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Mit den Ja-Nein-Vielleicht Signalen zum baldigen Ende der ultralockeren Geldpolitik hat die FED die Märkte verunsichert, teilweise zeigen sie sogar panikgeladene Reaktionen. Ein kleiner Sell Off wurde eingeleitet. Aktien, Bonds, Gold, Brent, Kupfer und andere Rohstoffe werden zugleich abverkauft. Lediglich der Dollar steigt, was darauf hindeutet, dass ein Zinsanstieg in Amerika antizipiert wird und Kapital aus der Peripherie abgezogen wird. Vor allem die Bonds der Emerging Markets leiden. Chinas Bankensystem hat Stress signalisiert. Die anziehenden Repo Sätze (Overnight Repo 25%) zeigen Nervosität im chinesischen Interbankenhandel aufgrund sinkender Liquidität[1].

Die Medien springen auf den Zug auf und verbreiten Angst. Die Stimmung ist schlagartig gekippt, von der heiteren Aktienrally hin zur rette-sich-wer-kann Mentalität. Es ist erstaunlich, wie schnell die euphorische Berichterstattung umgeschlagen hat und jetzt düstere Stimmung verbreitet wird[2]. Der Dollar wird in diesem Umfeld, wie von uns prognostiziert, als sicherer Hafen gesucht.

Alles dreht sich jetzt um die FED, um "Tapering" und die Frage, ob die dynamische Abwärtsbewegung am Aktienmarkt nur eine temporäre Korrektur ist oder die  Trendwende bereits eingesetzt hat. Die Vor- und Nachteile von QE werden jetzt verstärkt diskutiert.

Die FED hat nach dem Ausbruch der Finanzkrise mit QE verhindert, dass die Weltwirtschaft in eine schwere Depression versunken ist. Doch QE hat die natürlichen Preis- und Risiko Bewertungsmechanismen der Märkte außer Kraft gesetzt und Ponzi Scheme Mechanismen am Laufen gehalten, wodurch Bond, Aktien und Immobilienblasen re-inflationiert wurden. Das Finanzsystem funktioniert jetzt solange reibungslos, wie es mit zunehmender Liquidität versorgt wird. Doch alleine Spekulationen um eine QE Drosselung sorgen für Panik. Man darf sich vorstellen, was passiert, wenn die FED tatsächlich dazu übergeht, nicht nur die Geldmengenausweitung zu drosseln, sondern die Liquidität zurückzufahren und ihre Bilanz wieder verringert.   

Die Diskussion um die QE-Exit Strategie erinnert stark an das Soft-Landing Märchen im Jahr 2000. Damals wollte Greenspan der Welt weis machen, die überhitzte Dot-Com Ökonomie werde langsam zu ihrem gleichgewichtigen Wachstumspfad zurückkehren. Die FED bestand im Jahr 2000 darauf: Die Nasdaq sei keine Blase. Die Medien verbreiteten das dieses-mal-ist-alles-anders Paradigma, das nachfolgende Kurs-Massaker zeigte jedoch eine andere Realität auf.  Nach dem selben Schema wird jetzt die Hoffnung verbreitet, dass bei der anziehenden Konjunktur die Wirtschaft Schritt für Schritt lernt, auf eigenen Beinen zu stehen, und die FED ihr Programm kontinuierlich reduzieren kann. Bernanke vergleicht das QE-Exit Manöver mit der Jet Landung auf einem Flugzeugträger.

Die Wahrscheinlichkeit, dass dieses Manöver gelingt, ist gering, wenn nicht bei null. Denn ein Ponzi Scheme lässt sich nicht langsam reduzieren. Die heiße Luft aus Aktien und Bondblasen entweicht nicht langsam. Blasen platzen, weil alle Marktteilnehmer in Panik den Markt verlassen und zeitgleich durch die selbe Tür wollen.

Die extrem stimmungsintensiven Reaktionen der Marktteilnehmer zu den QE-Exit Spekulationen bestätigen unsere Prognosen hinsichtlich der Wirkung der  Geldpolitik und des Zustandes der Weltwirtschaft. Es wird den Marktteilnehmer zunehmend bewusst, dass die ultralockere  Geldpolitik nur ein kosmetischer Eingriff ist, der Risiken in die Zukunft transferiert. Die fundamentalen Probleme des Systems werden zwar kaschiert, aber nicht gelöst und die Kosten (Risiken) steigen mit der Dauer des Programms. Die Aktienrally war bislang Liquiditäts getrieben. Die FED hat die Investoren aufgrund mangelnder Alternativverzinsung zu einer höheren Risikoneigung gezwungen. Die Never-Fight-The-Fed Strategie hat die Aktienpreise weit über die fundamentalen Lage hinausgetrieben. Wenn der Verdacht einsetzt, dass QE stoppt, wollen alle zugleich das sinkende Schiff verlassen.

Ein Aktien/Bond Crash oder ein starker Rückgang in den US Häuserpreisen würde die angeschlagene Ökonomie wohl endgültig zerlegen, weshalb die FED mit aller Gewalt versuchen muss, die Asset Preise künstlich hoch zu halten. Damit können Investoren die Zentralbank förmlich erpressen. Wenn QE jetzt endet und die Aktien und Bondmärkte crashen, werden Kritiker mit dem (berechtigten) Argument kommen, die Eingriffe der FED wären vergebens gewesen und QE hätten die Lage nur verschlimmert. Der Druck die Politik des billigen Geldes fortzusetzen, wird umso größer, je weiter Aktien, Bond und Immobilienpreise fallen.

Die Bedenken der Investoren um die negativen Folgen des QE-Exit sind nicht irrational. Die Gründe bei einem QE-Exit die Märkte frühzeitig zu verlassen, sind vielseitig und die Angst berechtigt, dass sich dann die angesammelten Systemrisiken schlagartig entladen:

  • Bei den aktuellen US Schuldenständen führen bereits geringfügige Zinsanstiege in den Staatsanleihen zu stark steigenden Refinanzierungskosten. Der amerikanischen Staatshaushalt wäre zum Sparen gezwungen, was die sehr zarte Konjunktur abwürgen würde und die Ökonomie zurück in den Krisenmodus versetzen würde.
  • Liquiditätsdrosselung und antizipierte Zinsanstiege in Amerika bergen hohe Risiken für die Emerging Markets in sich, was wiederum auf die Industriestaaten zurückschlägt. Eine Liquiditätsdrosselung würde auch die Bonds der südlichen Eurokrisenstaaten unter Druck setzen und dort zu weiteren Eskalationszenarien führen.
  • Geringe Zinsanstiege führen all die Zombie Unternehmen endgültig in den Bankrott, die derzeit nur noch im Niedrigzinsumfeld überlebensfähig sind.  
  • Geringe Zinsanstiege bringen die hochverschuldeten Haushalte unter Druck, die sich über viele Jahre Niedrigzins bis ans Finanzzierungslimit verschuldet haben. Fallende Assets würden das Szenario zusätzlich intensivieren.
  • Die enormen Derivaterisiken im Banksystem haben sich an das Umfeld  der Liquidiätsausweitung und des Niedrigzinses angepasst. Niemand kann abschätzen, wie sich die Derivatebombe verhält, wenn die Liquiditätszufuhr stoppt, Systemrisiken schlagend werden und die Volatilität zunimmt.
  • Das Bankenkartell hat seine Macht durch die Bail-Outs ausgeweitet und die Betrugsmodelle forciert. Die Basel III Eigenkapitalquoten und Stresstests sind ein Witz, niemand kennt die Risiken die sich in den Bilanzen und jenseits der Bilanzen verbergen. Die Verwicklung in Libor, CDS  und Rohstoffmanipulationen haben die natürlichen Preis und Risikobewertungsmechanismen der Märkte zusätzlich gestört. Das derzeitige Bankensystem weist parasitäre Effekte auf und wirkt auf  konjunkturelle Aufschwungversuche dämpfend ein.
  • Das Schattenbanksystem reagiert hochsensibel auf antizipierte Zinsanstiege. Hier verbirgt sich womöglich die größte Gefahr für einen deflationären Kollaps, ausgelöst durch eine Liquiditätsdrosselung. Das Schattenbanksystem übernimmt Funktionen für die Kreditexpansion und kompensiert inflationäre Risiken bei der Geldmengenausweitung[3]. Das System erreichte das Liquiditätshoch 2008, seit der Finanzkrise geht das Volumen zurück und befindet sich jetzt gleich auf mit dem Kreditvolumen des klassischen Bankensystems. Wenn man das Schattenbanken als inflationsgepuffertes Kreditexpansionssystems sieht, das zur effektiven Geldmenge im System beiträgt, dann fehlen der FED noch 3,9 Billionen[4], um die Lücke zum Hoch von 2008 aufzufüllen. Anders ausgedrückt, die FED muss weiterhin mit QE das Deleveragen der Schattenbanken kompensieren, um das System auf den Liquiditätsstand von 2008 zurückzuführen.
  • Auch China sieht sich mit dem Problem der Schattenbanken konfrontiert[5]. Ein stetig expandierendes Schattenbanksystem birgt steigende Risiken in sich. Die chinesische Zentralbank soll seit Monaten mit Liquiditätsdrosselung versuchen, das Schattenbanksystem zu schrumpfen, was den Interbankenhandel bereits belastet hat. Die Spekulationen um einen verfrühten QE Ausstieg der FED hat das Fass zum Überlaufen gebracht und die kurzfristigen Repo Sätze auf Rekordniveau geführt. Wenn der Interbankenhandel während einer solchen Paniksituation austrocknet, können nur noch Notmaßnahmen der Zentralbank und Liquiditätsinjenktionen eine Bankenkrise verhindern. Die chinesische Zentralbank soll sich weigern, das System mit Geld zu versorgen. Man kann sich jedoch trotz der  Dementi sicher sein, dass solche Rettungsaktionen bereits stattgefunden haben. Wenn die chinesische Regierung jedoch zur Drosselung zurückkehrt und weiter versuchen wird,  das Volumen im Schattenbanksystem zurückzufahren, werden BIP Rückgänge die Folge sein[6]. Einer stotternden Weltwirtschaft wird das einen weiteren Schlag versetzen. Fallende Kupfer und Ölpreise scheinen diese Konjunktureinbrüche bereits einzupreisen. Ein FED QE-Exit würde Deleveraging Effekte im chinesischen Schattenbanksystem zusätzlich verstärken.  

 

Abschließend: QE-Exit Spekulationen basieren auf der Annahme, dass sich die konjunkturelle Entwicklung stabilisiert. Wenn unsere zyklische Einschätzung stimmt und die zweite Jahreshälfte mit BIP Rückgängen einhergeht, wird die FED umso mehr gezwungen sein, QE fortzusetzten, oder sogar auszuweiten. In Amerika ist die Balance-Sheet-Recession nach dem Platzen der subprime Blase voll im Gange, die Privaten deleveragen, die Reallöhne sinken, die Vermögens und Einkommensverteilung ist katastrophal, die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes sinkt. Der Staat ist zur Schuldenausweitung gezwungen, um die wegbrechende Privatnachfrage zu kompensieren. Fracking und die Reindustrailisierung der USA sind reine Propaganda. Ein Produktivitätsschub im Zuge eines neuen Kondatrieff Zyklus ist noch nicht in Sicht. Wo will man den vielgelobten konjunkturellen Aufschwung herzaubern? Die Politik erweist sich sowohl in Amerika, als auch in Europa als unfähig, die strukturellen Probleme zu lösen. Kurz: Man wird den Karren so lange vor sich herschieben, bis er endgültig gegen die Wand fährt.

Es ist wahrscheinlich, dass die FED induzierte Verwirrung um QE-Exit ein Testballon ist, wie die Märkte auf eventuelle Liquiditätsdrosselungen reagieren. Womöglich will man etwas Luft aus den Aktien und Bondmärkten ablassen. Die fundamentale Lage lässt ein QE-Exit unserer Einschätzung nach nicht zu. Trader sollten das Szenario im Hinterkopf behalten, dass der Crack Up Boom noch richtig an Fahrt aufnimmt.  

"Massive Liquiditätsspritzen, durchgeführt von den größten Zentralbanken der Welt – Fed, EZB und BOJ – , werden weder Zugkraft in ihren realen Ökonomien entfalten, noch Bilanzsanierung oder Strukturwandel fördern. Damit bleibt eine große Summe überschüssiger Liquidität, die in den globalen Anlagenmärkten herüberschwappt. Wo sie hingeht, folgt unweigerlich die nächste Krise".[7]

Die Zentralbanken (FED, EZB, BOJ, BOE) sind Gefangene ihrer eigenen Politik. Sie werden durch ihre planwirtschaftlichten Marktmanipulationen das kranke System solange künstlich am Leben halten, bis die Märkte mit Gewalt wieder die Herrschaft übernehmen. Und dann beginnt die lange Zeit des Schmerzes.



[6] Andererseits: Fährt die Liquiditätsexpansion ungebremst fort, wird die Kreditblase und die Immobilienblase irgendwann kollabieren und China in eine schwere Krise stürzen.

Brennpunkt Syrien

 

Syrien: Zwischen Propaganda, Imperialismus und Systemverfall

 
 
Bereits in den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts hat der einflussreiche Globalstratege Zbigniew Brzezinski die Bedingungen für die amerikanische Weltherrschaft skizziert.  In "The Grand Chessboard" beschreibt er die Zukunft des amerikanischen Imperialsmus auf Basis militärischer Übermacht und kultureller Assimilation. Wirtschaftliche Überlegenheit wird durch global agierende Megakonzerne gesichert. In Anbetracht des Ölfördermaximus muss sich der geostrategische Imperialmsus auf Eurasien konzentrieren.  Nur wer die Kontrolle über Eurasien erlangt, kann die Entwicklung anderer Länder  behindern, und die Vormachtstellung zementieren. Brzezinski machte in der Vergangenheit an zahlreichen Stellen deutlich, dass bei der Umsetzung der Pläne Menschenleben keine Rolle spielen. Auch wenn die Zahl der Kriegstoten in die Millionen geht, auf dem Schachbrett des globalen Machtkampfes zählen sie nur als Bauernopfer.  
 
Das Project for New American Century (PNAC), mit Politgrößen wie Rumsfeld, Cheney und Wolfowitz,  formulierte zur Jahrtausendwende ähnlichen Ziele: Die totale Überlegenheit Amerikas, die Bekämpfung der Konkurrenten wie Russland und China und ökonomische sowie kulturelle Hegemonie. Wichtige Länder auf dem Speißeplan wurden festgelegt: Afghanistan, Irak, Syrien und Iran.  Für die amerikanischen Vorherrschaft sei es notwendig, das Militär enorm aufzurüsten und zu modernisieren.  Der Plan bekam den Namen Rebuilding Americas Defense. Und wie Brzezinski, kam auch das PNAC bereits vor dem 11. September 2001 zum Schluss, dass, um erfolgreich zu sein, der amerikanische Imperialismus ein gewaltiges Trauma, wie ein neues Pearl Harbor, benötigen werde.  Nach dem Kalten Krieg bräuchte man einen neuen Feind. Ohne ihn würde die Transformation des Militärs ein sehr langwieriger Prozess werden, so der damalige Konsens. 
 
Wer  Papiere von Kissinger, Brzezinski und PNAC Mitgliedern wie  Kagan studiert, wird auf die weltpolitischen Ereignisse der letzten 12 Jahre und auch auf die Syrienkrise, vielleicht eine andere Sichtweise erhalten. Zu Beginn mag Wes Clark weiterhelfen: "Wir zerstören 7 Länder in 5 Jahren:  Irak, Lybien, Libanon, Somalia, Sudan, Syrien und Iran."
 
   
 
Syrien: Zwischen Propaganda, Imperialismus und Systemverfall