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Das Harrodsche Wachstumsmodell

(Baccalaureats Arbeit  University of Graz )

 

Inhaltsverzeichnis

1.0 Einleitung.

1.1 Roy F. Harrod:  Person und Werdegang.

1.2 Einführung in das Harrodsche Denksystem.

2. 0 Grundlagen des Harrodschen Wachstumsmodells.

2.1 Ursachen des Wirtschaftswachstums.

2.2 Annahmen des Modells.

2.2.1 Ein Gut.

2.2.2 Konstante Einkommensveränderungen.

2.2.3 Neutraler Technischer Fortschritt.

2.2.4 Konstante Kapitalkoeffizienten.

2.3    Doppelcharakter der Investitionen.

2.4 Fundamental Dynamic Antinomy.

2.4.1 Sparfunktion.

2.4.2 Investitionsfunktion.

2.4.3 Gleichgewicht und Akzelerator.

2.4.4 Konsum..

2.5 Konjunkturelle Dynamiken.

2.6 Das Harrod  Modell als Grundlage für das Multiplikator - Akzelerator Modell

2.8  Wachstumsraten und Gleichgewicht.

2.8.1 Natürliche Wachstumsrate Gn

2.8.2 Die befriedigende  Wachstumsrate Gw.

2.8.3 Gleichgewichtiger Wachstumspfad.

2. 8.4  Das goldene Zeitalter.

2.8.5 Abweichungen vom Gleichgewicht Gn = Gw..

2.8.6  Akkumulation von Kapital

2.8.7 Sparen als Wachstumsbeschleuniger.

2.9  Verbindungen und Unterschiede  zwischen Harrod und Domar.

2.9.1 Unterschiede beim Akzelerator v.

3.0 Zusammenfassung und wirtschaftspolitische Folgerungen.

3.1 Nützlichkeit des Modells.

3.2 Wirtschaftspolitische Bedeutung.

3.3 Eingeschränkte Anwendbarkeit auf  Entwicklungsländer.

4.0 Kritik und moderne Weiterentwicklungen.

4.1 Unterschiedliche Interpretationen.

4.2 Zyklische Interpretation von Bruno und Dal-Pont Legrand.

4.3  Über Harrod hinaus: Die Theorie der Langen Wellen.

5.0 Persönliche Schlussfolgerungen.

Literaturverzeichnis.

 

 

 

 

 

1.0 Einleitung

 

 

 

1.1 Roy F. Harrod:  Person und Werdegang

SirRoy Forbes Harrod wurde am  13. Februar1900in Norfolkgeboren und ist am 8. März1978in Norfolkgestorben.Harrod war ein englischer Ökonom, der zeitgleich, aber unabhängig von Evsey D. Domar, ein Modell zur Wachstumstheorie(Wachstumsmodell vom Typ Harrod-Domar) entwickelte.  Nach dem Studium am New Collegein Oxfordwar Harrod  am King's Collegein Cambridgeaktiv. Später kehrte er nach Oxford zurück, wo er als Direktor am kirchlichen College wirkte.

Während seiner Zeit in Cambridge entwickelte Harrod eine enge Freundschaft zu John Maynard Keynes. Beide verband bis zum Lebensende eine Verbindung,  Harrod wurde im Zuge des beidseitigen  Austausches auch der offizielle Biograf von Keynes („The life of John Maynard Keynes“, von Roy Harrod).  In der Geschichte der Wirtschaftswissenschaft gilt Harrod durchaus als angesehener Ökonom, wenngleich er nicht in der ersten Reihe mit den großen Namen steht. Laut Assar Lindbeck, der ehemalige Vorsitzende des Nobelpreis-Komitees, hätte Roy Harrod den Nobelpreis erhalten hätte, wenn er länger gelebt hätte.

 

 

 

1.2 Einführung in das Harrodsche Denksystem

Roy Harrods Essay in Dynamic Theory  von 1939, gilt als erster  Versuch eine  dynamische Wachstumstheorie zu formulieren. Dieser Beitrag  wird auch heute noch von Ökonomen  als wegweisend anerkannt. So würdigen beispielsweise Oliver Bruno und Muriel Dal-Pont Legrand Harrods Arbeit als bahnbrechend. (Bruno & Dal-Pont Legrand, 2009)

Was sind die grundlegende Denkschemata von Harrod und aus welchen Hypothesen, heraus entwickelte er sein Wachstumsmodell? Von welcher Perspektive aus betrachtete er das Wirtschaftssystem und in welche ökonomische Denkschule lässt er sich zuordnen? Einen ersten Eindruck davon erhält man durch sein Buch „Dynamische Wirtschaft“ von 1948. Das Werk verdeutlicht die Unsicherheit und den Vertrauensmangel in die Wirtschaftstheorie der damaligen Zeit. Die große Depression hat gezeigt, dass kein Modell zur Verfügung stand, das die Prozesse der Realität prognostizieren, noch ausreichend erklären  konnte  und hat die weitere theoretische Entwicklung zur dynamischen Wirtschaftstheorie stark beeinflusst.

Harrod erkennt ganz klar, dass sich die Wirtschaftstheorie in einem Stabilitäts- Paradigma verfahren hat, das von der Suche nach Gleichgewichtszuständen und Statik geprägt ist. Die Masse der Ökonomen ist in einem Gedankenhorizont  gefangen,  der keine Abweichung von seiner Norm zulässt. Wie kann sich laut Harrod die Wirtschaftswissenschaft davon befreien und weiterentwickeln? 

„Eine nicht geringfügige Neufassung der Wirtschaftstheorie wäre dann erforderlich. Aber ich teile nicht die Meinung derjenigen, die behaupten, an Stelle der alten Theorie müßten wir eine völlig neue Art von Wirtschaftstheorie gewinnen, deren erstes Kapitel eine Definition des Volkseinkommens und deren zweites Kapitel – Gott weiß was enthalten müßte.“  (Harrod R. F., 1949, S. 40)

Das harrodsche Denken ist in dem Sinne revolutionär, dass es konventionelle, statische Konzepte zur Erklärung von ökonomischen Phänomenen, durch dynamische zu erweitern versucht.  Dazu müssen nicht alle alten Konzepte verworfen werden:

„Ich möchte behaupten, daß die alte klassische Theorie das, was ich statische und dynamische Elemente nenne, zu ungefähr gleichen Teilen enthält.  Die dynamischen Elemente sind aus dem, was wir heute unter dem System wirtschaftlicher Prinzipien verstehen, allmählich entfernt worden.  Als die statische Analyse durch die Einführung des Grenzprinzipes und die Verwendung des mathematischen Ausdrucks verfeinert und vervollkommnet wurde, verlor man die dynamische Analyse aus dem Blickfeld.“ (Harrod R. F., 1949, S. 25)

“Im Vorübergehen möchte ich noch, um nicht in den Verdacht zu geraten, daß ich alle wirtschaftswissenschaftlichen Arbeiten von Bedeutung als undynamisch verwerfe, bemerken, daß das sogenannte Akzelerationsprinzip wesentlich ein dynamisches Prinzip ist, da es die Größe der Nachfrage nach neuem Kapital als eine Funktion der Wachstumsrate der Wirtschaft betrachtet.“ (Harrod R. F., 1949, S. 22)

Obwohl Harrod den dauerhaften Wert von Keynes hervorhebt, zögert er nicht, dessen Mängel in Bezug auf dynamische Konzepte anzugreifen. Zur Überwindung der Erkenntnisstagnation in der Wirtschaftstheorie sei es notwendig, über Keynes hinauszugehen. Harrod dazu: „Ich bin davon überzeugt, daß die Wirtschaftstheorie gute Fortschritte nur in dem Ausmaß machen wird, in dem sie sich selbst in Ökonometrie umwandeln kann. Aber die Ökonometrie bedarf geeigneter Werkzeuge. Die Keynes`schen Konzepte genügen nicht. Es besteht eine drängende Notwendigkeit nach der Formulierung dynamischer Begriffe und nach der Erklärung eines Minimalsatzes von dynamischen Axiomen.“ (Harrod R. F., 1939, S. 25)

Brauchbare Ansätze zu dynamischen Denkweisen findet er bei Ricardo. Zur Verbesserung des vorhandenen wirtschaftswissenschaftlichen Materials will erdie Werkzeuge von Pigou und Hicks auf die dynamischen Vorstellungen von Ricarod anwenden. Als Beispiel für frühe  dynamische Ansätze bei Ricarod führt er dessen Ausarbeitungen zur Theorie des Sparens an.  Im Gegensatz zu Keynes, der Sparen als Dynamikhemmer (und Wachstumshemmer) betrachtet,  ist  bei Ricarod Sparen die dynamische Komponente im System, die mit andauernden  Umverteilungsprozessen einhergeht.  Deshalb vertitt Harrod auch:  „Die Ansicht, daß Keynes dynamischer sei als Ricardo, ist das genaue Gegenteil der Wahrheit.“ (Harrod R. F., 1949, S. 29)

Akkumulation ist ein bewegendes Motiv, das bei Ricardo als dynamisches Konzept gilt. Harrod weiter: „In der alten Theorie war die  Akkumulation das bewegende Motiv. Hier haben wir den absoluten Gegensatz zu Keynes`  Lehre, nach der das Sparen stets die Tendenz hat, den Fortschritt aufzuhalten.“ (Harrod R. F., 1949, S. 30)

Sparen kann im harrodschen System unmöglich als statische Komponente beschreiben werden. Am Beispiel des Sparens zeigt sich bereits, dass Harrod mit statischen Konzepten als oberste Maxime zur Beschreibung von Wirtschaftsprozessen und Wirtschaftswachstum   bricht. Wesentlich in seinem Wachstumsmodell ist das Instabilitätsprinzip, wonach Wirtschaftswachstum  niemals  statischen Gesetzmäßigkeiten unterworfen sein kann. In diese Auffassung legt er großes Vertrauen und er ist der Meinung, dass sie einen gewichteten Beitrag zu einer Verbesserung der Wirtschaftstheorie leisten kann. Harrod ist sich sowohl dem revolutionären Charakter, als auch der hohen Bedeutung seiner Arbeit sehr wohl bewusst, wenn er sagt: „Herabsetzende Kritik an dieser Gleichung lasse ich auf sich beruhen, denn ich habe das Gefühl, daß sie ein gewaltiges Werkzeug darstellt, um die in ihr enthaltenen Faktoren auszuscheiden, und empfehle Ihnen daher auch, ihr Beachtung zu schenken.“ (Harrod R. F., 1949, S. 97)

Soweit also ein erster Eindruck vom harrodschen Denken, der als  Einleitung zu seinem formalen Wachstumsmodell dienen soll und dazu beitragen soll,  die Vorzüge und Grenzen seiner  Arbeit besser verstehen zu können.

 

 

 

 

2. 0 Grundlagen des Harrodschen Wachstumsmodells

Beim harrodschen Wachstumsmodell handelt es sich um einen postkeynesianischen Ansatz, der versucht, ökonomische Wachstumsdynamiken zu analysieren. Es ist voranzuschicken, dass es sich im Gegensatz zu modernen Entwicklungen, um eine stark vereinfachte Darstellung der Wachstumsdynamik handelt. Das System kommt mit grundlegenden mathematischen Mitteln aus und kann nur als eine stark vereinfacht Annäherung an die dynamischen Wachstumsprozesse im Wirtschaftskreislauf dienen. Dennoch, oder gerade deswegen,  kann man erwarten, dass das Modell letztendlich zu klaren Aussagen gelangt. Auch wenn uns heute bessere Instrumente zur Verfügung stehen, kann sich die Beschäftigung mit dem Modell dennoch lohnen. Die Einfachheit und Übersichtlichkeit des Systems hat Vorzüge, wenn am Ende klare Aussagen getroffen werden können. Was  das Modell trotz der Einfachheit leisten kann und welche Signifikanz die  Aussagen im realen Wirtschaftsgeschehen haben, kann letztendlich jedoch nur durch empirische Untersuchungen geprüft werden.

 

 

 

2.1 Ursachen des Wirtschaftswachstums

Ein Manko bei Harrod ist, dass die Gründe für das Wirtschaftswachstum nicht näher bestimmt werden, wichtiger ist die Gleichgewichtsbedingung von Angebot und Nachfrage für ein gleichmäßiges Wachstum zu identifizieren. Die Ursachen vom Wachstum lassen sich durch das Harrod Modell nicht genauer erörtern.

 

 

2.2 Annahmen des Modells

Wie alle Modelle die versuchen, die komplexe Realität des Wirtschaftsgeschehens mathematisch abzubilden, muss auch das harrodsche Wachstumsmodell auf starke  Restriktionen zurückgreifen und auf hohem Abstraktionsniveau arbeiten. Zu den grundlegenden Annahmen zählen:

 

 

2.2.1 Ein Gut

Die  gesamte Ökonomie hat lediglich ein  Gut zur Verfügung, das entweder als Investitionsgut oder als Konsumgut verwendet wird. Kapital stellt  den Gesamtvorrat an Investitionsgütern dar und  dient als Produktionsfaktor dessen Einsatzmenge in Geldeinheiten messbar ist. Der Kapitalstock ist also das  Anlagevermögen und wird bei konstanten Preisen in Geldeinheiten gemessen.  Desweiteren werden auch Produktion bzw. Einkommen  (Y) und Konsum (C) in Geldeinheiten gemessen.

 

 

2.2.2 Konstante Einkommensveränderungen

Eine starke Restriktion des Modells wird über die Einkommensveränderungen von einer Periode zur nächsten gemacht. Harrod nimmt an,  dass die Einkommensveränderung der nächsten Periode den Einkommensveränderung der zuletzt  beobachteten Periode entspricht.

   ∆ Y t       =  ∆  Y t-1

 

 

 

2.2.3 Neutraler Technischer Fortschritt

Eine Annahme, die häufiger Kritik ausgesetzt ist, bezieht sich auf den technischen Fortschritt. Hierzu wird unterschieden zwischen neutralem, arbeitssparendem und kapitalsparendem technischen Fortschritt.  Nach Harrod handelt es sich bei einem neutralen  technischen Fortschritt  um eine Erfindung, die die relativen Faktorenanteile Arbeit und Kapital am Gesamteinkommen nicht verändert. Arbeitssparender technischer Fortschritt führt dazu, dass der Kapitalanteil  in der Produktion steigt und der Arbeitsanteil sinkt. Kapitalsparender technischer Fortschritt führt umgekehrt zu einem erhöhten Arbeitsanteil und einem verminderten Kapitalanteil.

 

 

2.2.4 Konstante Kapitalkoeffizienten

Neutraler technischer Fortschritt lässt den Kapitalkoeffizienten (Kapitalkoeffizient = Kapitalstock / Gesamteinkommen) von Periode zu Periode unverändert. Wie Harrod selbst einräumt, mag der Kapitalkoeffizient in der Realität variabel sein, er wird aber zur Vereinfachung im Modell als konstant angenommen. Obwohl empirische Untersuchungen zeigen, dass der Kapitalkoeffizient in den entwickelten Ökonomien, wie den USA oder Großbritannien, über längere Zeit hinweg unverändert bleibt, ist  die Annahme eines konstanten Wertes aber vor allem für  Entwicklungsländer unhaltbar und schränkt die Anwendbarkeit des Harrodschen Wachstumsmodells stark ein.  

 

 

2.3    Doppelcharakter der Investitionen

Ein spezieller Fokus wird auf den Doppelcharakter der Investitionen gelegt. Harrod betont in seinem System,  ähnlich wie Domar, die Bedeutung der Investitionen innerhalb des ökonomischen Wachstumsprozesses. Investitionen wirken auf zweifache Weise. Zum einen ist  die Investitionsgüternachfrage, neben der Konsumgüternachfrage, ein Bestandteil der akkumulierten Nachfrage im Gesamtsystem,  zum Anderen wird der Kapitalstock durch die Investitionen direkt vergrößert, was zu einer Erhöhung des akkumulierten Güterangebots führt.

Die Untersuchungen von Harrod (und Domar) fokussieren sich darauf, welche Bedingungen erfüllt sein müssen, damit die Ökonomie gleichmäßig wächst, also damit Angebot und Nachfrage gleichgewichtig ansteigen. Da im System Angebot und Nachfrage  von den Investitionen auf unterschiedliche Weise beeinflusst werden, müssen die Faktoren identifiziert werden, die zu einer Gleichgewichtswachstumsrate führen.

Am Beispiel der Investitionen zeigt sich, wie später im Kapitel 2.9 noch detaillierter ausgeführt wird, ein wesentlicher Unterschied zwischen Harrod und Domar.  Obwohl sich die Investitionsfunktionen der beiden Theoretiker im mathematischen Sinne gleichen, gibt es einen Unterschied in der Interpretation der funktionalen Zusammenhänge. Harrod postulierte, dass die Unternehmen von dem Versuch geprägt sind, die Investitionen an die Einkommensveränderungen anzupassen. In seinem Modell ist also das Verhalten der Unternehmen bei der Investitionsentscheidung primär. Domar hingegen berücksichtigt das Verhalten der Unternehmen nicht.

„Domar geht von der dualistische Natur der Investitionen aus, die einerseits einen Einkommens- oder Multiplikatoreffekt aufweisen, andererseits aber zu einer Vergrößerung des volkswirtschaftlichen Produktionsapparates führen, also einen Kapazitätseffekt besitzen. Während in dem KEYNESschen Wunderland allein der Einkommenseffekt der Investitionen Berücksichtigung fand,  muß dem Kapazitätseffet in der langfristigen Betrachtung des wirtschaftlichen Wachstums unbedingt der gebührende Platz eingeräumt werden. Man kann dann auch sagen, der Einkommenseffet der Investitionen bewirke das Wachstum der Nachfrageseite, der  Kapazitätseffekt das Wachstum des Güterangebots. Dabei ist der folgende wesentliche Unterschied zu beachten: Einen Kapazitätseffekt besitzt die Gesamtinvestitionen, während ein Einkommenseffekt nur von der Investitionsänderung ausgelöst wird.“ (Ott, 1970, S. 229)

 „Domar geht in seinem Modell davon aus, dass jede zusätzliche Investition zweifache Wirkung hat, sie wirkt einerseits auf das Einkommen und Andererseits auf den Kapitastock und die Produktionskapazität. Dieser Doppeleffekt lässt für Domar die Frage auftauchen, unter welchen Bedingungen sich die Wirtschaft im Gleichgewicht befindet, das heißt, wann Produktionskapazität und Volkseinkommen gleich sind.“ (Dorow, 1963, S. 7)

 

 

 

 

2.4 Fundamental Dynamic Antinomy

Unter dem Begriff Fundamental Dynamic  Antinomy fasst Harrod sein Verständnis  von  Sparen und Investieren zusammen und welche Rollen sie im Wirtschaftswachstum einnehmen.

 

 

 

 

2.4.1 Sparfunktion

Sparen ist eine  Funktion des Einkommens:

S=s*Y

 

 

2.4.2 Investitionsfunktion

Unternehmen treffen ihre Investitionsentscheidungen aufgrund der Nachfrageveränderung. Das Investitionsvolumen ist abhängig von der Veränderung im Einkommen. Nachfrageänderung wird also gleichgesetzt mit Einkommensveränderung.  Investition ist abhängige Variable, die Einkommensveränderung die unabhängige Variable. Die Investitionsfunktion lautet:

I=v*(dY/dt)                                                

Wobei v den Akzelerator (response coefficient) darstellt. dY/dt stellt die erwartete Nachfrageveränderung pro Periode dar, wobei aus Gründen der Vereinfachung unterstellt wird,  das die Nachfrageänderung der nächsten Periode gleich der Nachfrageänderung der zuletzt gemessenen Periode darstellt.

 

 

2.4.3 Gleichgewicht und Akzelerator

Im Harrod Modell dienen alle Ersparnisse den Investitionen, sodass gilt S=I. Die gewünschte Wachstumsrate ergibt sich, wenn die Investitionen gleich groß der Sparquote ist. Für  I=S erhalten wir:

v*(dY/dt) =  sY

 

oder umgeformt:

v*(dY/dt) – sY = 0

mit der Lösung:

Y= Y0* e(s/v)*t

Die Wachstumsrate der Ökonomie beträgt:

 s/v

Die Variable v spiegelt auch einen bedeutenden Unterschied zwischen den Modellen von Domar und Harrod wieder, die sich sonst mathematisch gleichen.  v ist bei Harrod ein Parameter der das Verhalten der Unternehmen widerspiegelt.  Im  Gegensatz dazu, stellt bei    v einen technischen Parameter dar.

 

 

 

2.4.4 Konsum

Die Summe von Konsum und Investition stellt das gesamtwirtschaftliche  Volkseinkommen dar, ausgedrückt durch die Formel:

C+I = Y

Der gesamte Konsum des Systems  verhält sich proportional zum gesamten Volkseinkommen, ausgedrückt durch die Gleichung:

C=(1-s)*Y

 

 

 

 

2.5 Konjunkturelle Dynamiken

Da die Investitionen von der Einkommensveränderung abhängig sind, gibt es im Modell bei konjunkturellen Schwankungen Änderungen in den Investition. Wenn man das Modell in Anbetracht der konjunkturellen Oszillationen anwendet, kommt die dynamische Komponente zum tragen, die Harrod bestrebt war, in seine Denkweise zu integrieren.

Einen wichtigen Punkt stellen nun temporäre Verzögerungen dar, sogenannte Time Lags. Wenn Konsum und Investition unterschiedlich auf Veränderungen im Nationaleinkommen reagieren, ergeben sich für das Gesamtsystem auch unterschiedliche Auswirkungen.

Welche kausalen Folgen Verzögerungen im Konsum oder in den Investitionen haben, hängt dann von den Variablen v und s ab, demnach kann das Wachstum der Ökonmie hohen Schwankungsbreiten unterliegen.  Die Amplituden hängen von den Reaktionsfunktionen der Unternehmer ab und können einer  großen Streuung unterliegen.  Das Spektrum der Wachstumsänderung ist groß, die  Ökonomie kann  im Grenzfall mit konstanter Rate wachsen, sie kann  sehr stark wachsen, aber  das Wachstum kann auch vollkommen zusammenbrechen.  

 

 

2.6 Das Harrod  Modell als Grundlage für das Multiplikator - Akzelerator Modell

Auf diese Weise kann das Harrod Modell als Grundlage für andere konjunkturelle Modelle, oder für  das Multiplikator - Akzelerator Modell (Samuelson-Modell) dienen. Indem man in das Harrod Modell Verzögerungen in die Verhaltensfunktionen einführt,  gelangt man zum Samuelson-Hicks-Modell. Dieses erlaubt es nun, Konjunkturschwankungen unter Einbezug der Größen Volkseinkommen, Konsum und Investition,  zu berücksichtigen. Dabei stehen bei der Modellung unterschiedlicher Verzögerungsfunktionen offen, die unterschiedliche Formen von Time Lags nach sich zeihen.

 

 

 

2.8  Wachstumsraten und Gleichgewicht

 

2.8.1 Natürliche Wachstumsrate Gn

Harrod spricht von einer natürlich Wachstumsrate (natural rate of growth), die nicht überschritten werden kann. Diese ergibt sich aus den exogenen Variablen Bevölkerungswachstum und technischer Fortschritt.  Sie stellt das oberste Limit im Outputzuwachs des ökonomischen Systems bei der vollen Kapazitätsauslastung und Vollbeschäftigung dar. Da Harrod von einem neutralen technischen Fortschritt ausgeht, der den Kapitalkoeffizienten nicht ändert, bleibt im Grunde lediglich das Bevölkerungswachstum über, das die Wachstumsrate  Gn   determiniert.

 “Gn (n=natürlich) ist die Fortschrittsrate, die dem Bevölkerungswachstum und den technologischen Verbesserungen entspricht. Sie hat keine direkten Beziehungen zu                     G.“ (Harrod R. F., 1949, S. 108)

 

 

 

 

2.8.2 Die befriedigende  Wachstumsrate Gw

Der natürlichen Wachstumsrate Gn stellt Harrod eine warranted rate of growth Gw (befriedigende Wachstumsrate) gegenüber, die die Verhaltensweise der Unternehmer darstellen soll. Alle Punkte auf Gw  entsprechen  einem Zustand, indem die Produzenten mit ihrer Arbeit zufrieden sind und keine Anreize zu einer Investitionsänderung besitzen. Sie wollen weder mehr, noch weniger produzieren und sind bereit,  mit derselben Wachstumsrate fortzufahren.

„Ich definiere Gwals die generelle Fortschrittsrate, die, wenn sie praktiziert wird, in den Unternehmen eine geistige Bereitschaft erweckt, einen gleichartigen Fortschritt zu vollführen. Einige mögen unbefriedigt bleiben und sich nach oben oder unten anzupassen haben, aber das Auf und Ab dürfte sich ausgleichen, und im ganzen dürfte sich der Fortschritt im laufenden Zeitabschnitt nicht von dem im unmittelbar vorangegangenen unterscheiden.“  

(Harrod R. F., 1949, S. 102)

 

 

 

2.8.3 Gleichgewichtiger Wachstumspfad

Letztendlich stellt die Variable G  (G=Wachstum) die tatsächlich realisierte  Wachstumsrate im Gesamtoutput der Ökonomie dar.

„G (=Wachstum) ist die Zunahme der Gesamtproduktion in einer Zeiteinheit, ausgedrückt als Bruchteil der Gesamtproduktion. Wenn also bei einem stetigen Fortschritt der Produktionszuwachs 2% per annum beträgt, so ist G= 1/50; oder, wenn man den Monat als Zeiteinheit wählt, ist G = 1/600.“ (Harrod R. F., 1949, S. 97)

Ein gleichgewichtiges Wachstum, bei dem das Angebot der Nachfrage entspricht, stellt sich nur dann ein, wenn die natürliche Wachstumsrate und die befriedigende Wachstumsrate einander entsprechen (Gw = Gn). Die Verhältnisanalyse der beiden Wachstumsraten zueinander ist das wesentliche  bei Harrod.

Bei der Wachstumsrate Gw= s/v entspricht des Einkommenswachstum  (=Produktionswachstum) Y, dem Verhältnis der Sparquote s zum Akzelerator (Kapitalkoeffizienten) v. Nur wenn diese Bedingung erfüllt ist, entspricht  der Einkommenseffekt der Investitionen auf der Nachfrageseite, dem Kapazitätseffekt der Investitionen auf der Angebotsseite.  Dann wächst die Ökonomie mit einem Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage.

 

 

 

2. 8.4  Das goldene Zeitalter

Einen Sonderfall tritt ein, wenn gilt  s/v = n, wobei n das  natürliche Bevölkerungswachstum darstellt. Dies hat in der Literatur nach Joan Robinson  unter dem Begriff des  Goldenen  Zeitalters Eingang  gefunden. Wenn die befriedigende Wachstumsrate mit  Gw = s/v  und  das exogen gegebene Bevölkerungswachstum n  einander entsprechen, dann tritt im Harrod Modell ein  Gleichgewicht ein, indem das Bevölkerungswachstum mit dem  Arbeitsmarktwachstum übereinstimmt. In diesem Fall hat das Wachstum von der wirtschaftlichen Seite her exakt die Größe erreicht, die notwendig ist, um dem Bevölkerungswachstum zu entsprechen, es herrscht Vollbeschäftigung.

 

 

2.8.5 Abweichungen vom Gleichgewicht Gn = Gw

Die Wachstumsraten Gn und Gw befinden sich für gewöhnlich nicht im Gleichgewicht.  Die Differenz zwischen den beiden Wachstumsraten ist fundamental für die Entwicklung der Ökonomie und vor allem für den Arbeitsmarkt.

 

·        Wenn s/v  größer ist als n, dann gibt es weniger verfügbare Arbeitskräfte, als von wirtschaftlicher Seite her erforderlich wären, was zu einem konjunkturellen Abschwung führen kann.

 

·        Wenn s/v kleiner ist als n, dann ist die befriedigende Wachstumsrate kleiner als das natürliche Bevölkerungswachstum, es herrscht Arbeitslosigkeit.

 

Alle Abweichungen von der Bedingung Gn =  Gw     sind für die Ökonomie als suboptimal und führen zu keiner Ausreizung des maximalen Wachstumspotenzials.

 

 

 

2.8.6  Akkumulation von Kapital

Damit die natürliche Wachstumsrate Gn aufrechterhalten wird, ist es nötig, im System Kapital zu akkumulieren. Wenn der Einkommenszuwachs Gn durch Bevölkerungswachstum oder durch technischen Fortschritt steigt, muss auch Gw  durch zusätzliches  Sparen (was wiederum direkt zu Investitionen führt) im gleichen Ausmaß steigen, damit die Gleichgewichtsbedingung aufrecht erhalten bleibt.,

Zur genauen Analyse, welche Sparequote notwendig ist um Gn zu halten,  ist es notwendig  das System in zwei Szenarien zu zerlegen.  Der erste Fall untersucht die notwendige Sparquote bei geometrischen  Bevölkerungswachstum und konstantem technischen Fortschritt. Wie groß die Sparquote s gemessen am Einkommen ist,  hängt von der Größe des Kapitalkoeffizienten v  ab. Je größer der Kapitalkoeffizient ist, desto mehr muss gespart werden, um  Gn halten zu können. Wenn der technische Fortschritt als konstant angenommen wird, ist zum Erhalt der Gleichgewichtsbedingung Gn = Gw notwendig, dass die Sparquote prozentual im selben Ausmaß steigt, wie das Bevölkerungswachstum.

Im zweiten Szenario untersucht Harrod eine konstante Bevölkerungszahl (kein Bevölkerungswachstum) und einen steigenden technischen Fortschritt. Da ein neutraler technischer Fortschritt angenommen wird, der den Kapitalkoeffizienten nicht ändert, ist das Ergebnis ähnlich dem ersten Fall.

„Werden die beiden exogenen Fortschrittsfaktoren kombiniert, so muß eine Kapitalakkumulation verwirklicht werden, die dem durch gleichmäßiges Bevölkerungswachstum und stetigen neutralen technischen Fortschritt erfolgten Wachstum des Gesamteinkommens prozentual gleich ist.“ (Dorow, 1963, S. 15)   

Die entscheidenden Variablen im System sind also Bevölkerungswachstum, Einkommenszuwachs, Sparquote (=Investitionsquote)  und Kapitalkoeffizient. Der technische Fortschritt spielt aufgrund der Neutralitätsannahme eine untergeordnete Rolle.

 

 

 

2.8.7 Sparen als Wachstumsbeschleuniger

Es zeigt sich, dass im Modell von Harrod, Wirtschaftswachstum durch Sparen beschleunigt werden kann. Je höher die Sparquote und je kleiner der Kapitalkoeffizient, desto größer die Wachstumsrate Gw. Das steht im scharfen Gegensatz zu  Keynes, der Sparen stets als  Wachstumshemmer ansah. Der Grund dafür, dass sich die beiden Theoretiker hier unterscheiden, liegt in der Interpretation des Sparens begründet. Harrod geht davon aus, dass sämtliche Ersparnisse auch investiert werden, während Keynes davon ausgeht, dass nicht die gesamten Ersparnisse direkt wieder in Investitionen transferiert werden.

 

 

 

2.9  Verbindungen und Unterschiede  zwischen Harrod und Domar

In der Literatur werden die Modelle von Harrod und Domar häufig zusammengefasst und als Wachstumsmodelle vom Typ Harrod-Domar beschrieben. Dennoch gibt es Unterschiede. Es bietet sich an, beide Systeme zu vergleichen, um ein besseres Verständnis für die dahinterliegenden Annahmen für die Wachstumsdynamik  zu erhalten.

 

 

 

2.9.1 Unterschiede beim Akzelerator v

Mathematisch (formal) sind die beiden Wachstumsmodelle von Harrod und Domar ident, beide kommen deshalb auch zu denselben Gleichgewichtslösungen. Beide versuchen zu zeigen, welche Konditionen für ein gleichgewichtiges Wachstum einer Ökonomie  erfüllt sein müssen.  Es ergeben sich jedoch Unterschiede, was die Interpretation  Variable  v  anbelangt. Sie stellt in beiden Modellen ein wichtiges Element  im Wirtschaftswachstum dar, wird jedoch unterschiedlich interpretiert. Bei  Domar ist v der technische Kapitalkoeffizient, bei Harrod der Akzelerator der das  unternehmerische Investitionsverhalten beschreibt.  

Harrods Akzelerator v enthält die von der Nachfrageveränderung induzierten Investitionen. Er beschreibt damit die Investitionsreaktion  der Unternemherseite auf die Einkommensveränderung. Die Veränderung der Nachfrage ist die unabhängige Variable. Die Investitionen und die damit verbundene Veränderung des Kapitalstocks (Produktionskapazität) ist  die abhängige Variable.

Bei Domar ist v der der gegebene Kapitalkoeffizient (Kapital / Output).  Die Kapitalproduktivität (1/v) ist technisch gegeben und sagt als produktionstechnische Variable nichts über das Verhalten der Unternehmer aus. Domar gibt keine Auskunft darüber, wodurch Investitionen im eigentlichen Sinne ausgelöst werden. Der  Kapitalstock (Produktionskapazität)  ist die unabhängige Variable und die  Nachfrage ist die abhängige Variable.

Harrod selbst sieht keinen Unterschied zwischen seinem Akzelerator und Domas Kapitalkoeffizienten. Der Umstand, dass Harrods Akzelerator und Domars marginaler Kapitalkoeffizienten im mathematischen Sinne gleich behandelt werden, und zu keinem Unterschied in der Gleichgewichtslösung führen, werden die beiden Wachstumsmodelle in der Literatur häufig zusammengefasst, als Wachstumsmodelle vom Typ  Harrod- Domar.

 

 

 

 

3.0 Zusammenfassung und wirtschaftspolitische Folgerungen

Das Modell lässt sich dahingehend zusammenfassen, dass für ein gleichmäßiges Wachstum, Angebot und Nachfrage gleich sein müssen. Bei konjunkturellen Schwankungen spielen Time Lags eine Rolle, Reaktionsfunktionen der Unternehmer können also einen Abschwung verstärken oder auch abfedern.  Sparen ist eine Funktion des Einkommens und Investieren ist abhängig von der Einkommensveränderung. Die Investitionen nehmen durch ihren Doppelcharakter (Kapazitätseffekt auf der Angebotsseite und Einkommenseffekt auf der Nachfrageseite) im Modell eine entscheidende Rolle ein. Da alle Ersparnisse direkt investiert werden, gelangt Harrod durch die Gleichsetzung S=I zu der Wachstumsrate s/v.  Das Verhältnis von Sparquote zu Akzelerator (s/v)  entspricht der befriedigenden Wachstumsrate Gw , bei der die Unternehmer keine Veranlassung haben, ihre Investitionsentscheidung zu ändern. Ein gleichgewichtiges Wachstum tritt ein, wenn die natürliche Wachstumsrate (determiniert durch Bevölkerungswachstum und technischen Fortschritt) gleich der befriedigenden Wachstumsrate ist (Gw = Gn).

 

 

 

3.1 Nützlichkeit des Modells

Der Nutzen des  Modells liegt  darin, dass auf einfache Weise die benötigten Sparquoten bzw. Investitionsquoten und   Kapitalkoeffizienten  bestimmt werden können,  um ein ausgelastetes Wirtschaftswachstum bei gegebenem Bevölkerungswachstum zu erzielen.

„Die Wachstumsmodelle zeigen jaauf der einen Seite die Wachstumsrate des Sozialproduktes, mit der eine Volkswirtschaft wachsen muß, um die durch zusätzliche Nettoinvestitionen geschaffene Kapazität auszunutzen, auf der anderen Seite geben sie an, welche Investitionsquoten und Kapitalkoeffizienten erforderlich sind, um eine bestimmte geplante Einkommenswachstumsrate zu erhalten. Auf diese Weise lasse sich unter der Annahme bestimmter Werte für den Kapitalkoeffizienten und für das Bevölkerungswachstum die erforderlichen Kapitaleinsatzmengen für alternative Wachstumsraten des  Pro-Kopf-Einkommens errechnen.“  (Dorow, 1963, S. 78)

 

 

 

3.2 Wirtschaftspolitische Bedeutung

Das Harrod Modell war in den 50 und 60er Jahren durchaus populär, und wurde als theoretische Grundlage  in die  Konjunkturpolitik miteinbezogen. Es hatte beispielsweise auch  in den Entscheidungen der Weltbank Relevanz. Es ist konjunkturpolitisch eng an die  keynesianische Philosophie geknüpft und  postuliert, dass  sich ein  wirtschaftliche System von den Gleichgewichtsbedingung zu weit entfernt hat, durch die Marktinternen Mechanismen aus eigener Kraft nicht mehr dorthin zurückbewegen kann. Dafür benötigt es staatliche bzw. wirtschaftspolitische Eingriffe. Dies steht natürlich im Gegensatz zur neoklassischen Theorie, die davon ausgeht, dass die  Marktmechaniken sehr wohl in der Lage sind, ein Gleichgewicht  ohne staatliche bzw. marktverzerrende Maßnahmen wieder herzustellen. Das Harrod Modell befürwortet also die langfristige Stabilisierung der Marktwirtschaft.

Die grundlegende Frage, die sich aus dem Harrodschen Wachstumsmodell ergibt ist, wie wirtschaftspolitisch darauf reagiert wird, wenn die natürliche Wachstumsrate Gn nicht der befriedigenden Wachstumsrate Gw n entspricht.  Ist Gn größer als  Gw bedeutet dies, dass das Arbeitsangebot (determiniert durch die exogen gegebene Bevölkerungswachstumsrate) größer ist, als von der Wirtschaft absorbiert werden kann.  Es entsteht Arbeitslosigkeit, die zu einem weiteren konjunkturellen Abschwung führen kann.  Je nach Denkschule, ergeben sich unterschiedliche wirtschaftspolitische Maßnahmen. Die Lösung des Keynesianismus wäre es, die Investitionsquote mit wirtschaftspolitischen Eingriffen zu erhöhen, um damit das Wirtschaftswachstum anzukurbeln. Ein marktfundamental geprägter  Ansatz würde darauf vertrauen, dass die selbstregulativen Marktkräfte ausreichend sind, um wieder ein gleichgewichtiges Wachstum herbeizuführen, und würde die wirtschaftspolitischen Eingriffe minimieren bzw. auslassen.

Wie Harrod in  „An Essy in Dynamic Theory“ am Ende selbst schreibt, ist es nicht sein Ziel, eine Diagnose des Systems zu liefern, sondern lediglich ein Instrument zur Analyse zur Verfügung zu stellen. Harrod erhebt nicht den Anspruch, die Wirklichkeit angemessen beschreiben zu können. Das primäre Ziel liegt darin, Faktoren zu identifizieren, die zu einem gleichgewichtigen Wachstumspfad einer Ökonomie führen. Beim harrodschen Wachstumsmodell handelt es sich um einen frühen und einfachen Ansatz, der mit sehr wenigen Variablen auskommt.  Inwieweit das Modell für die praktische Konjunkturpolitik auch heute noch von Bedeutung ist,  muss anhand empirischer Belege festgestellt werden. Im Angesicht seiner Einfachheit und der starken Restriktionen, die das Modell aufweist, muss erwartet werden, dass es die realen Wachstumsprozesse einer modernen Ökonomie nur unzureichend beschreiben kann.

Eine dieser starken Einschränkung ist wie bereits erwähnt, dass die Einkommensveränderung in der nächsten Periode gleich der zuletzt beobachteten Periode ist. Eine weitere starke  Einschränkung ist die Annahme konstanter Kapitalkoeffizienten.  Sehr problematisch wird die Anwendung des Harrod Modells, wenn eine Ökonomie variable Kapitalkoeffizienten von Periode zu Periode aufweist.

„Scheint für den Wachstumsprozess reifer Volkswirtschaften die Annahme eines konstanten Kapitalkoeffizienten wegen der empirisch festgestellten geringen Schwankungen noch vertretbar, so ist sie in Wachstumsmodellen für Entwicklungsländer sehr problematisch. In demselben Maße, in dem in der Nachkriegszeit die wirtschaftliche Entwicklung der westeuropäischen und nordamerikanischen Länder die Angst vor Wachstums- und Konjunktur-Krisen verdrängte, wuchs die Notwendigkeit, sich mit dem wirtschaftlichen Wachstum der Entwicklungsländer zu befassen. Was lag näher, als zunächst zu versuchen, die bewährten Harrod-Domar-Modelle auch für die völlig anders geartete Problematik der Entwicklungsländer als Erklärungsinstrumente zu benutzen.“ (Dorow, 1963, S. 78)   

 

 

 

3.3 Eingeschränkte Anwendbarkeit auf  Entwicklungsländer

Die  Wachstumsdynamiken von Entwicklungsländern sind geprägt von individuellen Faktoren wie  Ressourcen, Bevölkerungswachstum, Klima, technischer Entwicklung und von religiösen und kulturellen Besonderheiten, sodass sich die Wachstumsmodelle, die stark an fortschrittliche Volkswirtschaften angepasst wurden, nicht 1:1 auf Entwicklungsländer übertragen lassen. Als Folge der ständigen Strukturveränderungen von Entwicklungsländern variiert der Kapitalkoeffizient und schränkt die Anwendbarkeit des harrodschen Modells stark ein. Mit der Frage des technischen Fortschritts im Harrod Modell und die  Anwendbarkeit auf  Entwicklungsländer  beschäftigt sich Dorow in seiner Dissertation.  Er hält Harrods neutralen technischen Fortschritt für irreführend  und schreibt: „Selbstverständlich ist die Annahme eines konstanten Verhältnisses von Kapital zu Output (Kapitalkoeffizient) in den Harrod-Domar Modellen innerhalb des tautologischen Systems völlig angreifbar,  undebenso die Umschreibung als neutraler technischer Fortschritt.“  (Dorow, 1963, S. 111)

In Bezug auf die Anwendbarkeit für Entwicklungsländer kommt Dorow zu dem Schluss:  „Aus diesen Gründen kann ein Wachstumsmodell vom Harrod-Domar-Typ, das auf den Voraussetzungen entwickelter Industrieländer beruht, für die Analyse des Wachstumsprozesses der Entwicklungsländer nur von geringerem Wert sein.“ (Dorow, 1963, S. 79)  

 

 

 

4.0 Kritik und moderne Weiterentwicklungen

Das Harrod Modell musste sich aufgrund seiner Einfachheit und seiner Restriktionen massiven Kritiken stellen.   Da eine Vielzahl von bedeutsamen Faktoren nicht berücksichtigt wird,  könne nie ein angemessenes Bild vom realen Wirtschaftswachstum entstehen, so der Vorwurf.  Befolgt man  Harrods  Hinweis, das Modell  als instrumentar – analytisches  System zu sehen, dass den Anspruch einer angemessenen Wirklichkeitsbeschreibung erst gar nicht erhebt,  entfällt jedoch ein Großteil dieser Kritik.

Dennoch ist die wirtschaftswissenschaftliche Literatur gekennzeichnet von einer scharfen Kontroverse in Bezug auf Harrods Beiträge zur Formulierung einer dynamischen Wachstumstheorie.  

 

 

 

4.1 Unterschiedliche Interpretationen

Die Hauptursache dafür mag in den unterschiedlichen Interpretationen und den missverstandenen Vorstellungen von Harrod über das  dynamische Zusammenspiel  von Stabilität und Instabilität sein. Die Forschung, die Harrod nach sich gezogen hat, lässt sich in zwei Bereiche teilen.  Der eine Strang fokussiert sich auf den Gleichgewichtsgedanken und  unterstreicht die Bedeutung des stabilen Wachstumsgleichgewichts in der langfristigen Outputenwicklung ökonomischer Systeme. Zu ihren  Vertreter gehören Solow (1956), Kaldor (1957) und Pasinetti (1961) die in der ökonomischen Literatur eine gewichtige Rolle einnehmen und zu den Standartwerken der Wachstumstheorie zählen. Der andere Strang bestärkt die Bedeutung der Zyklen  und des Akzeleratorprinzips im Wirtschaftsgeschehen. Beiträge dazu kommen von Hicks (1950), Goodwin (1951) und Sportelli (2000).  Die Vertreter dieses Stranges  führen Überlegungen wie Nicht-Linearität, ein und erweitern statische Konzepte mit Erkenntnissen aus der Chaostheorie und Zyklustheorie. (Bruno & Dal-Pont Legrand, 2009)

Eine Analyse der ökonomischen Literatur zeigt, dass der Mainstream  vom Stabilitätsgedanke  dominiert wurde und zyklische Ansätze stets ein Schattendasein gefristete haben. Ökonomen wie Nikolai Kondratrieff und neuzeitliche Vertreter des zyklischen Denkens, wie Leo Nefiodow, Erik Händeler oder  Christopher werden in der wissenschaftlichen Gemeinde weniger beachtet.

 

 

 

4.2 Zyklische Interpretation von Bruno und Dal-Pont Legrand

Interessant ist nun, dass Harrod ein Tor zu einer zyklischen Interpretation eröffnet. Olivier Bruno und Muriel Dal-Pont Legrand haben mit ihrer Arbeit „Cyclical Growth and Instability – An Essay in Harrodian Dynamics“ Harrods dynamische  Theorie weiterentwickelt und unterstreichen darin die Bedeutung der Instabilität für den Wachstumsprozess. Sie verstehen Harrods Instabilitätsprinzip als Bindeglied zwischen Zyklustheorie und Wachstumstheorie und als Basis dafür, um zyklischen Konjunkturmodelle formulieren zu können.

„Thus, we defend the idea that analysis of the mutual interaction between cycles and growth dynamics is the key to understanding Harrod`s (1939) developments.” (Bruno & Dal-Pont Legrand, 2009, S. 12)

Die Autoren betonen, dass es falsch sei, Harrods Beiträge zu einer dynamischen Theorie auf das  Instabilitätsprinzip zu reduzieren, wie es in der Vergangenheit von Kritikern oft getan wurde. Sie argumentieren, dass die Interpretationen unvollständig waren, und Harrods Vorstellungen einer zyklischen Ökonomie nicht gerecht wurden.  Sie messen dem Harrod Modell auch heute noch eine hohe Bedeutung bei  und zeigen auf, dass seine Vorarbeiten, wenn sie eine  vertiefende Interpretation erfahren, auch als Grundlage moderner zyklischer Wachstumsmodelle dienen können.

“We underline that the traditional interpretation of the „dynamic equation“ does not take account of the relationship between cycle and growth, and focuses mainly on the instability principle. We offer an original interpretation of Harrodian instability, which allows us to develop a model in which instability is at the core of cyclical growth dynamics.“ (Bruno & Dal-Pont Legrand, 2009, S. 2)

“Two interesting results emerge from our study. First, we show that the instability principle associated with the dynamic behavior of entrepreneurs can lead to groth-cycles interactions. The model we develop suggests that the origin of the dichotomy between cycles and growth is due more to how the instability principle is interpreted than to Harrod`s definition of that instability. Second, our model offers an argument that takes account of the existence of ex ante disequilibria. These disequilibria are traditionally assumed to be resolved by the assumption of price flexibility. However, we show that on the contrary, their impacts may be frozen in the dynamics of capital accumulation, building a direct link between short-run and long-run equilibria.“ (Bruno & Dal-Pont Legrand, 2009, S. 12 f.)

 

 

 

4.3  Über Harrod hinaus: Die Theorie der Langen Wellen

Ein weiterer moderner Forschungszweig, der sich  intensiv mit konjunkturellen Zykliken  im Wirtschaftswachstum beschäftigt, basiert auf der Theorie der Langen Wellen. Sie wurde ursprünglich von Nikolai Dmitrijewitsch Kondratjew postuliert  (Kondratjew, 1926) und später von Joseph Schumpeter (Schumpeter, 1961) weiterentwickelt.  Die Theorie der Langen Wellen basiert auf der Beobachtung, dass die marktwirtschaftliche Ordnung mit einer Periodendauer von 40 bis 60 Jahren tiefgreifenden Revolutionen unterliegt. Hauptverantwortlich dafür seien die sogenannten Basisinnovationen, wie Dampfmaschine-Baumwolle, Stahl-Eisenbahn, Elektrotechnik-Chemie, Petrochemie-Automobil, Informationstechnik. Dabei handelt es sich also um neue Technologien, die  umfassende  Restrukturierungen der Märkte, als auch der Gesellschaft insgesamt zur Folge haben.  Ein jeder Innovationsschub geht dabei mit Produktivitätsverbesserungen einher, die die Ökonomie insgesamt auf ein höheres Output Niveau anheben.

Ein weiterer Autor, der sich mit der Theorie der Langen Wellen beschäftigt, ist Leo Nefiodow. Auf der Suche nach den Ursachen von Wirtschaftswachstum, greift Nefiodow auf die Erkenntnisse der Systemtheorie zurück, wonach technische, biologische oder soziale Systeme dann wachsen, wenn sie mehr Energie oder Information aufnehmen, als sie zur Strukturerhaltung benötigen.  Übertragen auf die Wirtschaft bedeute dies, dass Energie und Information die einzigen Quellen des Wirtschaftswachstums seien und alle anderen Faktoren sich darauf reduzieren ließen. (Nefiodow, 2001)

 

 

 

5.0 Persönliche Schlussfolgerungen

Die Wachstumstheorie ist ein wesentlicher Baustein zu einem besseren Verständnis von ökonomischen Systemen, und zu bedeutsamen Fragen über die Entwicklung der Menschheit.

Wir besitzen heute noch ein verstreutes Mosaik aus unterschiedlichen Theorien und  Ansätzen, die lediglich ein undifferenziertes Verständnis über die Funktionsweisen  des Wirtschaftssystems zulassen. Gemein ist ihnen eine stark eingeschränkte  Prognose-tauglichkeit. Auch die aktuelle Wirtschaftskrise führt uns, wie zu Zeiten Harrods vor Augen, dass wir in der klassischen Wirtschaftswissenschaft in Bezug auf ökonomische Prognosen kaum zuverlässige Modelle besitzen.  Als Folge davon können sie auch nur eine mangelnde Grundlage für zielgenaue wirtschaftspolitische Maßnahmen liefern.

Ein wesentlicher Grund für Unzulänglichkeiten mag die Kurzsichtigkeit der Modelle  in Bezug auf interdisziplinäre Forschungsansätze sein. Sie sind hochspezialisiert und  betrachten die Ökonomie isolierte von globalen Einflussfaktoren.  Es bleibt abzuwarten, ob sich die  Modelltheoretiker der Ökonomie in Zukunft auch für  neue Erkenntnisse der Physik, der Chaosforschung oder auch der Zyklusforschung öffnen können.

 

 

Literaturverzeichnis

Besomi, D. (2000). On the Spread of an Idea: The Strange Case of Mr. Harrod and the Multiplier. History of Political Economy, 32 , pp. 347-379.

Bruno, O., & Dal-Pont Legrand, M. (2009). Cyclical Growth and Instability - An essay in Harrodian Dynamics. The European Journal of the History of Thought , p. 18.

Dorow, F. (1963). Begriff und Probematik des neutralen technischen Fortschritts in Wachstumsmodellen vom Harrod-Domar Typ .Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i. Br.: Dissertation.

Farmer, K., & Wendner, R. (1999). Wachstum und Außenhandel. Eine Einführung in die Gleichgewichtstheorie derWachstums- und Außenhandelsdynamik (S.34-40). Deutschland, Heidelberg: Physica Verlag.

Flasche, P., Groh, G., & Proaño, C. (1996,2008). Keynesianische Makroökonomik: Unterbeschäftigung, Inflation und Wachstum (S. 314 - 323). Berlin Heidelberg: Springer Verlag.

Freeman, C., & Louçã, F. (2001). As Time Goes By. From the Industrial Revolution to the Information Revolution. Oxford: Oxford University Press.

Goodwin, R. (1951). The Non Linear Accelerator and the Persistence of Business Cycles. Econometrica,29, pp. 1-17.

Händeler, E. (2005). Kondratieffs Welt. Brendow: Moers.

Harrod, R. F. (1939). An Essay in Dynamic Theory in The Economic Journal, Vol. 49, No. 193. pp. 14-33.Royal Economic Society.

Harrod, R. F. (1949). Dynamische Wirtschaft (Towards a Dynamic Economics. Some Recent Developments of Economic Theory and their Application to Policy, Aus dem Englischen übersetzt von Dr. Lothar Bosse . Wien: Humbold-Verlag.

Harrod, R. F. (1948). Towards a Dynamic Economies. Some Recent Develpoments of Economic Theory and their Application to Policy . London: Mcmillan & Co., Ltd.

Harrod, R. (1936). The Trade Cycle: An Essay. Oxford: Clarendon Press.

Hicks, J. (1950). A Contribution to the Theory of the Trade Cycle. Oxford: Clarendon Press.

Kaldor, N. (1957). A Model of Economic Growth. Economic Journal , pp. 591-624.

Kaldor, N. (1954). The Relation of Economic Growth and Cyclical Fluctuations. Economic Journal.

Kondratjew, N. D. (1926). Die langen Wellen der Konjunktur. Archiv für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik, 56 , pp. 573-609.

Nefiodow, L. A. (2001). Der sechste Kondratieff: Wege zur Produktivität und Vollbeschäftigung im Zeitalter der Information. Die langen Wellen der Konjunktur und ihre Basisinnovation. Rhein-Sieg: St. Augustin.

Ott, A. E. (1970). Einführung in die dynamische Wirtschaftstheorie. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht.

Pasinetti, L. (n.d.). Rate of Profit and Income Distribution in Relation to the Rate of Economic Growth. The Review of Economic and Statistics, 29 , pp. 267-279.

Perez, C. (2002). Technological Revolutions and Financial Capital: The Dynamics of Bubbles and Golden Ages. Cheltenham: Edward Elgar.

Schumpeter, J. A. (1961). Konjunkturzyklen. Eine theoretische, historische und statistische Analyse des kapitalistischen Prozesses. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht.

Solow, R. (1956). A Contribution to the Theory of Economic Growth. The Quarterly Journal of Economics, 70 , pp. 65-94.

Sportelli, M. (2000). Dynamics Complexity in a Keynesian Growth-Cycle Model Involving Harrod's Instability. Journal of Economics, 71 , pp. 167-198.

Brennpunkt Syrien

 

Syrien: Zwischen Propaganda, Imperialismus und Systemverfall

 
 
Bereits in den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts hat der einflussreiche Globalstratege Zbigniew Brzezinski die Bedingungen für die amerikanische Weltherrschaft skizziert.  In "The Grand Chessboard" beschreibt er die Zukunft des amerikanischen Imperialsmus auf Basis militärischer Übermacht und kultureller Assimilation. Wirtschaftliche Überlegenheit wird durch global agierende Megakonzerne gesichert. In Anbetracht des Ölfördermaximus muss sich der geostrategische Imperialmsus auf Eurasien konzentrieren.  Nur wer die Kontrolle über Eurasien erlangt, kann die Entwicklung anderer Länder  behindern, und die Vormachtstellung zementieren. Brzezinski machte in der Vergangenheit an zahlreichen Stellen deutlich, dass bei der Umsetzung der Pläne Menschenleben keine Rolle spielen. Auch wenn die Zahl der Kriegstoten in die Millionen geht, auf dem Schachbrett des globalen Machtkampfes zählen sie nur als Bauernopfer.  
 
Das Project for New American Century (PNAC), mit Politgrößen wie Rumsfeld, Cheney und Wolfowitz,  formulierte zur Jahrtausendwende ähnlichen Ziele: Die totale Überlegenheit Amerikas, die Bekämpfung der Konkurrenten wie Russland und China und ökonomische sowie kulturelle Hegemonie. Wichtige Länder auf dem Speißeplan wurden festgelegt: Afghanistan, Irak, Syrien und Iran.  Für die amerikanischen Vorherrschaft sei es notwendig, das Militär enorm aufzurüsten und zu modernisieren.  Der Plan bekam den Namen Rebuilding Americas Defense. Und wie Brzezinski, kam auch das PNAC bereits vor dem 11. September 2001 zum Schluss, dass, um erfolgreich zu sein, der amerikanische Imperialismus ein gewaltiges Trauma, wie ein neues Pearl Harbor, benötigen werde.  Nach dem Kalten Krieg bräuchte man einen neuen Feind. Ohne ihn würde die Transformation des Militärs ein sehr langwieriger Prozess werden, so der damalige Konsens. 
 
Wer  Papiere von Kissinger, Brzezinski und PNAC Mitgliedern wie  Kagan studiert, wird auf die weltpolitischen Ereignisse der letzten 12 Jahre und auch auf die Syrienkrise, vielleicht eine andere Sichtweise erhalten. Zu Beginn mag Wes Clark weiterhelfen: "Wir zerstören 7 Länder in 5 Jahren:  Irak, Lybien, Libanon, Somalia, Sudan, Syrien und Iran."
 
   
 
Syrien: Zwischen Propaganda, Imperialismus und Systemverfall