungstheoretiker. Heute finden wir den Begriff sogar im Vokabular von Weidmann und auf CNBC.

 

Heute back ich, morgen brau ich, übermorgen hol ich der Königin ihr Kind

Planungsoptimismus und psychologischer Verdrängungsmechanismus lassen an dem Irrglauben festhalten, die Situation sei noch unter Kontrolle. Wenn alle konventionellen Wundergriffe  der Voodoo Priester und Märchenerzähler versagen, müssen eben neue Tricks aus dem Hut gezaubert werden. Den bisherigen Höhepunkt dieser Entwicklung stellt der Vorschlag zur 1 Billion Dollar Münze dar. Was viele Normalbürger an Alchemie erinnert, besitzt  innerhalb der theoretischen Ökonomiemodelle eine schlüssige Logik. Das veranlasste Krugman auch wie ein Rumpelstilzchen zu schimpfen, als sein Masterplan von der US Regierung abgelehnt wurde. Ich habe allerhöchsten Respekt vor Krugman und der Intelligenz seiner Kollegen, aber dieser Fall zeigt auf, wie weit sich die ökonomische Theorie und die ökonomische Vernunft voneinander entfernt haben.

Ich hoffe, dass ich mich irre und es gelingt tatsächlich mit einem enormen Wirtschaftsboom aus den Schulden herauszuwachsen. Ich hoffe, dass der Plan der kontrollierten Inflationierung der Realschulden aufgeht und die Märkte wieder zu ihren zyklischen Gleichgewichtszuständen zurück tendieren. Denn wenn dieses historische Experiment auf globalem Maßstab scheitert,  wird auch die Größenordnung der Konsequenzen einen einmaligen Platz in der Menschheitsgeschichte einnehmen.